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Sie küssten und sie schlugen ihn
(Les quatre cents coups)

Von François Truffaut, 1958



Der 14-jährige Antoine schwänzt lieber den Unterricht und streunt in Paris herum, als seine Zeit in der Schule zu verbringen. Von seinen Eltern und besonders seiner Mutter wird er vernachlässigt, und so sucht er Gesellschaft bei seinem Freund Rémy.

Zusammen ziehen sie durch die Großstadt und hecken jede Menge Streiche aus: Sie gehen ins Kino, rauchen und klauen, bis Antoine schließlich beim Diebstahl einer Schreibmaschine geschnappt und auf die Polizeistation gebracht wird. Nach einer Nacht hinter Gittern wird er am nächsten Morgen in eine Erziehungsanstalt für straffällige Jugendliche eingeliefert, in der eiserne Disziplin herrscht. Antoine, der noch nie das Meer gesehen, aber immer davon geträumt hat, läuft davon und rennt auf die See zu, in die Freiheit.

„Sie küssten und sie schlugen ihn“ aus dem Jahr 1959 schlug beim Festival von Cannes wie eine Bombe ein und wurde prompt mit dem Preis für die beste Regie honoriert.
François Truffaut, der sich zuvor schon einen Namen als Filmkritiker der Zeitschrift „Cahiers du Cinéma“ gemacht hatte, bewies mit seinem ersten Spielfilm, dass die von ihm und seinen Kritikerkollegen (u. a. Jean-Luc Godard, Claude Chabrol, Jacques Rivette) gestellte Forderung, das „Cinéma de Papa“ zu erneuern, tatsächlich umsetzbar war und läutete gewissermaßen die „Nouvelle Vague“ ein.
Dem Stil des italienischen Neorealismus verwandt, erzählt „Sie küssten und sie schlugen ihn“ mit seinen Schwarz-Weiß-Bildern und seiner dokumentarisch-realistischen Erzählweise die Entwicklungsgeschichte des jungen, rebellischen Antoine.




Mit großer Sorgfalt charakterisiert Truffaut seine Hauptfigur bis ins Detail, was ihn nicht davon abhält, dramaturgische Abschweifungen zu unternehmen, um liebevoll weitere kleine Geschichten zu erzählen: die der anderen Kinder und natürlich die von Paris, der Stadt, in der die meisten seiner Filme spielen. Zugleich ist „Sie küssten und sie schlugen ihn“ der erste Film der Antoine Doinel-Reihe, die François Truffaut, stets mit dem Darsteller Jean-Pierre Léaud als Antoine, mit vier „Fortsetzungen" komplettieren wird: „Liebe mit zwanzig“ (1962), „Geraubte Küsse“ (1968), „Tisch und Bett“ (1970) und „Liebe auf der Flucht“ (1979).

ARTE eröffnet mit „Sie küssten und sie schlugen ihn“ eine Reihe von vier Filmen des französischen Regisseurs, die jeweils montags um 20.45 Uhr ausgestrahlt werden. Am 8. 4. führen wir die Antoine Doinel-Reihe mit „Geraubte Küsse“ und am 15. 4. mit „Tisch und Bett“ fort. Am 22. 4. präsentieren wir Ihnen dann „Zwei Mädchen aus Wales und die Liebe zum Kontinent“, wieder mit Jean-Pierre Léaud in der Hauptrolle.

Regie: François Truffaut
Buch: François Truffaut, Marcel Moussy
Kamera: Henry Decae
Schnitt: Marie-Josèphe Yoyotte
Musik: Jean Constantin
Produzent: François Truffaut
Produktion: Les Films du Carrosse

Mit: Jean-Pierre Léaud (Antoine Doinel), Claire Maurier (Madame Doinel), Albert Rémy (Monsieur Doinel), Guy Decomble (der Lehrer), Patrick Auffray (René), Jeanne Moreau (junge Frau mit Hund)

   Lesen Sie den Lebenslauf von François Truffaut



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