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Das synthetische Östrogen Diethylstilboestrol (DES)  wurde von 1941 bis in die 1970er Jahre als Medikament zur Verhütung von Schwangerschaftskomplikationen verwendet, jedoch wegen schwerwiegender Nebenwirkungen auf die Nachkommenschaft aus dem Handel gezogen. Allein in den USA waren etwa 4,8 Millionen Frauen betroffen. Auch in Australien wurde das Medikament verordnet, und in Europa kam es vor allem in Frankreich, Großbritannien, Irland, Belgien, Spanien, Ungarn und in den Niederlanden zum Einsatz. Die Schätzungen über DES-Kinder in Europa gehen in die Hunderttausende. Obwohl die Unwirksamkeit des Medikaments sowie die möglichen schweren Nebenwirkungen wie Mißbildungen, Tumore an den Geschlechtsorganen und verminderte Fruchtbarkeit bei den Nachkommen bereits seit 1953 bekannt waren, wurde DES in Frankreich erst 1977 verboten. Die Zahl der Betroffenen liegt in Frankreich bei 160.000, darunter 80.000 Frauen.
In die französischen Schlagzeilen kam der DES-Skandal erst am 18.2.1983 in einem Le Monde-Artikel. Doch schon nach einigen Tagen war die Empörung verebbt und bis auf einige Artikel in Frauenzeitschriften war Diethylstilboestrol für die Medien kein Thema mehr. Auch die Ärzteschaft schien sich kaum für das Thema zu interessieren. Über die Folgen des Medikaments wurde die französische Ärzteschaft vom Gesundheitsministerium erst 1989 informiert.

In Deutschland kam DES aus verschiedenen Gründen kaum zum Einsatz. Zum einen gab es gegen Fehlgeburten ein Konkurrenzprodukt der dort markbeherrschenden Firma Schering, das jedoch nur über kurze Zeit und in wenigen Fällen eingesetzt wurde. Ein weiterer Grund waren die Erkenntnisse der genetischen Forschung, die als Hauptursache für Fehlgeburten (habituelle Aborte) eine genetische Veranlagung identifizierten, gegen die die Verordnung eines Hormonprodukts keinen Sinn machte. 

Weltweit organisieren sich die Betroffenen in Initiativen und fordern eine qualifizierte medizinische Betreuung sowie Schadenersatz. Die Arbeit der Selbsthilfegruppen kann sich noch über Jahrzehnte fortsetzen, denn längst nicht in allen betroffenen Ländern gibt es Entschädigungsfonds. Auch nicht in Frankreich, wo eine öffentliche Diskussion noch aussteht. Doch die Betroffenen und die Fachmediziner werden sich noch lange mit dem Thema beschäftigen müssen, denn auch die dritte Generation kann betroffen sein: Die amerikanische Wissenschaftlerin Retha Newbold wies in Tierversuchen nach, dass sich der Krebs auch auf die Enkelkinder vererben kann.

Adressen und Links von französischen Selbsthilfegruppen und Diskussionsforen finden Sie in der Rubrik "Contacts" auf der französischen Dossierseite über DES.



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