![]() Samstag, 5. April 2003 um 20.15 Uhr Brücken dieser Erde Dokumentation, Deutschland 2002, 26 Minuten, von Viktor Stauder Prof. Dr. Christian Menn, Jahrgang 1927, promovierte im Bauingenieurwesen an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich, wo er später über 20 Jahre lang Baustatik und Konstruktion lehrte. Mit einem eigenen Ingenieurbüro baute er über 100 Brücken. Auftraggeber schätzen den Ehrgeiz des preisgekrönten Konstrukteurs, die Gegensätze Ökonomie und Ästhetik zu vereinen. Seine spektakuläre Brücke setzte er in die reizvolle Naturlandschaft des tief eingeschnittenen Gantertals im schweizerischen Wallis. Technisch eine Herausforderung, gestalterisch ein Wagnis. Nach mehrjährigen Vorbereitungen beginnen 1976 die Bauarbeiten. Nach vier Jahren Bauzeit wird die mittlere Lücke geschlossen, die Ganterbrücke ist fertig: 678 Meter Gesamtlänge und eine Hauptöffnung von 174 Meter Spannweite, die genau in der Mitte des symmetrischen S-förmigen Grundrisses liegt. Die Ganterbrücke ist eine Kombination aus Balkenbrücke und Schrägseilbrücke. Über zwei Pylone laufen Seilpaare, die dem Straßenverlauf in die anschließenden Kurven folgen. Zur Stabilisierung wurden sie mit Beton verkleidet und verleihen der Ganterbrücke ihre außergewöhnliche Erscheinung. In der Fachwelt wird der Betongigant kontrovers beurteilt: „Trotz der verdienten Bewunderung für die Kühnheit und Neuartigkeit der Struktur“ hinterlasse sie „einen zwiespältigen Eindruck“, schreibt Fritz Leonhard, der deutsche Pionier des Spannbetonbaus. Andere heben sie in den Rang „moderner Brücken, die technische und ästhetische Innovationen vereinen“. Das Grundkonzept der Ganterbrücke ist durch die Geologie des Baugrundes im Gantertal beeinflusst. Menn begegnet der Herausforderung mit einem einzigartigen Konzept: Um das Kriechen des Hanges einzudämmen und damit das Gelände zu festigen, wird es über ein Schachtsystem entwässert. Die technische Innovation der Brücke besteht in der Art ihrer Lagerung: Als die Ganterbrücke Ende 1980 eröffnet wurde, erntete sie Anerkennung und Bewunderung. Im Film blickt ihr Konstrukteur aber kritisch auf sein Werk zurück: "Bei einem Entwurf, da sollte man so weit kommen, dass man sagen kann, ich muss nichts mehr hinzufügen, und ich kann auch nichts mehr wegnehmen. Und hier hätte ich noch etwas weggenommen, ..." Der Wille zur Perfektion macht Christian Menn zum unerbittlichen Kritiker in eigener Sache, auch noch nach Jahrzehnten. Der Fachwelt gilt er als einer der bedeutendsten Konstrukteure auf dem Gebiet des Betonbrückenbaus weltweit. Seine Ganterbrücke ist ein ebenso eigenwilliges wie einzigartiges Bauwerk, für viele das Brückenkunstwerk schlechthin.
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Als die Ganterbrücke 1980 fertiggestellt war, erregte sie weltweit Aufsehen.
Der Reiz der Ganterbrücke liegt in dem Kontrast ihrer kantigen Form zu der Natur der Berge - eine übergroße Skulptur, irgendwie unwirklich, wie aus einem Science-Fiction Film der siebziger Jahre. Wegen ihrer Form ist sie in der Fachwelt nicht unumstritten, aber uns gefiel es, wie sie sich zwischen den mächtigen Felsen behauptet. 

