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Beruf: Regisseur, Autor, Produzent, Schauspieler

Geboren 1932 in Paris liebte der bereits siebenjährige François das Kino, er stahl Filmplakate aus Schaukästen und schrieb Filmkritiken, die er an Haushalte verteilte. Mit 14 verließ er die Schule, begann zu arbeiten und wurde bei den "Cahiers du Cinéma" bald ein gefürchteter Filmkritiker.

Seine bissigen Artikel führten zu seinem Ausschluß bei den Filmfestspielen in Cannes 1958. Ein Jahr später gewann er ebenda den Preis für den besten Film, sein autobiographisch gefärbtes Drama Sie küßten und sie schlugen ihn mit dem jungen Jean-Pierre Léaud als Antoine Doinel in der Hauptrolle, der sich gegen eine ignorante Welt auflehnt.

Der Film begründete nicht nur die "Nouvelle Vague" des Kinos, sondern war auch der Beginn für den einzigartigen Filmzyklus um Antoine Doinel im Zeitraum von zwanzig Jahren. In Geraubte Küsse versucht Doinel 1968, einer endgültigen Fixierung auf seine Freundin Christine (Claude Jade) zu entfliehen. 1970 sind Jean-Pierre Léaud und Claude Jade in Tisch und Bett verheiratet und 1979 lassen sie sich in Liebe auf der Flucht scheiden.

Die Beiläufigkeit von Truffauts Filmen, die zwischen heiter und traurig wechselnde Komik und die leichte, natürliche und doch so kunstvolle Kameraführung prägten einen unverwechselbaren, immer wieder zitierten Stil. Jeanne Moreau, Oskar Werner und Henri Serre konnten unter Truffauts Leitung ihre Rollen mit großer Gelöstheit und Authentizität verkörpern.

Seine bedeutendsten Werke neben den Doinel-Filmen sind die Ménage à trois in Jules und Jim mit Jeanne Moreau, Die süße Haut mit Françoise Dorléac (in die Truffaut verliebt war, bis sie 1967 bei einem Autounfall verbrannte), Fahrenheit 451 mit Julie Christie, Das wilde Kind mit François Truffaut selbst als Dr. Itard, Die amerikanische Nacht als seine Liebeserklärung an das Kino, Der Mann, der die Frauen liebte und Die letzte Metro mit Catherine Deneuve und Gérard Depardieu.




Als Schauspieler trat François Truffaut auch in Steven Spielbergs Die unheimliche Begegnung der dritten Art auf.

1985 entstand in Cannes unter der Regie eines engen Freundes und mehrfachen Co-Autors von Truffaut, Claude de Givray, der mit den Stars Jeanne Moreau, Catherine Deneuve, Claude Jade, Fanny Ardant, Jacqueline Bisset, Jean-Pierre Léaud, Gérard Depardieu und Charles Denner besetzte Dokumentarfilm Vivement Truffaut! für das Französische Fernsehen (FR3).

Chronologie

6. Februar 1932
: François Truffaut wird in Paris als unehelicher Sohn des Architekten und Ausstatters François Truffaut geboren. Seinen Vater lernt er nie kennen. Die Mutter, Janine de Monferrand, ist Sekretärin bei der Zeitschrift „L'Illustration“. Er wird von seinen Großmüttern erzogen.

„... Meine Mutter ertrug keinen Lärm, im Grunde genommen ertrug sie gar nichts. Ich musste mich unsichtbar machen, ganz still auf meinem Stuhl sitzen und lesen, ich durfte weder spielen noch Krach machen, ich musste so tun, als sei ich gar nicht da.“

Dezember 1940: In Paris läuft der Film „Paradis perdu“ von Abel Gance an. Der junge François Truffaut entdeckt mit diesem Film seine Liebe zum Kino.

1947: Truffaut gründet den Film-Club „cercle cinémane“ im Pariser Quartier Latin. Er lernt den Filmkritiker André Bazin kennen, der ihm eine Arbeit bei der Organisation „Travail et Culture“ vermittelt. Truffaut reißt immer wieder aus und wird straffällig; er wird in ein Heim in Villejuif eingewiesen.

1950: Truffaut meldet sich bei der Armee, obgleich er das Mindestalter noch nicht erreicht hat. Er wird nach Deutschland versetzt. Nach seiner Desertion wird er zu einer Militär-Gefängnisstrafe verurteilt. Auch diesmal tritt André Bazin als Helfer in Erscheinung: Nach seiner Resozialisierung lebt Truffaut bei der Familie Bazin.

„... Ich wurde ganz rot vor Stolz, wenn er bei einer Diskussion meiner Meinung war; noch glücklicher war ich allerdings, wenn er mir widersprach. Er war wie ein „Gerechter“, dessen Urteil einen hohen Wert hatte. Er war für mich wie ein Vater, und selbst scharfe Rügen kamen mir behutsam und sanft vor.“

1953: Truffaut arbeitet mehrere Monate in der Filmabteilung des französischen Landwirtschaftsministeriums; nach einiger Zeit wird er entlassen. Im März 1953 erscheint in der Filmzeitschrift „Les Cahiers du Cinéma“ (Ausgabe Nr. 21/1953) zum ersten Mal ein Artikel von Truffaut, der den Titel „Les extrêmes me touchent“ (Extreme berühren mich) trägt und dem Film„Le masque arraché“ von David Miller gewidmet ist. Das Schreiben von Filmkritiken wird zu Truffauts Haupttätigkeit.

„Je öfter man ins Kino geht, desto größer wird das Bedürfnis, sich der Leinwand zu nähern, um die entsetzliche, aus der Gewohnheit entstandene, kritische Objektivität zu überwinden, die den Zuschauer abstumpfen und zum schlechten Zuschauer werden lässt.“

1954: Truffaut schreibt für die Zeitschriften „Arts“, „Cahiers du Cinéma“ und „Parisienne“ und vertritt sehr kritische Positionen. Im Januar schreibt er den Artikel „Une certaine tendance du cinéma“ (Eine


„Ich weiß nicht, ob ich überhaupt vorhatte, Filme zu drehen; die Frage habe ich mir nie bewusst gestellt. Rivette ergriff die Initiative und schlug mir irgendwann vor, sich zusammenzusetzen, gemeinsame Projekte zu erarbeiten und den Produzenten dann unsere Drehbücher vorzustellen. Unsere Bewegung, die „Nouvelle Vague“, ging sozusagen mehr von meinen Freunden aus als von mir.“

1955: Truffaut veröffentlicht in „La Parisienne“ die Novelle „Antoine et l'orpheline“. Erstes Interview mit Alfred Hitchcock in Paris für die „Cahiers du Cinéma“.

1956: Truffaut arbeitet als Assistent von Roberto Rossellini. Gemeinsam arbeiten sie an drei Filmprojekten, die allerdings nie zum Abschluss gebracht werden.

1957: Am 15. Mai veröffentlicht Truffaut den Artikel „Le cinéma français crève sous de fausses légendes“, in dem er den Korporatismus im französischen Filmwesen angreift. Er gründet seine eigene Produktionsfirma „Les films du Carrosse“. Im August beginnen die Dreharbeiten zu „Les Mistons“. Am 29.Oktober heiratet er Madeleine Morgenstern, die Tochter des Produktions- und Vertriebsleiters Ignace Morgenstern.

1958: Im Frühjahr dreht Truffaut „Histoire d'eau“. Aufgrund der heftigen Kritiken wird er nicht nach Cannes eingeladen.

10. November: Beginn der Dreharbeiten zu seinem Film „Sie küssten und sie schlugen ihn“. Tod von André Bazin.

„Mit ‚Sie küssten und sie schlugen ihn’ wurde François Truffaut zum Inbegriff des modernen Kinos. ‚Truffauts Kinder’ wurde (im Französischen A.d.Ü.) eine Art feststehender Ausdruck (...). „Sie küssten und sie schlugen ihn“ stand für Ungezwungenheit, Tempo, Kunst, Neuheit, Kinematografie, Originalität, Frechheit, Ernst, Tragik, Erfrischung, Ubu Roi, Fantastisches, Wildheit, Freundschaft, Universalität und Zärtlichkeit.“ (Jean-Luc Godard)

1959: Beginn der Dreharbeiten zu „Schießen Sie auf den Pianisten“ nach dem Kriminalroman von David Goodis.

„Ein einziges Bild war es, das mich zu diesem Film veranlasste“, erzählte Truffaut oft. „Es war ein Bild aus jenem Buch: Inmitten einer verschneiten Landschaft fährt ein Auto völlig geräuschlos auf einer abfallenden Straße. Ich verspürte den großen Wunsch, das Bild dieses geräuschlos durch den Schnee gleitenden Autos zu visualisieren; der Rest hat sich dann von selbst ergeben.“

22. Januar: Geburt seiner Tochter Laura Truffaut. „Sie küssten und sie schlugen ihn“ wird bei den Filmfestspielen in Cannes mit dem „Grand Prix“ ausgezeichnet.

1960: François Truffaut ist Mitunterzeichner des „Manifests der 121“, in dem französische Intellektuelle die Unabhängigkeit Algeriens fordern. Jean-Luc Godard übernimmt die Arbeit am Drehbuch für „A bout de souffle“.

10. April 1961: Beginn der Dreharbeiten zu „Jules und Jim“, der Verfilmung des Buches von Henri-Pierre Roché.




„’Jules und Jim’ ist der im Telegrammstil verfasste Liebesroman eines Dichters, der sich von seinem kulturellen Hintergrund lösen möchte; er reiht Wörter und Gedanken aneinander wie ein Landarbeiter, der sich knapper und einfacher Sätze bedient. ‚Jules und Jim’ gleicht eher einem cinematografischen Buch als einem Literaturfilm.

29. Juni: Geburt seiner zweiten Tochter, Ewa Truffaut.
November: Dreharbeiten zu „Antoine und Colette“.
Bei „Tire au flanc“ führt Truffaut gemeinsam mit Claude de Givray Regie, er ist Produzent, Co-Drehbuchautor und spielt einen gefangenen Soldaten.

21. Oktober 1963: Beginn der Dreharbeiten zu „La Peau Douce“.

Dezember 1965: Ausstrahlung der Truffaut gewidmeten Serie „Cinéastes de notre temps“.

12. Januar 1966: Beginn der Dreharbeiten zu „Farenheit 451“ nach der Romanvorlage von Ray Bradbury.

„Wenn ich den Film noch einmal drehen würde, würde ich dem Ausstatter, dem Kostümbildner und dem zuständigen Kameramann sagen: Wir machen einen Film aus der Sicht von Kindern. Die Feuerwehrleute sind Bleisoldaten, die Kaserne ist ein wunderschönes Spielzeug... Ich möchte, dass ‚Fahrenheit 451’ weder wie ein typisch jugoslawischer noch wie ein typisch linker amerikanischer Film wird, sondern trotz seines großen Themas ein ganz einfacher und schlichter Film.“

Truffaut veröffentlicht sein Buch „Mr Hitchcock, wie haben Sie das gemacht?“ Die englische Fassung schreibt Helen Scott.

Truffauts Produktionsfirma „Les films du Carrosse“ koproduziert „Zwei oder drei Dinge, die ich von ihr weiß“ von Jean-Luc Godard.

2. April 1967: In der 10-stündigen Radiosendung auf France Culture,„Carte blanche à François Truffaut“ spricht er über das Thema Schwierigkeiten in der Kindheit; in der Sendung kommen auch Ärzte, Erzieher, Jugendrichter, Betreuer und Psychologen zu Wort.

16. Mai: Beginn der Dreharbeiten zu „Die Braut trug schwarz“.

„Für mich und auch für die Schauspieler waren die Dreharbeiten zu „Die Braut trug schwarz“ sehr anstrengend. 56 Tage lang einen Film über den Tod zu drehen, lässt niemanden unberührt. Ich bin im übrigen davon überzeugt, dass für einen Regisseur, der zum ersten Mal eine Todesszene filmt, ein neuer Abschnitt in seiner beruflichen Entwicklung beginnt.“

5. Februar 1968: Beginn der Dreharbeiten zu „Geraubte Küsse“.

„Meiner Ansicht nach gelang es Trenet am besten, eine Art dichterische Ausgewogenheit zu erzielen, die richtige Mischung aus Schwere und Leichtigkeit in einem Chanson. „Geraubte Küsse“ versucht, wie ein Chanson zu sein.

„Affaire Langlois“: Truffaut gehört dem Komitee zur Verteidigung des Filmmuseums Cinémathèque Française an („Comité de défense de la Cinémathèque Française“). Ehrenvorsitzender ist Jean Renoir, Truffaut und Jacques Doniol-Valcroze sind Schatzmeister.

2. Dezember: Beginn der Dreharbeiten zu „Das Geheim


26. Oktober: François Truffaut ist Gast in der Fernsehsendung „L'invité du dimanche“.

21. Januar 1970: Beginn der Dreharbeiten zu „Tisch und Bett“.
Die Abenteuer von Antoine Doinel erscheinen in der Zeitschrift „Mercure de France“.

20. April 1971: Beginn der Dreharbeiten zu „Zwei Mädchen aus Wales und die Liebe zum Kontinent“.

14. Februar 1972: Beginn der Dreharbeiten zu „Ein schönes Mädchen wie ich“.

25. September: Beginn der Dreharbeiten zu „Die amerikanische Nacht“.

1973 :„Die amerikanische Nacht“.wird in Hollywood mit dem Oscar für den besten ausländischen Film ausgezeichnet.

8. Januar 1975: Beginn der Dreharbeiten zu „Die Geschichte der Adele H.“

17. Juli: Beginn der Dreharbeiten zu „Taschengeld“.

Veröffentlichung seines Buches „Die Filme meines Lebens“ im Flammarion - Verlag

19. Oktober 1976: Beginn der Dreharbeiten zu „Der Mann, der die Frauen liebte“.

Veröffentlichung von „Taschengeld“, dem Buch zum gleichnamigen Film, erschienen im Flammarion-Verlag.

1977: Truffaut dreht „Rencontres du troisième type“ von Steven Spielberg.

Veröffentlichung von „Der Mann, der die Frauen liebte“, dem Buch zum gleichnamigen Film, erschienen im Flammarion-Verlag.

11. Oktober: Beginn der Dreharbeiten zu „Das grüne Zimmer“.

29. Mai 1978: Beginn der Dreharbeiten zu „Liebe auf der Flucht“

Oktober 1979: Truffaut übernimmt den Vorsitz der „Fédération internationale des Ciné-clubs“. Hommage an das „American Film Institute“.

28. Januar 1980: Beginn der Dreharbeiten zu „Die letzte Metro“.

1. April 1981: Beginn der Dreharbeiten zu „Die Frau nebenan“.

4. Novem 1982: Beginn der Dreharbeiten zu „Auf Liebe und Tod“.

28. September 1983: Geburt von Joséphine Truffaut, Tochter von François Truffaut und Fanny Ardant. Truffaut arbeitet am Drehbuch zum Film „Die kleine Diebin“.

21. Oktober 1984: François Truffaut stirbt im amerikanischen Krankenhaus von Neuilly.

1989: Claude Miller verfilmt „Die kleine Diebin“ nach dem Drehbuch von François Truffaut.



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