
Samstag, 8. März 2003 um 20.15 Uhr
Brücken dieser Erde Die Brücke über den Großen Belt - Dänemark
Dokumentation, Deutschland 2002, 26 Minuten, von Viktor Stauder Deutsche und französische Erstausstrahlung
Dänemark besteht aus der Halbinsel Jütland und über 400 Inseln. Zwischen den zwei größten Inseln - Fünen und Seeland - liegt der Store Belt - eine 18 Kilometer breite Meerenge.
Die Verbindung über diesen sogenannten Großen Belt ist eine der wichtigsten Verkehrsadern Dänemarks. Seit dem 16. Jahrhundert existierte Fährverkehr über das Meer. Aber immer wieder brachten stürmische See und Eis in harten Wintern die Verbindung zum Erliegen - und teilten Dänemark.
1998 wurde die Store Belt Brücke, die Brücke über den Großen Belt eröffnet: Insgesamt 22 Kilometer ist die Kombination aus Autobahn- und Eisenbahnbrücke lang - ein schnörkelloser Gigant aus Stahl und Beton. Herzstück ist die 2,7 Kilometer lange Hängebrücke mit einer Durchfahrtsöffnung von 1624 Metern die zweitgrößte Hängebrücke der Welt. Mit 254 Metern Höhe sind ihre Pylonen die höchsten Bauwerke Dänemarks. 190.000 Tonnen wiegt jeder der beiden Türme, wie Tore zum Himmel ragen sie auf.
Neun Jahre dauerte der Bau der Brücke über den Großen Belt. Zeitweise waren über 4.000 Leute im Zusammenhang mit dem Bau beschäftigt. Experten aus fünf europäischen Ländern beteiligten sich an Planung und Ausführung. Heute ist das Monument ein neues Wahrzeichen für Dänemark.
Aber die Brücke über den Großen Belt hat auch Opfer gefordert. Am Ostende der Brücke, auf der Insel Seeland, liegt die Kleinstadt Korsör, am Westende auf Fünen Nyborg. Die beiden Städte lebten gut mit und von dem Fährbetrieb, zuletzt fanden fast 1.800 Menschen Beschäftigung im Fährverkehr. Seit die Große-Belt-Brücke eröffnet wurde, und der Fährbetrieb stillgelegt wurde, fehlt den Hafenstädten die Lebensader. Heute gleichen die riesigen Areale der ehemaligen Fährhäfen Geisterstädten. Große Pläne zur Umnutzung liegen in den Schubladen der Verantwortlichen. Aber noch hat keiner der Entwürfe konkrete Gestalt angenommen.
Mehr als 21 Milliarden Dänische Kronen - etwa 2,8 Milliarden Euro - hat die Verbindung über den Großen Belt gekostet. Trotzdem ist sie - im Gegensatz zu der Öresund-Brücke, der ähnlich großen Verbindung zwischen Schweden und Dänemark - ein wirtschaftlicher Erfolg. Obwohl die Mautgebühr für einen PKW umgerechnet 35 Euro beträgt, übersteigt der Ansturm die Erwartungen. Die Zahl der Passagen zwischen West und Ost hat sich -mit über 20.000 Fahrzeugen täglich - mehr als verdoppelt. Der Große Belt trennt nicht mehr die zwei Hälften Dänemarks, er verbindet sie.
Beeindruckend ist das gigantische Ausmaß der Brücke. Aus der Ferne betrachtet hat man kein Empfinden für die Größe. Wenn man aber dann aus der Nähe beobachtet, wie riesige Fährschiffe und Tanker langsam unter der Brücke durchfahren und in der über 1,5 Kilometer breiten Mittelöffnung wie Spielzeug wirken, wird einem die Größe erst richtig klar. Wegen des rauhen Klimas im März waren die Dreharbeiten sehr anstrengend. Ständig wehte uns ein schneidender Wind um die Ohren, der das Warten auf die richtige Einstellung, den schönen Sonnenuntergang, die richtige Welle, das Schiff an der besten Position usw. jedes Mal zu einer harten Probe werden ließ.
Englischsprachige Seite zur Brücke über den großen Belt mit großartigen Fotos der heutigen Brücke und während der Bauzeit.
Weitere Informationen, leider auch hier nur in englischer Sprache.
Eine Fotoreportage über den Bau der Brücke von Andreas Lobe.
Die Internetseite von Strukturae bietet auch zur Brücke über den großen Belt neben vielen Daten weiterführende Literatur und Links.
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