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29. Juni 1999 | |
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Künstliche Knochen
Eine Maus mit einem menschlichen Ohr auf dem Rücken. Ein Bild, das um die Welt ging. So spektakulär haben die amerikanischen Wissenschaftler Charles und Joseph Vacanti vor drei Jahren die Möglichkeiten der Gewebezüchtung der Welt vor Augen geführt. Privatdozent Dr. Raymund Horch Universitätsklinik Freiburg Charles Vacanti hat mir erzählt, daß er zunächst Knorpelzellen auf Nahtmaterial implantiert hat, um zu sehen ob sie darauf wachsen. Es hat funktioniert. Er hat es einer maßgeblichen Zeitschrift, Science, angeboten, die es abgelehnt haben mit dem Hinweis: So what? Und er hat dann, auf Rat eines befreundeten plastischen Chrirugen, die Form eines menschlichen Ohrs beimpft und mit diesen Knorpelzellen einer Nacktmaus eingepflanzt und daß, so hat er gesagt, hat dann alle Leute überzeugt, daß Tissue Engineering in der Zukunft wirklich ein konkreter Forschungsgegenstand sein wird. Im Frühjahr 1997 war es dann in Deutschland soweit. Im Zentrum für experimentelle Medizin der Berliner Universitätsklinik Charité wurde aus Kunststoff und Knorpelzellen ein Ohr hergestellt. Für den ersten und bislang einzigen Eingriff, der beim Menschen bekannt wurde. Das Ohr aus der Retorte ist nur kurz haltbar. Direkt aus dem Labor kam das Ohr in den Operationssaal. Es wurde einem Patienten, dem die Ohrmuschel fehlte, aufgenäht. Dr. Andreas HeischUniversitätsklinik Charité Der operative Verlauf war vollständig unauffällig. Während der ersten Wochen konnten wir ebenfalls keine Auffälligkeiten feststellen. Das war ein regulärer Wundheilungsverlauf. Man konnte jedoch nach Ablauf von sechs Wochen sehen, daß sich das Ohr verformt hatte. Wir haben das zurückgeführt auf Resorptionsvorgänge, die der Körper gegen das Implantat, sein eigenes Gewebe richtet, und das hat uns dazu bewegt, wieder in die Grundlagenforschung zu gehen und die Resorptionsvorgänge und mögliche Schutzmechanismen für das Implantat, näher zu beleuchten. Das heißt zu verbessern und für eine zukünftige Implantation solchen Formveränderungen vorzubeugen. Auch die Stabilität und Verträglichkeit von Knochen im Körper muß getestet werden. Eine Nacktmaus mit einem Höcker aus Kunstknochen. Für die Forschung ist es wichtig zu wissen, wie das künstliche Gewebe vom Organismus angenommen wird. Im Berliner Universitätsklinkum Charité werden bereits aus der Knochenhaut gewonnene Zellen in den Knochen von Patienten eingebracht. Ein Beispiel: Luisa-Catarine BöckSchülerin Nach dem Sportunterricht in der Schule hatte ich ganz schlagartig Beschwerden im Knie. Es hat gepiekt wenn ich aufgetreten bin und ich konnte auch Ballett nicht mehr mitmachen. Dann sind wir zum Chirurgen gegangen und haben das röntgen lassen. Das Röntgenbild brachte die Diagnose: ein gutartiger Tumor hatte sich im Schienbein gebildet.. Dr. Carsten PerkaUniversitätsklinikum Charité, Berlin Das Gebilde mußte entfernt und nach drei bis vier Wochen aufgefüllt werden mit kultivierten Zellen aus der Knochenhaut, die in der Lage sind, die natürliche Frakturheilung nachzumachen, also das was sonst nach einem Knochenbruch passiert. Selbst Defekte im Schädel wird man in Zukunft mit künstlichen Knochenzellen schließen können. Kontakt: Dr. Carsten
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