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Samstag, 1. März 2003 um 20.15 Uhr

Brücken dieser Erde
Der Garabit-Viadukt - St-Flour, Frankreich

Dokumentation, Deutschland 2002, 26 Minuten, von Viktor Stauder
Deutsche und französische Erstausstrahlung


In den Ausläufern des französischen Zentralmassivs liegt das Department Cantal. Tiefe Schluchten prägen das Bild der vulkanischen Landschaft. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts bahnte ein Bauwerk dem Fortschritt einen Weg durch die unwirtliche Region: Der Garabit-Viadukt – 3.900 Tonnen Eisen schwer, 564 Meter lang, der Bogen 165 Meter weit über das Flusstal der Truyere gespannt – war mit über 122 Meter Höhe zwischen Talsohle und Bogenscheitel fast ein Jahrhundert lang die höchste Eisenbahnbrücke der Welt.

1880 beginnen die Bauarbeiten in Garabit. Ausgeführt wird das Projekt von der „Brückenbauanstalt Eiffel&Compagnie, Paris“, deren Inhaber, Gustave Eiffel, bereits ein halbes Dutzend Brücken im Zentralmassiv gebaut hat. Seine größte Brücke hatte er aber zuvor in Portugal errichtet: Den Maria-Pia-Viadukt in Oporto. Nach seinem Vorbild entwirft der 29-jährige Leon Boyer, Ingenieur im Benachbarten Marvejols, den Viadukt von Garabit.

1884, nach vier Jahren Bauzeit, ist die Brücke fertig: Ein neues Glanzlicht in der Karriere von Gustave Eiffel, dem sein kreativer Umgang mit Metall den Titel als „Eisenzauberer“ einbrachte. Schon ein Jahr später wird er mit der Errichtung seines Turms zur Weltausstellung in Paris beginnen.

Frankreich feiert den neuen Rekordträger als Botschafter des Fortschritts. Für die Einheimischen wird er zur „Pilgerstätte“. Garabit entwickelt sich zum Ausflugsziel der Region, zur Attraktion für Touristen. Ein Hauch der großen Welt weht in das Tal der Truyere. Aber die Zeiten, als die Eisenbahn das fortschrittlichste und schnellste Verkehrsmittel war, sind längst vorbei. Früher verkehrten mehr als ein Dutzend Züge täglich auf der Nord-Südstrecke. Heute reichen drei, um die Reisenden über den Viadukt an ihr Ziel zu bringen.

40 Kilometer in der Stunde, mehr ist auf der Brücke nicht gestattet - Schneckentempo im Zeitalter von Hochgeschwindigkeitszügen. Fast eine Minute dauert die Fahrt, eine Minute, in der man festen Grund verlassen hat und über das Tal schwebt. Die Einwohner der umliegenden Ortschaften sind stolz auf ihr einst so bedeutendes Bauwerk.

1992 hat die alte Brücke Gesellschaft bekommen: Das letzte Teilstück der A 75, der Nordsüd-Autobahn, wurde fertiggestellt – ein zweites Mal das Tal der Truyere überwunden. Jetzt mit einer Autobahnbrücke, 311 Meter lang - ein modernes, zweckmäßiges Bauwerk aus Spannbeton. Seither rast der Verkehr ungebremst an Garabit vorbei.

Was bleibt, sind ein paar Sekunden für einen flüchtigen Blick - zuwenig für ein Meisterwerk der Brückenbaugeschichte. Um es vor dem Vergessen zu bewahren, erstrahlt die Brücke heute - über ein Jahrhundert nach ihrer Fertigstellung - in sanftem Scheinwerferlicht. Obwohl seine Schöpfer, Leon Boyer und Gustave Eiffel, dies niemals vorgesehen hatten, offenbart der Garabit-Viadukt nun auch zur Nacht die Schönheit eines großartigen Bauwerks.

Die wunderschöne Landschaft der Auvergne ist beeindruckend. Die eiserne Brücke fügt sich erstaunlich harmonisch zwischen die schroffen Felsen. Mit ihrer schlanken, eleganten Form wirkt sie wie eine schöne, junge Frau, ein filigranes Wesen. Die Einheimischen lieben ihre Brücke, man hat den Eindruck, dass sie stolz auf ihr Kleinod sind, dass dort ein bisschen verborgen einen Dornröschenschlaf schläft. Auch wenn etwas mehr Tourismus für die Region gut wäre, sind sie doch froh, dass sie „ihre“ Brücke für sich haben.




Ursprünglich war der Viadukt grau gestrichen, die rote Farbe wurde erst vor einigen Jahren aufgebracht. Das Rot unterstreicht seine Eleganz. Sich in seiner Konstruktion zu bewegen, war für das Kamerateam mit der schweren Ausrüstung abenteuerlich. Mehrmals mussten wir die Kamera anseilen, um sie durch das Gerüst immer weiter nach oben zu ziehen.


Informationen mit weiterführender Literatur und einer Reihe von Links zum Garabit Viadukt.

Private Seite über Gustav Eiffel und seine Konstruktionen u.a. mit Bildern vom Bau des Garabit Viadukts.



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