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04. Mai 1999 | |
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Porträt:
Anna Wobus Dr. Anna Wobus arbeitet seit fast 30 Jahren am Institut für Pflanzengenetik- und Kulturpflanzenforschung, kurz IPK, in Gatersleben bei Magdeburg. Zu DDR-Zeiten lag der Schwerpunkt ihrer Arbeit in der Mutationsforschung. Die Biologin konzentrierte sich dann auf embryonale Stammzellen von Mäusen. Sie züchtete aus diesen Stammzellen unter anderem Herz-, Blut-, Nerven- und Skelettmuskelzellen. Anna Wobus Um differenzierte Zellen zu erhalten, werden aus dem Embryo einer Maus Stammzellen entnommen und in einer Nährlösung vermehrt. Stammzellen sind universale Bausteine: das bedeutet, daß sie die Eigenschaft haben, sich noch in alle möglichen, differenzierten Zellen - ob Herz-, Leber-, Nieren- oder Knochenzellen - zu entwickeln. Anna Wobus und ihr Team kultivieren sowohl die Stammzellen als auch die differenzierten Zellen durch genau definierte Bedingungen und Zugabe von Chemikalien in-vitro, das heißt außerhalb des Organismus. Das besondere daran ist, daß diese in-vitro gezüchteten Zellen genau so reagieren wie die, die in einem Organismus gewachsen sind. Anna Wobus und ihr Team sind inzwischen relativ erfolgreich darin, aus Kulturen genau die Zellen zu erhalten, die gewünscht sind. Bei bestimmten Nervenzellen zum Beispiel liegt die Erfolgsrate bei 34 Prozent. Die in-vitro gezüchteten Zellen haben vor allem einen Zweck: sie können als Versuchs- und Forschungsmaterial genutzt werden. Der eindeutig positive Aspekt: eine Anzahl von Tierversuchen entfällt, weil man ein neues Medikament erst einmal an diesen Zellen testen kann. Anna Wobus
Ende Januar tagte in Washington D.C. die Bioethikkommission. Kurz vor dieser Tagung wurde bekannt, daß in Amerika die Forschung mit menschlichen Embryonal-Stammzellen nun sogar staatlich unterstützt wird - letztes Jahr nämlich gelang israelischen Wissenschaftlern und den amerikanischen Biologen John Gearheart und James Hopkins ein Durchbruch in der Stammzellenforschung: sie isolierten und kultivierten erstmals erfolgreich menschliche Stammzellen. Die Visionen der Forscher: das aus Stammzellen gezüchtete Material könnte transplantiert werden und Nerven beziehungsweise Gewebeschäden reparieren und damit zum Beispiel Parkinson-, Alzheimer- oder Leukämie-Patienten helfen. Auch in Deutschland und Frankreich überlegt man sich nun, an menschlichen Embryonal-Stammzellen zu forschen. Die französische Regierung will noch in diesem Sommer das Bioethikgesetz novellieren. Die Deutschen brauchen ihr Embryonenschutzgesetz nicht zu ändern. Ihnen ist es möglich, die Zellen aus abgetriebenen Föten zu entnehmen. Ob Anna Wobus an menschlichen Stammzellen forschen wird, ist noch offen. Wo wären ihre Grenzen? Anna Wobus Anna Wobus organisiert an ihrem Institut die Gaterslebener Begegnung" - eine Tagung, bei der renommierte Wissenschaftler aus unterschiedlichen Fakultäten, Künstler und Schriftsteller zum Gedankenaustausch zusammenkommen. Die Idee zu der Gaterslebener Begegnung" stammt noch aus DDR-Zeiten und ist nach wie vor ein wichtiges Forum der kritischen Auseinandersetzung mit der Wissenschaft. Das IPK ermöglicht seinen Gästen vor allem direkten Einblick vor Ort in ihre wissenschaftliche Arbeiten. In diesem Jahr steht die Gaterslebener Begegnung" unter dem Thema: Die Verfügbarkeit des Lebendigen. Anna Wobus |
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