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Archimède   29. Juni 1999
03.gif (23283 octets) Wie züchtet man ein Ohr?

 

 

Im Zentrum für experimentelle Medizin der Charité in Berlin.
soll aus dem Knorpel der Nasenscheidewand ein künstliches Ohr gezüchtet werden.

Der Knorpel wird direkt nach der Entnahme aus dem Körper verarbeitet. Knorpel besteht nur zu zwei Prozent aus Zellen, der überwiegende Teil sind eiweißhaltige Kollagenfasern und Moleküle, die Wasser binden. Die Knorpelzellen müssen aus dem Knorpel herausgelöst werden, damit sie sich wieder vermehren können. Der erste Schritt: Der Knorpel wird mit einem Messer zerkleinert. Er liegt dabei in einer Nährlösung. Danach wird die Nährflüssigkeit mit einer Pipette abgesaugt. Die Knorpelzellen sind mit den Kollagenfasern fest verwoben, wie Kugeln in einem Gerüst von Seilen. Dieses Gerüst wird gestützt von quellenden Substanzen. Der kleingeschnittene Knorpel kommt in eine Rührflasche. Damit sich die Knorpelzellen besser von den Strängen der Kollagenfasern lösen, enthält diese Flüssigkeit Enzyme.

Nach 24 Stunden haben sich die Knorpelzellen von den Kollagenfasern in der Flüssigkeit gelöst. Nur die Knorpelzellen können den Filter passieren, die größeren Kollagenfasern und die nicht aufgelösten Reste werden durch ihn zurückgehalten.

Danach werden der Flüssigkeit mit den Knorpelzellen Wachstumsbeschleuniger zugesetzt. So teilen sich die Zellen schneller. Dann wird die Flüssigkeit in eine Kulturflasche pipettiert. Im Brutschrank bei 37 Grad Celsius vermehren sich die Zellen in einem Monat um das hundertfache. Die Form eines Ohres wird dann mit einem Kunststoff, dem sogenannten Vlies-Polymeren, ausgestopft. Dieser Kunststoff ist für den menschlichen Körper gut verträglich, da er beim Abbau in einfache natürliche Säuren wie Milchsäure zerfällt. Diese Säuren kommen auch im menschlichen Organismus vor. Die Knorpelzellen werden mit der Flüssigkeit in die Kunststoffform eingebracht. Die Knorpelflüssigkeit und der watteartige Kunststoff müssen eine feste Einheit bilden. Damit das geschieht, kommt das künstliche Ohr in den Brutschrank.

Zwei Wochen später stellt sich heraus, dass das Experiment geglückt ist. Die Knorpelzellen haben sich entlang des Kunststoffgerüsts vermehrt. Aus dem Knorpel der Nasenscheidewand ist eine Ohrmuschel entstanden.

Kontakt:
Dr. Bannasch  Tissue Engineering Labor
Tel: 0761/270 6367

Dr. Eszter Tanczos  Bio Tissue Technologies GmbH
Engesserstr. 4b
79108 Freiburg

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