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Die Chinesen haben ein einzigartiges Bestimmungssystem von Krankheiten, das sich von dem westlichen deutlich unterscheidet. Die Philosophie hinter der chinesischen Medizin ist, daß der Mensch sich in einem Stadium zwischen Himmel und Erde befindet, und in ihm selbst ist ein kleines Universum. Die Materie, aus der das Leben besteht, wird dem yin' zugeordnet oder dem weiblichen, passiven Aspekt der Natur. Die Funktionen des Lebens andrerseits werden dem yang' zugeschrieben, oder dem maskulinen, aktiven Aspekt. Die Körperfunktionen werden anhand der folgenden fünf Zentren beschrieben: 1. ,Herz" oder ,Verstand" hsin; bezieht sich auf das Befehlszentrum des Körpers, das sich als Bewußtsein und Intelligenz manifestiert; 2. ,Lunge" oder ,Atmungssystem" fei, reguliert die verschiedenen wesentlichen Funktionen und bewahrt das kybernetische Gleichgewicht; 3. ,Leber" kan; dieser Begriff umfaßt die Gliedmaßen und den Rumpf, den Mechanismus für die emotionale Reaktion auf die äußere Umgebung und die Funktion der Organe; 4. ,Milz" p`i, dieses Organ reguliert den Stoffwechsel, der dem Körper Stärke und Spannkraft verleiht; und 5. ,,Nieren" shen dieses System bezieht sich auf das Speichern der Nahrung und den Energieverbrauch, die menschliche Lebenskraft hängt davon ab. Diese Theorie wird als das ,,Latente Phänomen" bezeichnet, ts`ang hsiang.
Der Lauf der Jahreszeiten und der Wechsel des Wetters können Einfluß auf den menschlichen Körper haben. Die deutlichste Wirkung zeigen die Elemente Wind feng, Kälte han, Hitze shu, Feuchtigkeit shih, Trockenheit tsao und die innere Wärme huo " Feuer". Übermäßige oder außerordentliche Wetterwechsel schaden dem Körper, und werden als die ,Sechs Äußeren Krankheitsfaktoren" liu yin bezeichnet. Auf der anderen Seite können auch extreme Gefühlsschwankungen, wie etwa Glück hsi, Ärger nu, Sorgen yu, Schwermütigkeit szu, Trauer pei, Angst k`ung und Überraschung ching für die Gesundheit schädlich sein. Sie werden die ,Sieben Gefühlen" die theoretische Grundlage der Pathologie dar. Diese Modelle, verbunden mit der Theorie des ,Latenten Phänomens" werden angewendet, um Konstitution und Krankheit des Patienten zu analysieren, und sein physisches und psychologisches Ungleichgewicht zu bestimmen.


Dies erlaubt dem Arzt eine Methode zur Wiederherstellung einer inneren Balance zu verordnen. Gegenstand der chinesischen Medizin ist die Person, nicht nur die Krankheit. Nach der chinesischen Auffassung der Medizin ist die Krankheit nur ein Ausdruck einer Unausgewogenheit der Gesamtpersönlichkeit.
Nach der chinesischen Legende, nahm Shen Nung der Begründer der Landwirtschaft und Führer einer alten Sippe, es auf sich, nacheinander Hunderte von verschiedenen Pflanzen zu testen, um ihren Nährwert und ihre medizinischen Eigenschaften zu entdecken, wobei sich viele als giftig erwiesen. Über die Jahrtausende haben die Chinesen weiterhin selbst Pflanzen auf ihre Fähigkeit, Kälte han, Hitze jeh, Wärme wen und Kühie liang hervorzurufen, erprobt. Sie teilten die medizinischen Wirkungen der Pflanzen auf die verschiedenen Körperteile ein, erprobten sie auf ihre Giftigkeit, wann eine Dosis tödlich wirken würde und so weiter. Der Stiel des chinesischen Ephedrins regt z. B. die Schweißbildung an, seine Wurzeln hingegen können sie regulieren. Kassiarinde hat eine wärmende Wirkung und ist bei der Behandlung von Erkältungen nützlich. Minze hat eine kühlende Wirkung und wird zur Linderung von Krankheitssymptomen verwendet, die durch Hitze entstanden sind. Dieser Reichtum an Erfahrungen verstärkte das chinesische Verständnis für die Phänomene der Natur und die Anwendung dieser Naturprinzipien in der chinesischen Medizin. Außer diesen Prinzipien wird auch die Beurteilung der Lebensumstände, des Lebensrhythmus, der bevorzugten oder vermiedenen Nahrung, der persönlichen Beziehungen und der Sprache und Gestik des Patienten als ein Mittel zum Verständnis seiner Krankheit und für Verbesserungen miteinbezogen. Sind die Ausschweifungen oder Unausgeglichenheiten erst einmal klargelegt worden, können sie ausgeglichen, und die physische und geistige Gesundheit wiederhergestellt werden. Das Erreichen eines Gleichgewichtszustandes im Energiestrom des Körpers ist das ausschlaggebende Prinzip der chinesischen Medizin.

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