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Archimède   13. Juli 1999
  Sonnenfinsternis

Am 11. August dieses Jahres, kurz nach 12 Uhr mittags, wird über einen großen Teil Europas die Nacht hereinbrechen. Es handelt sich um die letzte Sonnenfinsternis dieses Jahrtausends. Einige Minuten lang wird dann zu beobachten sein, wie sich der Mond vor die Sonne schiebt.
Auf einer Linie von Plymouth bis Bukarest werden wir eine totale Sonnenfinsternis erleben, in Paris hingegen eine partielle, allerdings zu mehr als 99%. Während seines Lebens kann ein Mensch nur etwa 30 Mal einer partiellen Sonnenfinsternis beiwohnen, und eine totale Sonnenfinsternis war in Nordfrankreich zuletzt 1912 zu bestaunen. Daher wird dieses Ereignis vom 11. August 1999, das den Norden des Landes in einem 110 km breiten Streifen in Dunkelheit tauchen wird, mit Spannung erwartet.

Professor Archipi hofft, daß an diesem Tag in Rouen - um zirka 12.20 Uhr – Petrus ein Einsehen hat.
"Schade, daß die Umlaufbahnen von Mond und Erde nicht ganz exakt deckungsgleich sind
", bedauert er.
Wäre dies der Fall, so würden wir jeden Monat eine Sonnenfinsternis erleben, wenn sich der Mond vor die Sonne schiebt und eine Mondfinsternis, wenn die Sonne den Vollmond verdeckt.

Die beiden Umlaufbahnen sind jedoch ein wenig gegeneinander verschoben, um etwa 5°. Daher sehen wir eine Sonnenfinsternis nur dann, wenn der Mond den geraden Schnittpunkt der beiden Umlaufbahnen passiert und die Sonnenstrahlen abschirmt. "Aber wir haben trotzdem Glück", erwidert sein Schüler Epsilon. Zufällig haben der Mond und die Sonne – eine ganz außerordentliche Fügung der Natur – von der Erde aus betrachtet, nahezu die selbe Größe. Wäre der Mond kleiner, könnten wir nur eine ringförmige Sonnenfinsternis beobachten und würden niemals in völlige Dunkelheit getaucht. "Wäre er größer, könnte er die Sonne über einen längeren Zeitraum verdecken", bemerkt Archipi. Da indessen die Umlaufbahn des Mondes um die Erde nicht exakt kreisförmig ist, verändert sich die Distanz zwischen Erde und Mond, so daß der Mond uns in unterschiedlicher Größe erscheint. Daher dauert eine Sonnenfinsternis mehr als sieben Minuten, wenn die Entfernung Erde-Mond gering ist, uns der Mond also groß erscheint; hat er sich hingegen weiter von der Erde entfernt, ist er zu klein, um die Sonne vollständig zu verdecken, und es kommt zu einer partiellen Sonnenfinsternis, bei der sich ein strahlender Ring um die Mondscheibe legt.

Die totale Sonnenfinsternis vom 11. August dieses Jahres wird länger als zwei Minuten dauern, im Zentrum des Kernschattens. Diese scheinbar variable Größe des Mondes bewirkt, daß eine totale Sonnenfinsternis auf der Erde selten in einem Streifen von mehr als 250 km Breite sichtbar wird. Diese Zone entspricht dem Schatten, den der Mond auf die Erde wirft, und da sich die Erde dreht, wandert dieser Schatten über die Erdoberfläche. Der Weg der totalen Sonnenfinsternis kann bis zu 15.000 km lang werden, bevor die entsprechenden Kreisbewegungen von Mond und Erde diesen Verdeckungseffekt aufheben. An anderen Orten kommt es nur zu einer partiellen Sonnenfinsternis, da der von einem Punkt der Erde aus gezogene Kegel, der den Mond einhüllt, nur einen Teil der Sonne abzudecken vermag.

"Welchem Zweck dient die Beobachtung einer solchen Sonnenfinsternis", fragte Epsilon.
Unter anderem der Messung von Geschwindigkeitsveränderungen der Erde auf ihrer Umlaufbahn. Die Beobachter – hauptsächlich in China – haben seit dem achten Jahrhundert v.Chr. etwa 30 Mal eine totale Sonnenfinsternis registriert. Aus den entsprechenden Daten und dem Wissen darum, wo ein solches Ereignis stattgefunden hat, läßt sich ableiten, daß sich die Erde immer langsamer dreht, denn wäre ihre Geschwindigkeit konstant geblieben, hätte die eine oder andere Sonnenfinsternis an einem anderen Punkt der Erde beobachtet werden müssen.

Wegen dieser Verlangsamung, gemessen in bezug auf die Normalzeit, hat man zum Jahreswechsel 1998/99 dem Jahr eine Sekunde anhängen müssen. Ein kleiner Software-Bug.  

  © 1999 ARTE G.E.I.E