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Interview mit Anne Andreu, der Regisseurin der Dokumentation "Romy Schneider – Eine Filmliebe in Frankreich"

Sie sind Filmjournalistin und haben Romy Schneider persönlich gekannt. Was hat Sie im Einzelnen bewogen, die Dokumentation „Romy Schneider – Eine Filmliebe in Frankreich“ zu drehen?

Ich hatte das Glück, Romy bei den Dreharbeiten zu zwei Filmen kennen zu lernen. Zuerst flüchtig, bei Claude Sautets „Eine einfache Geschichte“, dann näher bei der „Bankiersfrau“, wo mein Mann, Francis Girod, Regie führte. Mit diesem Film beginnt übrigens der Themenabend.
Wie wohl alle Menschen, die Romy näher kannten, war ich sehr erstaunt über die seltsamen Züge ihrer Persönlichkeit, vor allem ihre starken Stimmungsschwankungen: So konnte sie von der größten Liebenswürdigkeit, der größten Zuneigung, schlagartig in die entgegengesetzte Gefühlslage überwechseln. Sie war jemand, der einen im selben Augenblick liebte und ablehnte. Sie pflegte schwierige und heftige Beziehungen. Ihr Tod ging mir natürlich sehr nahe, und meinem Mann noch mehr, da er zwei Filme mit ihr gedreht hatte.Jahrelang habe ich mir Dokumentationen angesehen, die über sie entstanden waren. Ich fand, dass sie alle an der Oberfläche blieben und Romys wahres Wesen nur sehr wenig zum Ausdruck brachten. Sie zeigten nur das Bild des persönlich gescheiterten Stars, ohne tiefer zu ergründen, warum sie eigentlich so litt und so schwer mit dem Leben zurechtkam.

Welche Erinnerung haben Sie heute an Romy Schneider als Schauspielerin und als Frau?

Was heute an der Schauspielerin und Frau am meisten verblüfft, ist ihre unglaubliche Fotogenität, ihre ungeheure Filmpräsenz. Darin ist sie mit Marilyn Monroe oder vielleicht mit Isabelle Adjani am Anfang ihrer Karriere vergleichbar – Gesichter, die für die Kamera gemacht sind. Ja, diese Schönheit und Filmpräsenz, das fällt mir als erstes ein. Die Frau Romy hatte wirklich alles, um glücklich zu sein: Schönheit, Begabung, allseitige Zuwendung und Liebe; aber mit zunehmendem Alter wurde sie immer stärker vom Unglück heimgesucht. Diese Dichotomie in ihrem Leben ist etwas sehr Erstaunliches.

Es gibt viele Bücher über Romy Schneider, vor allem Biografien, und unzählige Fotos. Ist nicht schon alles über sie gesagt und geschrieben worden?

Eben nicht. Ich habe viel nachgedacht, bevor ich den Film in Angriff nahm, denn aus den gerade von Ihnen genannten Gründen hielt ich mein Projekt für sehr ambitioniert. Natürlich weiß man schon viel über Romy, aber ich hoffe, der Film gibt zwei oder drei bisher noch unbekannte Aufschlüsse über sie. Vor allem bezüglich ihrer Kindheit und Jugend in Österreich. Ich glaube, der Film zeigt ganz gut, welche Rolle Romys Mutter, Magda Schneider, spielte, die ja eine recht fragwürdige Person war und ihrer Tochter gegenüber eine zweideutige Rolle spielte. Man kann in gewisser Weise sagen, dass sie Romy benutzt hat. Romy war für den ersten „Sissi“-Film engagiert worden, aber Magda hatte unmissverständlich erklärt, dass dies eine Comeback-Möglichkeit für sie selbst bedeute. Sie führte sich gewissermaßen wie eine – nicht sehr gute – Agentin auf. Als Romy 20 war, fühlte sie sich genötigt, aus diesem Umfeld auszubrechen. Sie muss schon als sehr junge Frau eine starke Persönlichkeit gewesen sein, um diesen Bruch mit Österreich und mit ihrer Mutter vollziehen zu können. Und zu diesem Zeitpunkt hatte sie auch begriffen, dass ihre Mutter sehr unkritisch gegenüber dem Hitlerregime gewesen war. Das ist natürlich ein Schmerz, ein Schuldgefühl, von dem man sich nie erholt; und das wurde, glaube ich, bisher noch nicht so deutlich gesagt. Im Interview mit Karlheinz Böhm, das ich sehr spannend finde, erschließt der Film eine echte Dimension zur Erklärung von Romys Lebensschmerz, der übrigens in dieser Hinsicht repräsentativ für eine ganze Generation ist.




Sind beim Dreh mit Michel Piccoli, Jane Birkin, Costa-Gavras und anderen, die Romy Schneider gut kannten, neue und überraschende Seiten zum Vorschein gekommen?

Die neuen und überraschenden Seiten kommen vor allem im Interview mit Karlheinz Böhm über Romys Jugend zum Ausdruck. Ich finde es wirklich sehr beeindruckend, wenn er auf meine Frage „Was wusste ein junges Mädchen wie Romy Schneider mit 18 Jahren über die Nazizeit?“ antwortet: „Nichts. Einfach gar nichts ...“ Ich weiß nicht, wie Sie darüber denken, aber ich finde es ziemlich beeindruckend, dass ein 70-jähriger Deutscher das heute sagt. Das ist der erste Punkt. Zweitens war Romy - wie einige große Stars, vor allem Marilyn – ein bisschen schizophren. In ihrem Inneren liefen zwei Spuren nebeneinander her: Beruflich war sie ein weltweit anerkannter und geliebter Star, aber ihr Privatleben war eine Katastrophe. Beide Spuren überkreuzten sich nie.

Vielen Dank für das Interview!

Das Interview führte Katja Dünnebacke
Übersetzung: Irene Selle

 



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