
Samstag, 15. März 2003 um 20.15 Uhr
Brücken dieser Erde Die Rialto Brücke – Venedig, Italien
Dokumentation, Deutschland 2002, 26 Minuten, von Viktor Stauder Deutsche und französische Erstausstrahlung
Vierhundert Brücken überspannen die Kanäle Venedigs. Mitten im Herzen der Lagunenstadt liegt die prominenteste und vielleicht sogar weltberühmteste Brücke: Die Rialto Brücke aus dem Jahr 1591.
Dabei war es lange Zeit fraglich, ob sie jemals gebaut würde. Am Palazzo dei Camerlenghi, dem westlichen Treppenabgang der Brücke, erzählen zwei Kapitelle die Legende zweier Venezianer. Diese spotteten, wie viele Zeitgenossen, über die jahrzehntelange Entschlussunfähigkeit der Verantwortlichen Venedigs. Zur Strafe für ihre Ungläubigkeit soll dem Mann ein Nagel zwischen den Lenden gewachsen sein und Feuer die Scham der Frau verbrannt haben.
Seit ihrer Erbauung überspannt den Canal Grande die steinerne Rialto Brücke – in der ganzen Welt ein Symbol und Wahrzeichen für Venedig. Die politische Drehscheibe Venedigs befand sich in San Marco, während auf der anderen Brückenseite im Bezirk Rialto das Wirtschaftszentrum der Lagunenstadt war. Der Canal Grande trennte, aber verband auch die beiden Stadtteile. Auf ihm wurde der Warenfluss zwischen Orient und Okzident abgewickelt. An dieser sensiblen Stelle eine Brücke zu errichten war eine schwierige Aufgabe.
Jahrzehntelang wurden zahlreiche Vorschläge beraten und beurteilt. Eine Reihe bedeutender Architekten, darunter Andrea Palladio, versuchten sich an der großen Aufgabe - und scheiterten. 1584 unternahm Venedig einen letzten Anlauf für eine neue Verbindung der Stadtteile. Wieder wurde ein Wettbewerb ausgeschrieben, aus dem Antonio da Ponte, ein hoher Beamter Venedigs, als Sieger hervortrat: Sein Entwurf bestand aus nur einem, 28 Meter weit gespannten Bogen, der zumindest kleinen Schiffen die ungehinderte Durchfahrt ermöglicht. Um seine schwere Marmorkonstruktion sicher im weichen Boden der Lagune gründen zu können, wagte da Ponte eine neuartige Anordnung der Fundamente. Die gemauerten Widerlager sind der Richtung des Bogenschubs angepasst, und entsprechend geneigt. Der gründende Pfahlrost ist treppenförmig abgestuft. Er besteht aus 12000 Pfeiler aus Eichenholz bedeckt mit Brettern aus Lerchenholz. Auf der Brücke platzierte er in zwei Reihen insgesamt 24 Ladengeschäfte.
Da Pontes Rialto Brücke fand nicht nur Zustimmung. Aber zweifellos fügt sie sich gut in das Ensemble um den Canal Grande ein. Sie ist die ausgewogene Lösung eines erfahrenen Architekten, der sich der lokalen, baulichen Tradition verpflichtet fühlte.
Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts, blieb die Rialto Brücke die einzige begehbare Verbindung über den Canal Grande. Sie hat Überschwemmungen, Erdbeben, Spott und Millionen Besucher überdauert und ist mit Anstand gealtert. Seit ihrer Fertigstellung im Jahre 1591 waren keine größeren Reparaturen erforderlich. Noch heute steht sie praktisch in ihrem Urzustand – als Wahrzeichen für Venedig.
Die Dreharbeiten in Venedig waren äußerst anstrengend. Bis in die späten Abendstunden ist die Brücke von Touristen belagert, die einen unglaublichen Lärm und eine derartige Enge erzeugen, dass man die Brücke lieber meidet, falls man unter Platzangst leidet. In ihrer ganzen Schönheit erlebt man die Rialtobrücke nur, wenn sie menschenleer ist. Deshalb war der schönste Drehtag, als das Kamerateam noch vor Sonnenaufgang an der Brücke war und mit ihr in den Tag ging. Diese Einstellungen bilden den Auftakt des Filmes.
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