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8. Juni 1999 | |
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Das Ondes Martenot
Gemeint ist eines der allerersten elektronischen Musikinstrumente ; ein von Maurice Martenot erfundenes Instrument. Es wurde zum erstenmal 1928 in der Pariser Oper vorgestellt. Bloch Es gab ungefähr 1200 Werke, die für das Ondes Martenot komponiert wurden: Varèse, Jolivet, Messiaen, Honegger usw. Auch im Chansonbereich wurde das Ondes Martenot häufig eingesetzt. Man hört es bei Jacques Brel in La Fanette und Ne me quitte pas, bei der Piaf und vielen anderen, im Vorspann von Rundfunk und Fernsehen wie bei Les maîtres du mystère, bei Filmmusiken für Fantomas oder bis heute in Mars attacks. Vierzehn Jahre lang ist das Instrument auch im Orchester der Folies Bergères eingesetzt worden. Hier der repräsentativste Klang des Ondes Martenot, das Spiel mit dem Band. Maurice Martenot war während des Ersten Weltkrieges beim Rundfunk beschäftigt. Beim Umgang mit dem Radiogerät hatte er festgestellt, daß er die Höhe, die Frequenzen verändern konnte. Er erzielte in etwa das, was wir von alten Rundfunkempfängern kennen, wenn man eine Frequenz suchte. Da Martenot auch Cellist war, hat er ab 1919 beschlossen, nach diesem Prinzip ein Musikinstrument zu bauen. Wenn Sie so wollen, ist das Ondes Martenot eine Mischform aus Radio und Cello. Auf der Grundlage der damaligen Erkenntnisse über Elektrizität und Rundfunk hat Maurice Martenot für sein Instrument die drei Komponenten rekonstruiert, die einen Musikton ausmachen: die Klangfarbe, die Intensität und vor allem die Höhe, das heißt die Frequenz. RocheboisWenn ich die Zunge vibrieren lasse, erzeuge ich eine Schwingung von sehr schwacher Frequenz, ungefähr fünfmal pro Sekunde, man spricht von 5 Hertz, und man hört keinen Ton. Wenn ich die Zunge verkürze, erreiche ich eine Schwingung von höherer Frequenz, die schließlich hörbar wird, wenn die Zunge kurz genug ist. Die Frequenz eines Tons reicht von 20 Zyklen pro Sekunde, das sind 20 Hertz, bis zu 20 Kilohertz. 20 Hertz sind die sehr tiefen, 20 Kilohertz die sehr hohen Töne. Unterhalb von 20 Hertz spricht man von Infraschall, oberhalb von 20 Kilohertz von Ultraschall. Ultraschall wird zum Beispiel von Fledermäusen benutzt und Infraschall von Elefanten, um Ihnen ein konkretes Beispiel zu nennen. Wir nehmen uns jetzt die Gitarre vor. Die Gitarre hat Saiten, die schwingen, wenn man sie zupft, und einen Ton abgeben. Die Frequenz, die von dieser Saite ausgesandt wird, hängt von ihrer Länge ab: je kürzer die Saite, desto höher der Ton. Die Grundlage der Musik besteht also darin, Töne unterschiedlicher Frequenzen, also Schwingungen zu erzeugen. Wenn man mit einem elektronischen Gerät Musik machen will, muß dieses elektronische Gerät in der Lage sein, elektrische Signale wechselnder Frequenzen hervorzubringen. Das heißt, Strom und Spannung wechseln sich ab in diesem Schaltkreis, etwa in der Art eines Pendels. Man erzielt eine Schwingung, und diese Schwingung variiert entsprechend der Parameter der elektronischen Bauelemente, in unserem Fall Spulen und Kondensatoren. Wenn man also die Werte der Kondensatoren und Spulen verändert, erreicht man ungefähr das, was sich bei diesen unterschiedlich langen Pendeln abspielt, das heißt man erzeugt verschiedene Frequenzen, hier eine höhere Frequenz und hier eine langsamere Frequenz. Mit verschiedenen physikalischen Parametern kann man also eine ganze Palette unterschiedlicher Frequenzen erzielen. RocheboisMartenot benutzte während des Krieges einen telegraphischen Übertragungsapparat, der mit einem System von elektronischen Röhren funktionierte. Man konnte mit ihm mehrere Frequenzen für Rundfunkübertragungen erzeugen. Doch diese Oszillatoren hatten einen schweren Mangel, der ihren musikalischen Einsatz damals verhinderte: ihre Funktionsfrequenzen lagen oberhalb von 80 Kilohertz, das heißt weit über den hörbaren Frequenzen. Es waren Ultraschalltöne, und Martenot hätte nur für Fledermäuse Musik machen können, wenn er dieses Verfahren benutzt hätte. Um einen Generator zu bauen, der mit hörbaren Frequenzen arbeitete, hat er das Superheterodyn-Prinzip, kurz Superhet, benutzt, das Grundprinzip dieses Radios. Dabei werden zwei Oszillatoren eingesetzt: ein erster Hochfrequenzoszillator mit fester Frequenz, die sich also nicht ändert: 80 Kilohertz, und dann ein zweiter Oszillator mit einer Frequenz von 80 Kilohertz plus einer bestimmten Frequenz. Bei ihrer Mischung, der sogenannten Demodulation, erzielt man am Ausgang das Frequenzsignal f. Eine solche kleine Frequenzvariation erzeugt man, wenn man die Klaviatur bedient oder den Ring bewegt. Das Prinzip ist sehr wichtig, weil es das Prinzip des Rundfunks ist. So entstanden die ersten elektronischen Instrumente der Geschichte. BlochDieses Instrument ist kein Radiogerät, sondern ein Theremin, ein Musikinstrument, das 1919 von Leon Theremin erfunden wurde. Auf der rechten Seite hat es eine Antenne. Sie können die Tonhöhe verändern, wenn Sie die Hand der Antenne nähern. Und links gibt es eine Art kleines musikalisches Hufeisen, ebenfalls aus Metall, dabei handelt es sich einfach um die Intensitätssteuerung. Rochebois In Wirklichkeit ist der variable Kondensator, das variable Element im elektronischen Schaltkreis des Theremins die Hand. Beim Theremin steuert die Hand die Variationen. Der Instrumentalist ist Teil des Instruments. Der große Unterschied zwischen Theremin und Martenot besteht darin, daß es Martenot um den Bau eines Instruments ging, das leicht zu handhaben ist. Deshalb hat er sehr bald eine zunächst fiktive Klaviatur ersonnen, um sich beim Spiel mit dem Ring zu orientieren, und hat später eine echte Klaviatur angebracht. Ein Musikton definiert sich nach drei Parametern. Eine andere wichtige Besonderheit sind die Klangverteiler, die eine Art Lautsprecher darstellen. Dort haben wir sehr viel originellere Klangverteiler, die den Tönen zusätzlich ihre eigene Färbung verleihen. Er besteht aus einem Gong. Es ist also ein Lautsprecher, der alles andere als neutral ist. Er steuert den Tönen seine eigene Färbung bei. Der andere Klangverteiler ist die sogenannte Palme. Sie besteht aus 24 Saiten, 12 auf jeder Seite, die unter Einwirkung der Wellen in Resonanz treten. Es sind also gestimmte Saiten. Auf der Rückseite findet sich die gleiche Anordnung. Diese Saiten sprechen auf das Ondes Martenot an und verteilen den Klang. Im Gegensatz zu den Ingenieuren der Synthesizer, deren zentraler Kern, deren Herz die Elektronik ist, hat sich Martenot von der Elektronik ferngehalten und sich auf die Elektroakustik konzentriert, auf die Klangverteiler. Anstatt neutrale Klangverteiler wie den Lautsprecher zu benutzen, hat er Klangverteiler eingesetzt, die mit ihrer eigenen Farbe die Töne bereichern und den typischen Klang des Ondes Martenot ausmachen. |
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