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Martha
ist Anfang dreißig, als sie Helmut kennenlernt.
Die beiden heiraten. Doch schon während der Flitterwochen
offenbart Helmut seinen dominierenden und sadistischen
Charakter. Zunächst ist Martha noch fasziniert
und befriedigt unbewusst ihre masochistischen Bedürfnisse.
Aber dann versucht Helmut, sich Martha gänzlich
gefügig zu machen und sie nach seinen Vorstellungen
zu formen. Allmählich verwandelt sich Marthas
Liebe in Furcht. In ihrem ehemaligen Kollegen Kaiser
findet Martha einen Vertrauten, aber Helmut spioniert
ihre heimlichen Treffen aus. Es kommt zur Konfrontation...

MARTHA
ist die triviale ,,Hollywood"-Variante zu Fontanes
EFFI BRIEST.
Sind die Erziehungsmaßnahmen eines erwachsenen
Mannes an einer erwachsenen Frau im Fontane-Film mit
dem Druck gesellschaftlicher Normen zu erklären,
so sind sie bei MARTHA Ausdruck eines psychologischen
Problems. Bei ihrer ersten Begegnung, wenn Martha
und Helmut eine Spur zu dicht voreinander stehen bleiben,
zeichnet sich die gegenseitige Faszination, aber auch
schon das zukünftige Abhängigkeitsverhältnis
ab. Eine der berühmten Ballhaus'schen Kamerafahrten
umkreist die beiden, um sie wie mit Zentrifugalkraft
noch einmal auseinander zu wirbeln. Bei ihrem ersten,
leidenschaftlichen Kuss gleicht die Kamerabewegung
dagegen schon einem Strudel, in dem beide rettungslos
versinken.
Fassbinder: ,,Wenn Martha zum Schluss des Films alleine
nicht mehr lebensfährig ist, dann hat sie das
erreicht, was sie eigentlich wollte... Die meisten
Männer können nur nicht so perfekt unterdrücken
wie die Frauen es gerne hätten."
(Zitiert
von Wilhelm Roth, in: Rainer Werner Fassbinder,
Reihe Film, hg. v. P. W. Jansen und W. Schütte,
München 1985.)
Dass
das nicht Frauenfeindlichkeit, sondern Polemik ist,
hinter der sich eine aufklärerische Haltung verbirgt,
zeigt ein anderes Statement Fassbinders. Der Film
habe etwas Positives, ,,weil natürlich jedweder
Mensch, der das sieht, sich davon absetzen will und
das einfach anders machen muss."
(Zitiert bei Wilfried Wiegand, a.a.O.)
Mit MARTHA kommt Fassbinder seinem Vorbild Douglas
Sirk und dessen Film IMITATION OF LIFE am nächsten,
und damit, mit den Mitteln der Kulturindustrie, auch
Adorno: Es gibt kein richtiges Leben im Falschen.
um
00.45 Uhr
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