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1. Juni 1999 | |
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Buchtip: Die Entstehung der Arten
Philippe Tassy Paleontologe Die Entstehung der Arten von Charles Darwin wird in diesem Jahr 140 Jahre alt. Man hat den Darwinismus, das Werk Darwins, oft als eine alte, verstaubte Geschichte dargestellt, und nicht selten sind in der Presse Dinge zu lesen wie: "Darwinismus in Frage gestellt, Darwinismus widerlegt!" Vor einigen Jahren zum Beispiel hat man viel Aufhebens gemacht um eine Darstellung der Evolution, die zeigte, daß die Arten sich in bestimmten Perioden schnell entwickelten und in anderen Perioden überhaupt nicht, man sei weit entfernt vom langen ruhigen Fluß Darwins, bei dem alles in der gleichen Geschwindigkeit vor sich ging. Das wurde als Widerlegung Darwins hingestellt. In Wirklichkeit findet sich dieser Gedanke bei Darwin selbst. Ich lese es bei Darwin nach: "Ich nehme natürlich keineswegs an, daß der Prozeß immer so regelmäßig vonstatten geht, wie er dargestellt ist (...) oder er setze sich immer so regelmäßig fort." Die Darstellung ist in diesem Fall ein sehr einfaches Schema, das den Ursprung und die Entwicklung der Arten zeigt. Darwin fährt fort: "Wahrscheinlicher ist, daß jede Form lange Zeit unverändert bleibt und dann wieder Modifikationen unterliegt." Solche Beispiele finden sich zuhauf in der Entstehung der Arten. Wenn man dieses Buch heute liest, versteht man, wie sich das moderne biologische Denken herausgebildet hat. Und Darwin schreibt einen klaren Stil. Er kennt sich aus, und seine gelungenen Erklärungen bewirken, daß man nie den Eindruck hat, ein Geschichtswerk über Naturwissenschaften zu lesen oder Geschichtswissenschaft zu betreiben bei der Lektüre dieses alten Buches. Im Gegenteil: Die Entstehung der Arten hat für den heutigen Leser nichts von ihrer Aktualität verloren. Die Entstehung der Arten ist in Frankreich bei Garnier Flammarion, in Deutschland im Philipp Reclam Verlag erschienen. |
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