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Memoiren einer Hofdame

Die Essgewohnheiten im Kaiserpalast folgten einem nach Rang, aber auch Festtagen und Jahreszeiten festgelegten Ritual, jeweils mit unterschiedlichen Zubereitungsarten und Geschmacksrichtungen. So berichtet es He Rong Er, frühere Hofdame in der Verbotenen Stadt.

Das Essen am Hofe richtete sich nach den Jahreszeiten. Der Vortag des Neujahrsfestes, genannt Chi Xiu, „Nacht des Abschieds vom Alter“, war ein ganz besonderer Tag im Leben am Hofe. Wir durften lange schlafen! Erst um elf Uhr begaben wir uns zur Kaiserin, um vor ihr nieder zu knien und ihr Glück zu wünschen. Am ersten Tag des neuen Jahres aber gab es die Frühjahrstafeln, die in Pappschachteln auf Tischchen serviert wurden. Diese Schachteln, sie waren rund oder quadratisch, nannte man auch Tafelschachteln. In jeder befanden sich sechzehn oder achtzehn Lackdosen, gefüllt mit gesalzenem oder geräuchertem Kohl. Nachdem wir diese Neujahrsküchlein verzehrt hatten, kosteten wir verschiedene Suppen.

Der Monat Mai war die Zeit der Kuchen. Es gab sie in allen erdenklichen Formen: quadratisch, spitz oder auch wie ein Haarknoten geformt! Der August war der Monat der Mondkuchen. Am Jahresbeginn gab es Reissuppe mit getrockneten oder jungen grünen Erbsen. Der Tag der Sommersonnwende kündigte die Saison der kalten Gerichte an: Fleisch oder Hühnchen, Würste in Gelee. Während der Hundstage erhielten wir meist nur kalte Mahlzeiten: Engelshaarnudeln mit Lotussamen, Lotuswurzeln mit Melonenstücken, Mandelmasse und Reissuppe mit Lotusblättern. Ab Mitte Oktober schließlich gab es Eintopfgerichte, wie die „Zehn Kostbarkeiten“ oder mongolischen Feuertopf. Als Mandschuren aus dem Nordosten Chinas waren wir besonders versessen auf sauer eingelegten Kohl, Blutwurst und Hühnerbrust ohne Sojasauce. Gelegentlich gab es auch geschmorten Fasan. Ganze drei Monate des Jahres bestand unsere Kost fast ausschließlich aus Eintopfgerichten!




Zum Totenfest aßen wir Mungbohnen, Rote-Bohnen-Kuchen und im Dampf gegarte Maisbrötchen.

Früchte wie Äpfel, Birnen, Pfirsiche und Melonen wurden uns je nach Jahreszeit zugeteilt. Während der Arbeit war uns der Verzehr von Früchten nicht gestattet. So lauteten die Vorschriften.

Jin Yi, Memoiren einer Hofdame in der Verbotenen Stadt.



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