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Samstag, 22. März 2003 um 20.15 Uhr

Brücken dieser Erde
Die Alamillobrücke – Sevilla, Spanien

Dokumentation, Deutschland 2002, 26 Minuten, von Viktor Stauder
Deutsche und französische Erstausstrahlung

Seit Anfang des 19. Jahrhunderts trennt die Fachwelt zwischen Architektur und Ingenieurskunst. Architektur wird mehr als Formel für Ästhetik verstanden, Ingenieurswesen - häufig zu Unrecht - auf rein konstruktive Aspekte des Bauens begrenzt. Einige Baumeister des 20. Jahrhunderts lassen sich nicht in solche Schemata pressen.

Santiago Calatrava ist ein herausragendes Beispiel für jemanden, dem die Verbindung von Technik und Ästhetik gelungen ist. 1951 im spanischen Valencia geboren, studierte er zunächst in Spanien Architektur und Städtebau, anschließend in Zürich Bauingenieurwesen. Seitdem hat er - neben zahllosen anderen Bauwerken - über 60 Brücken auf der ganzen Welt entworfen, stets mit einer Sichtweise, die sich nicht auf den Blickwinkel des Ingenieurs beschränkt. Calatravas Arbeiten vereinen kühne Konstruktionen mit ausgeprägt architektonischen Formen.

Sein berühmtester Brückenentwurf ist anlässlich der Expo 1992 in Sevilla realisiert worden: Die Alamillobrücke, eine Schrägseilbrücke mit einem Tragwerk von 200 Metern Weite, das über 13 Zwillingskabel mit einem 140 Meter hohen Stahlturm, einem Pylon, verbunden ist. Der Pylon steht in einer Neigung von 58 Grad, die Konstruktion erinnert an eine auf dem Rücken liegende Harfe. Der Clou: Die Alamillobrücke ist die einzige Schrägseilbrücke der Welt, die keine Rückverankerung braucht, um das Gewicht der Fahrbahn sicher zu tragen. Neigung und Gewicht des Pylons halten die gesamte Konstruktion im Gleichgewicht.

Calatrava schildert in dem Film anschaulich, wie er die Idee zu seinem spektakulären Bauwerk  - Jahre vor dem Bau - aus einer Reihe von Studien der menschlichen Anatomie und statischen Experimenten mit Skulpturen entwickelt hat.

Brückenbau ist die Königsdisziplin im Ingenieurbauwesen. Calatrava vergleicht es mit dem „Spielen eines Musikinstrumentes. Um Klavier zu spielen und zum Beispiel Franz Liszt zu interpretieren, ist es ganz offensichtlich notwendig, große technische Fähigkeiten zu besitzen, um so interpretieren zu können, dass es nicht die technische Schwierigkeit ist, die in Erscheinung tritt, sondern die Poesie der Melodie....“

Calatrava „spielt“ virtuos mit den physikalischen Größen Masse und Kraft:
„Wenn man über die Mittel und die Kenntnisse verfügt, um diese technische Schwierigkeit zu dominieren, hebt man sie in einem Akt von Leichtigkeit und Spontaneität auf, den man in einer Sekunde verstehen kann, und den sogar ein Kind, das nichts von Technik versteht, begeistern kann.“

Calatravas Rang als international anerkannter Baumeister, lässt sich an seinem neuesten Auftrag ablesen: Der Bau einer Brücke über den Canal Grande in Venedig, der seit über 150 Jahren von nur drei Brücken überspannt wird.

Das Verblüffende an der Alamillo-Brücke ist tatsächlich ihr geneigter Pylon. Seitlich aus der Nähe betrachtet erkennt man erst, wie groß er tatsächlich ist und wie stark geneigt. Und wenn einem dann die bestechend klare konstruktive Idee deutlich wird, fängt man erst langsam an, die Brücke zu verstehen. Und bedauert, dass das ursprünglich geplante Pendant nicht gebaut wurde. Bei den Dreharbeiten war der Aufstieg durch den Pylon über hunderte Treppen eine schweißtreibende Angelegenheit. Oben auf der Pylonspitze in über 120 Meter Höhe ist es ein seltsames Gefühl, denn man schwebt in dem Ausleger praktisch in der Luft.




Informationen zur Alamillobrücke mit weiterführender Literatur und Links.

Homepage der Firma von Santiago Calatrava, Calatrava Vals, SA über seine Brücken, in englischer Sprache.

Englischsprachige Homepage über Calatrava und seine Bauwerke



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