| Zurück | Diese Woche | Archiv | Diskussionsforum |
![]() |
04. Mai 1999 | |
![]() |
Wie
navigiere ich ein Flugzeug? Archimedes fragt sich: Wie navigiere ich in einem großen Verkehrsflugzeug? Er will in München starten, in Paris zwischenlanden und dann weiter nach New York fliegen. Für die Standort- und Kursbestimmung greift der Pilot auf bestimmte Navigationssysteme zurück. Auf dem Gelände des Münchener Flughafens stehen vier NDBs und eine DME. Ein NDB ist ein ungerichtetes Funkfeuer, das ein hier bin ich" - Signal aussendet. Im Cockpit hat der Pilot ein Peilgerät, dessen Nadel immer in Richtung des NDBs zeigt. Dadurch weiß er, wo es sich befinden muß, aber nicht wie weit er noch davon entfernt ist. Diese Angaben erhält er von der sogenannten DME. Diese sendet einen Frequenzstrahl aus. Aus der Zeit, die der Strahl vom DME bis zum Flug gebraucht hat, läßt sich die Entfernung berechnen. Der Pilot kann nun aus den Angaben, die er von den NDBs und der DME erhält, seine Position bestimmen. Diese Arbeit nimmt ihm in der Regel allerdings ein Computer ab. Es ist soweit. Archimedes startet in München. Es gibt über 10 verschiedene, festgelegte Abflugverfahren. Archimedes erhält vom Fluglotsen das Abflugvefahren Nummer 9. Er startet auf der Startbahn 26 rechts, d.h. wenn er auf der Bahn steht, hat er einen Kurs von 260 Grad, er startet also fast genau nach Westen. Die Start- und Landebahnen in Deutschland haben eine Ost-West-Richtung, da die meisten Winde bei uns aus diesen Richtungen kommen. Nach dem Abheben fliegt Archimedes geradeaus. Wenn er 1.900 Fuß hoch ist, über das NDB geflogen und dreieinhalb Meilen von der DME entfernt ist, muß er eine Rechtskurve fliegen. Dann geht es mit einem bestimmten Kurs auf eine VOR zu. Eine VOR ist ein gerichtetes Funkfeuer. Es sendet 360 Leitstrahlen aus. Im Cockpit befindet sich ein Instrument, mit dem der Pilot prüfen kann, ob er sich auf einem bestimmten Leitstrahl befindet und ob er auf diesem auf die VOR zufliegt oder sich von ihr entfernt. Auf dem Weg nach Paris - die Route ist vorgegebenen - muß er von nun an die verschiedenen VORs abfliegen. Von der Erlangen Vor geht es zur Frankfurt VOR, von dort über Luxemburg, Montmedy, Reims und Boursonne zum Pariser Flughafen Charles des Gaulles. Vor dem Start hat der Pilot die vorgeschriebende Flugroute von München nach Paris in den Computer eingegeben. Wenn er will, kann er nach dem Abflug den Autopiloten einschalten. Dieser fliegt dann die Strecke von alleine. In Boursonne muß sich Archimedes auf die Landung vorbereiten. Wie beim Start gibt es auch hier vorgeschriebene Anflugverfahren. Zuerst muß der Pilot 214 Grad fliegen, was ihn genau zu dem ILS, dem Instrumentenlandesystem bringt. Dieses Landesystem führt das Flugzeug auf dem sogenannten Gleitpfad nach unten auf die Landebahn 28 rechts, das Flugzeug hat also, wenn es genau auf die Landebahn zufliegt, einen Kurs von 280 Grad. Ein Instrument im Cockpit zeigt dem Piloten an, ob sich das Flugzeug rechts oder links, über oder unterhalb dieses Gleitpfades befindet. Das Flugzeug auf dem Gleitpfad zu halten, kann ebenfalls dem Autopiloten überlassen werden. Der Pilot übernimmt oft erst kurz vor dem Aufsetzten den Steuerknüppel. Außer die Sichtverhältnisse sind so schlecht, daß er den Autopiloten landen lassen muß. Dies ist allerdings schwieriger und komplizierter, da der Autopilot genau überwacht werden muß. Nach dem Zwischenstop in Paris geht es weiter. Auch hier gibt es, wie in München, vorgeschriebene Abflugrouten. Die Strecke führt entlang der VORs erst Richtung London, dann nach Irland und dann hinaus auf den Atlantik. Da auf dem Wasser keine Funkfeuer stehen können, muß sich Archimedes jetzt auf ein ganz anderes Navigationssystem verlassen: die Trägheitsnavigation. Aus Richtungswechsel, Beschleunigungsänderung und Höhenverlust oder -gewinn wird die jeweilige Position errechnet. Das funktioniert so: man stellt sich drei Achsen vor, die im Raum liegen. Für jede dieser Achsen hat das Navigationssystem eine Plattform, auf der ein Kreisel montiert ist und der sich sehr schnell dreht. Ändert sich nun beispielsweise die Richtung oder die Beschleunigung, scheren einer oder mehrere Kreisel aus. Das gleiche kann man bei einem Kinderkreisel beobachten. Auch er fängt an zu schlingern, wenn er während des Drehens berührt wird. Aus diesen Ausscherbewegungen errechnet nun der Computer die neue Position. Auch mit Hilfe des Satellitnavigationssystems kann man die Position bestimmen. Dazu braucht man mindestens drei Satelliten. Diese senden ein elektromagnetisches Signal aus, das sich mit Lichtgeschwindigkeit ausbreitet. Aus der Zeit, die das Signal vom Satelliten bis zum Flugzeug braucht, läßt sich die Entfernung berechnen und aus dieser die Position des Flugzeuges. Das Hauptproblem allerdings: die Satelliten gehören dem amerikanischen Militär. Diese haben das Signal künstlich verschlechtert. Außerdem könnten sie jederzeit die Satelliten abschalten. Archimedes verläßt sich deshalb auf die Trägheitsnavigation. Damit die Fluglotsen wissen, daß er über dem großen Teich nicht verlorengegangen ist, muß er sich an bestimmten Positionen, den sogenannten Pflichtmeldepunkten über Funk melden. Nach sechs Stunden Flugzeit über Wasser ist es dann endlich soweit: New York ist in Sicht. |
| © 1999 ARTE G.E.I.E |