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Dienstag, den 19. Februar 2002 ab 20.45 Uhr

Unfruchtbarkeit - Das Übel des 21. Jahrhunderts? 
Themenabend, ARTE F, 135 Min.

20.45 Spermien in Gefahr 
Dokumentation von Ariel Camacho, Frankreich 2001, Deutsche und französische Erstausstrahlung, 53 Min.

Ein 1992 vom British Medical Journal veröffentlichter Artikel, in dem die Autoren feststellten, dass aufgrund von Umwelteinflüssen die Männer immer weniger Spermatozoiden produzieren, schlug wie eine Bombe ein. Die von den Wissenschaftlern damals skeptisch aufgenommene These hat sich inzwischen durchgesetzt und die Neugier der Forscher in der ganzen Welt geweckt.
Der Film versucht, der Wahrheit Schritt für Schritt näher zu kommen. Er zeigt u. a. wie im Laboratorium eine Hodenzelle von einer chemischen Substanz zerstört wird. Er folgt einem Epidemiologen in ein Unternehmen, wo er, wie die Angestellten selbst, mit Tabus, Vorbehalten und Informationsproblemen konfrontiert wird. Und er stellt drei Studien vor, anhand derer man sich eine Vorstellung von dem Berufsrisiko machen kann, das der Einsatz bestimmter chemischer Substanzen oder die Ausübung bestimmter Berufe mit sich bringt.

Aus dem Gespräch mit einem Mitarbeiter des Gesundheitswesens geht hervor, wie viel für die Wissenschaftler, Politiker und Industriellen noch zu tun bleibt, bis eine von der breiten Öffentlichkeit akzeptierte Politik der Verhütung und Eindämmung der gesundheitlichen Risiken durchgeführt werden kann.
Die Dokumentation führt uns auf eine Rundreise von Argentinien nach Dänemark über Deutschland und Frankreich. Sie ist ein Aufruf, sich angesichts der Bedrohung, die die Umweltveränderungen für die männliche Fruchtbarkeit mit sich bringen, gemeinsam den Fragen der Wissenschaftler und der Betroffenen zu stellen. Die Dokumentation eröffnet einen Einblick in einen interdisziplinären Forschungskomplex, an dem sich Andrologen, Epidemiologen und Biologen beteiligen. Das ganz außergewöhnliche Szenario, das sich daraus ableiten lässt, stellt das Gesundheitswesen vor seine größte Herausforderung für die kommenden Generationen und den Fortbestand der menschlichen Art.


21.40 Unfruchtbarkeit bei Frauen 
Reportage
Produktion : Arte Vidéo
Warum sind manche Frauen unfruchtbar?
Oft ist die Rede von einem Anstieg der Fälle von Sterilität. Ist das wirklich so?
Ist die Zunahme der künstlichen Befruchtung nicht ganz einfach darauf zurückzuführen, dass diese Techniken immer besser geworden sind? Liegen die Schwierigkeiten beim Kinderkriegen vielleicht auch daran, dass viele Frauen sich immer später für die Mutterschaft entscheiden? Wie steht es mit den Fehlgeburten? Nehmen sie auch zu?




22.00 Unfruchtbarkeit auf Rezept: Distilben
Dokumentation von Stéphane Mercurio, Frankreich 2001, 58 Min.

Erste Etappe einer Sterilitätsbehandlung. Ärztliche Untersuchung, Röntgenbild des Uterus. Hat Ihre Mutter Distilben genommen?" Das Wort taucht zum ersten Mal auf. Die Patientin ist ca. 25 bis 30 Jahre alt. Die Mutter erinnert sich oder erinnert sich nicht. Der Gynäkologe macht im Krankenblatt eine Notiz oder notiert nichts. Im Allgemeinen geht er davon aus, dass das nicht so wichtig ist. Die Schwierigkeiten bleiben bestehen. Eine Schwangerschaft will sich nicht einstellen, oder es kommt zur Fehlgeburt, dann noch eine und noch eine. Verzweiflung macht sich breit.

Distilben (oder auch DES genannt) galt als Wundermittel, das Millionen Mütter in der ganzen Welt bis Ende der 70er Jahre gegen Fehlgeburten eingenommen haben. Obwohl bereits 1953 die Wirkungslosigkeit des Medikaments nachgewiesen wurde, blieb Distilben dennoch im Handel. 1971 wies eine amerikanische Untersuchung nach, dass es bei den Kindern von Frauen, die dieses Mittel während der Schwangerschaft eingenommen haben, Krebs erregen kann. In den Vereinigten Staaten wird es daraufhin sofort verboten, in Europa dagegen wird es weiterhin verschrieben (in Frankreich wird es noch bis 1977 verkauft). Warum?
Die Dokumentation versucht, den Mechanismus der Katastrophe bis zur heutigen Ablehnung zu verstehen. Die Wege der Frauen kreuzen sich mit denen der Ärzte, staatlichen Einrichtungen und Laboratorien. Eine Geschichte, in der es um Meinungsdiktat, wirtschaftliche Interessen und auch um Schuld geht. Eine exemplarische Geschichte.

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