
Vom ersten Strip zum letzten Klick - die kurze Geschichte des pornographischen Films
Die Anfänge führen nach Frankreich, wo 1895 die Brüder Lumière ihre ersten Werke zeigten und wo schon 1896 ein heute leider verschollener Film mit dem Titel "Le Bain" die wohl erste Striptease-Szene der Filmgeschichte zeigte. 1907 folgte ein früher Pornofilm mit dem bezeichnenden Titel "Le Voyeur", der ebenfalls einen Striptease enthält. Anfänge in den USA werden auf das Jahr 1908 datiert, auch das Jahr der ersten US-amerikanischen Zensurinstanzen. 1915 entsteht dort der erste "richtige", also mit einer Geschichte versehene Pornofilm, "A Grass Sandwich".
Es folgt in den Zwanziger- und Dreißigerjahren ein erster Pornoboom und eine anschließende Krise. Denn während der Film in den klassischen Genres in Hollywood enorme Fortschritte macht, zeichnet sich der Porno durch Amateurhaftigkeit und schlechte Qualität aus. Dazwischen liegt das so genannte "Goldene Zeitalter" in Europa, zwischen 1930 und 1938, mit Filmen, die tatsächlich etwas von einer "Kunst der Pornografie" erahnen lassen.
Der zweite Weltkrieg bringt auch der Pornoindustrie die große Tristesse. Die Vierziger- und Fünfzigerjahre sind vor allem in den USA geprägt von trostlosen Ärzte- und Doktorfilmen. In Europa übernimmt Frankreich eine führende Rolle, wendet sich ab von episodischen Strukturen der "Gelegenheiten" und hin zu veritablen Handlungen - mit einem Schuss Sado-Masochismus. Beispiele sind "Le Manoir de Chatiment" (1948) und das spätere "Esprit de famille".
Die späten Fünfzigerjahre stehen unter dem Einfluss von FKK-Filmen, oft aus Schweden. Daraus entstehen die so genannten "Nudie-Cuties", ein Genre, bei dem junge, naive Mädchen Vorbehalte gegenüber der FKK-Kultur abbauen oder wo Eindringlinge wie Reporter oder Moralapostel eine tragende Rolle spielen. Aber Nacktheit durfte hier explizit nichts mit Sexualität zu tun haben.
Diesen Ansatz setzten die sogenannten "Beaver-Movies" in den Sechzigerjahren fort, die eine Form des Striptease in Schmalfilmformat darstellten. In Deutschland waren in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts Aufklärungsfilme sehr populär, so die "Helga"-Serie und Oswalt-Kolle-Filme wie "Dein Mann das unbekannte Wesen." Dann kam die Geburt der Sexfilme im engeren Sinn, freiere Filme aus Skandinavien. Nach der rechtlichen Freigabe ab 1969 verbreiteten sich dann dänische Filme in der ganzen Welt. Zur gleichen Zeit standen in den USA neben den Beaver-Movies Lesben-Pornos hoch im Kurs.
Die glamourösen Siebziger brachten den ersten "modernen" Pornofilm, Bill Oscos 16-mm-Streifen "Mona: The Virgin Nymph" (1970). Ein Meilenstein waren auch die Emanuelle-Filme, die einen neuen Stil des sexuellen Bildes prägten und Unterhaltung, Mode und Werbung, aber auch die Pornographie selbst beeinflussten. Und mit der Ästhetik von Kosmetikwerbung war hier erstmals ein Format geschaffen, das auch Frauen Sexfilme zugänglich machte - zumal die Emanuellefilme nicht wirklich pornografische Szenen enthielten.
Die 70er stehen aber auch für Kuriositäten à la "Deep Throat", für ein aufkommendes Starsystem und immer mehr Professionalität in Produktion und Marketing. Nach der Lockerung der Gesetze im Jahr 1973 kam es vor allem ab 1974 zu einem Pornoboom in Deutschland. Die Bauer KG und der Beate-Uhse-Konzern waren dabei führende Vertriebe. Die Kehrseite und zugleich das Ende der Illusion: Snuff-Filme mit - gestellter oder authentischer - unglaublicher Brutalität finden immer mehr Liebhaber.
In der Geschichte der Pornografie stehen die Achtzigerjahre für Routine, Massenproduktion und einen expandierenden Videomarkt - der zugleich das Ende des Pornofilms im herkömmlichen Sinn ankündigt. So sind die Achtziger, auch durch angestiegene Produktionskosten und Rationalisierung, eine Zeit des Niedergangs. Phantasie und Qualität lassen spürbar nach.
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