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Versteigerung
In der Zeitung "Le Monde"
ware einmal ein Artikel zu lesen, in dem der Verkauf der bedeutenden prähistorischen
Kunstsammlung von Monsieur X in Blois angekündigt wurde. Die Gesamtheit
der Stücke war repräsentativ für alle Perioden der Prähistorie. Die meisten
Objekte waren aus Stein, von unseren Vorfahren bearbeitet, um ihnen als
Werkzeuge zu dienen. Man könnte es verwunderlich finden, dass diese Gegenstände
- Zeugen der Menschheitsgeschichte auf diese Weise weit verstreut
werden. Am Vorabend des Verkaufs werden die Stücke der Öffentlichkeit
zugänglich gemacht, damit mögliche Interessenten sie begutachten und die
Objekte auswählen können, bei deren Versteigerung sie gerne mitbieten
möchten.
Wie wird der Wert eines Stückes ermittelt, der einem Nichtfachmann als
ganz gewöhnlicher Stein erscheinen mag ?
Marie-Edith Pousse-Cornet
Wir haben eine Sammlung, die im Rahmen eines Nachlasses zu uns gelangt
ist. Ich bin von einem Erben angesprochen worden, der mich mit dem Verkauf
der Sammlung beauftragte. Ich habe sofort mit unserem Sachverständigen,
Monsieur Bigot, Kontakt aufgenommen, denn ein Auktionator weiß zwar vieles,
aber dies hier ist eine Besonderheit.
François Bigot
Ich stelle Expertisen für Sammlungen aus, denn ich bin von Hause aus Prähistoriker
und habe gleichzeitig eine Ausbildung zum Auktionator. Öffentliche Versteigerungen
dieser Art gibt es zwar von Zeit zu Zeit, aber manchmal finden Stücke
aus alten Sammlungen bei einer Erbschaft keinerlei Beachtung und werden
irgendwo wahllos zum Kauf angeboten. Solche Stücke werden dann manchmal
unter sehr schlechten Bedingungen verkauft und in alle Winde verstreut.
Bei dieser Auktion gehen wir wissenschaftlicher an die Sache heran, stellen
einen ausgearbeiteten Katalog zusammen mit einer detaillierten Beschreibung
jedes Stücks. Von diesen Katalogen sind sehr viele unter die Leute gebracht
worden, um Personen, die an solchen Dingen besonders interessiert sind,
anzulocken, besonders die Museen - einige Privatmuseen, aber vor allem
natürlich die öffentlichen Museen.
Marie-Edith Pousse-Cornet
Die Stücke werden in der Reihenfolge verkauft, wie sie im Katalog auftauchen.
Wir werden die chronologische Reihenfolge einhalten, so wie sie von Monsieur
Bigot erstellt worden ist.
François Bigot
Darunter sind zwei Stücke aus dem Altpaläolithikum, auch Acheuléen
genannt, sie stammen aus Saint-Acheul, einem gleichnamigen Steinbruch
bei Amiens. Diese Faustkeile sind manchmal mit einer bräunlich- ockerfarbenen
Patina überzogen. Faustkeile wurden für alles mögliche verwendet. Es war
das einzige Werkzeug, das die Menschen dieser Epoche der Prähistorie überhaupt
kannten.
Wenn der Sammler oder der Erbe sich entschlossen hat, sich von seiner
Sammlung zu trennen und sie öffentlich versteigern zu lassen, ist er von
der Auktion abhängig, denn dann regelt in der Tat das Gesetz von Angebot
und Nachfrage den Preis. Als ich das erste Mal von einem Auktionator gebeten
wurde, eine Expertise für eine prähistorische Sammlung anzufertigen, fand
ich diese Aufgabe äußerst spannend, weil ich die Dinge nach Typologien
ordnen konnte, aber hinsichtlich des Preises für diese Objekte hatte ich
so meine Mühe. Da hingen wir völlig in der Luft. Und heute haben wir auch
keine genaueren Anhaltspunkte, man kann sich zwar einen besseren Begriff
davon machen, aber letztendlich hängt alles davon ab, wie groß das Interesse
ist, das diesen Dingen entgegengebracht wird. Ein Faustkeil z. B. kann
einige hundert Francs bringen, 500 sogar, bis hin zu mehreren tausend
Francs für ein etwas ausgefallenes Stück. Alles ist ziemlich vage und
nicht ganz einfach abzuschätzen.
Marie-Edith Pousse-Cornet
Der Angebotspreis bei einer Versteigerung basiert auf der Schätzung eines
Experten, aber diese Schätzung ist oft sehr niedrig. Wenn man ein Objekt
beispielsweise bei 200 oder 300 Francs ansetzt, kann es leicht passieren,
dass die Kaufinteressenten diesen Preis bei der Versteigerung sehr schnell
hochtreiben und den Schätzpreis bei weitem überbieten.
François Bigot
Seit 1942 gibt es eine ganze Reihe von Gesetzen in Frankreich, die jede
Art von Ausgrabungen verbieten, die nicht von den zuständigen Behörden
offiziell genehmigt worden sind. Dazu hat man Frankreich in prähistorische
Bezirke eingeteilt, die übrigens auch für historische antike Funde gelten.
Nach einem eingehenden Aktenstudium erteilen die Leiter dieser Bezirke
den Wissenschaftlern dann die Ausgrabungsgenehmigung. Solche Genehmigungen
sind aber heutzutage ziemlich rar geworden, weil man die Stätten gerne
erhalten möchte, in denen zu Beginn des Jahrhunderts schon sehr viel gegraben
worden ist.
Wir kommen nun zu den Stücken aus der späten Prähistorie.
Zu den typischen Werkzeugen aus dem Neolithikum 1 zählt der große
Meißel, der praktisch zum bearbeiten von Holz gewesen sein muss, es ist
eine Art Holzmeißel, der auf beiden Seiten zugeschnitten ist. Und auch
die Spitzhacke aus patiniertem Feuerstein. Sie diente wohl ebenfalls der
Feldarbeit. Solche Stücke wurden früher Kempenländer2 genannt.
François Bigot
Ein großes geschliffenes Krummbeil aus dunkelgrünem Hartgestein. Das ist
eines der schönsten Stücke dieser Versteigerung, aber leider war es gebrochen
und wurde wieder zusammengeklebt. Unbeschädigt wäre es vielleicht das
schönste Stück aus dem Neolithikum, aber leider ist es nachträglich geklebt
worden. Wir beginnen trotzdem bei 800 Francs, denn es ist wirklich ein
schönes Stück. Im Waffenarsenal des Steinzeitmenschen haben wir z.B. eine
ganze Reihe Pfeilspitzen. Jeder dieser einzelnen Posten wird zu einem
Preis von etwa 500 Francs unter den Hammer kommen.
Andere Gegenstände stammen aus der Bronzezeit. Ein
Dolch mitsamt Heft in einem sehr guten Zustand und recht hübsch, aus Bonze,
mit grüner Patina überzogen. Er stammt aus Louristan, wo viele gut erhaltene
Bronzeteile entdeckt worden sind. Die meisten Stücke der Sammlung sind
verkauft worden. Der Gesamterlös liegt bei 285.000 Francs. Die neuen Besitzer
kümmern sich nun um die Kaufformalitäten.
François Bigot
Im großen und ganzen ist die Versteigerung gut gelaufen... Man ist immer
zufrieden, wenn Museen unter den Käufern sind. Viele Bronzestücke sind
von Museen ersteigert worden... und das ist der eigentliche Sinn einer
solchen öffentlichen Versteigerung, da wird die Spreu vom Weizen getrennt.
Mit Hilfe des Auktionators und des Sachverständigen gelangen diese Stücke
schließlich wieder zurück in die Museen, wo sie die nationalen und regionalen
Sammlungen ergänzen und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.
Wenn dies geschieht, sind wir zufrieden. Es sind natürlich auch einige
Stücke von Privatsammlern oder Privatmuseen erstanden worden. Wie in den
USA und auch in Deutschland kommen solche Museen immer mehr in Mode.
Malcolm McCuick
Ich habe eine ganze Reihe Faustkeile ersteigert. Dass diese Dinge von
einem Homo erectus oder einem Neandertaler gemacht wurden, finde ich einfach
unglaublich! In Amerika findet man natürlich solche Antiquitäten nicht.
Diese Stücke bleiben bei mir in Paris. Ich als Amerikaner bin für solche
Funde vielleicht ganz besonders empfänglich, ich finde diese Dinge wirklich
unglaublich! Ich bin einfach vernarrt in so was! Ja, ich liebe solche
Sachen, vielleicht sogar ein bisschen zu sehr!
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