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Das Geheimnis
der Skythen
Im Laufe der Geschichte haben immer wieder Reiternomaden
aus dem Osten die Völker Mitteleuropas in Angst und Schrecken versetzt.
Den Ursprüngen dieser Kulturen ist der Direktor der Eurasien-Abteilung
des Deutschen Archäologischen Instituts, Professor Hermann Parzinger,
in Sibirien und Kasachstan auf der Spur.
Von den Skythen ist bekannt, daß sie enge Kontakte zu den Griechen
hatten. Schon Herodot berichtet von den Nachbarn im Osten, von ihrer Pracht
und ihren Grabmonumenten. Die Skythen waren nicht nur Pferdeliebhaber,
sondern verwegene Reiter. Als schnelle geschickte Bogenschützen,
als Reiterkrieger, versetzten sie bei ihren Invasionen den Vorderen Orient
in Angst und Schrecken. Sie waren aber auch so begehrt, daß 1000
Skythen in Athen als Stadtpolizei angeheuert wurden. Auf dem Rücken
ihrer Pferde beherrschten sie ab dem 8.Jahrhundert vor Christus das Gebiet
zwischen der Chinesischen Mauer und der Donau am Schwarzen Meer. Manche
Skythen trugen mongolische, die meisten aber europide Gesichtszüge.
Sie gehörten zu den Indoeuropäern und sprachen eine iranische
Mundart. Ihr Kapital waren die riesigen Pferde- und Rinderherden. Immer
auf der Suche nach neuen Weideflächen zogen sie als Nomaden mit ihren
Zelten durch die Steppe. Die extremen Temperaturschwankungen machten sie
zu Überlebenskünstlern. Die Skythen lebten mit und von den Tieren,
die ihre Phantasie beflügelten. Tiere besaßen eine magische
Ausstrahlung, hatten religiöse Symbolkraft. Sie prägten ihren
ganz charakteristischen Stil, der auch die Kunst der Kelten in Mitteleuropa
inspirierte. Die Skythen waren es, die erstmals einen Kontakt zwischen
dem fernen Asien und dem Westen herstellten.
Bei Messungen entdeckten die Geophysiker des Bayerischen Landesamtes für
Denkmalpflege zwischen Omsk und Nowosibirsk Überraschendes: die östlichste
Stadt der Skythen aus dem 8.Jahrhundert vor Christus. Bisher waren die
Wissenschaftler davon ausgegangen, daß die Reiternomaden nur in Zelten
gelebt hatten.
Dr. Helmut Becker, Bayerisches Landesamt für
Denkmalpflege
Im Magnetogramm der skythischen Stadt Cica sieht man gut die Einteilung
in eine Zitadelle mit Toren und dann kommt der Stadtbereich der auch wieder
mit Gräben eingefaßt ist, wo über 100 Grubenhäuser
angeordnet sind, Grubenhäuser etwa 8 bis 10 Meter groß. Da
sind auch wieder Tore und dann der äußere Stadtbereich mit
Palisaden und wir sehen da zwei Gräber, zwei Grabbauten. Dieser skythische
Großkurgan gibt uns noch Rätsel auf. In der Magnetik ist zwar
ziemlich klar der Außengraben etwa mit 80 Meter Durchmesser. Man
sieht auch sehr schön die Kammer, den Gang zur Kammer, man sieht,
daß der Gang auf eine Unterbrechung im Graben zielt, wo der Eingang
ist. Man kann nicht weitere Gräber sehen. Die Magnetik reicht vielleicht
bis in 5 Meter Tiefe, in größerer Tiefe, in 10 oder 15 Metern,
kann man keine weiteren Kammern entdecken mit diesem Verfahren."
In Seegevka in Nordkazachstan sollen Ausgrabungen
Licht ins Dunkel dieser Kultur der Gegensätze bringen: ARCHIMEDES
hat Professor Hermann Parzinger, der als erster Archäologe den mit 1,5
Millionen Mark dotierten Leibniz-Preis erhielt, begleitet und bei der
Suche nach einem einzigartigen Grabmonument von 80 Metern Durchmesser,
einem Großkurgan, beobachtet. Die unterirdische Katakombe des „skythischen
Fürsten", die noch intakt sein muß und mit reichen Beigaben aus Gold und
Textilien ausgestattet ist, blieb bis jetzt verborgen. Die Erbauer des
Grabhügels verstanden es, die Grabräuber irrezuleiten und auch den modernsten
Techniken der Wissenschaftler Widerstand zu leisten. Das prächtig
für das Jenseits ausgestattete Grab eines Häuptlings, es scheint
unauffindbar. Skythische Baumeister hatten ihm vor 2500 ein wahres Denkmal
gesetzt, eine organisatorische und architektonische Meisterleistung:
Prof. Hermann Parzinger, Deutsches Archäologisches
Institut, Berlin
Hier haben wir das letzte noch stehende Profil vor uns, das Nordprofil
und man kann ganz schön den Aufbau des Kurgans sehen. Wir haben zunächst
unten den gewachsenen Boden, der durch Frostritzen aufgerissen wird, und
deshalb sehr stark mit Humus vermischt ist. Wir sind deshalb noch weiter
hinuntergegangen in das Gewachsene, in den Lehm, um eben Verfärbungen
in der Fläche noch besser erkennen zu können, aber die ehemalige
Oberfläche folgt praktisch dieser Grenze. Wichtig ist, daß
die ganze Oberfläche des Kurgans, also immerhin eine annähernd
kreisrunde Fläche von 80 bis 85 Meter Durchmesser mit mehreren feinen
Schichten von Birkenrinde ausgelegt war. Darauf folgt dann der weitere
Aufbau aus Rasensoden, die man hier eigentlich sehr schön erkennen
kann. Rasensoden praktisch aus der Steppe abgestochen, Teile des Bewuchses,
des Grases und unten die Wurzeln dran und die Erde und das Ganze wurde
hier, nicht nur hier, sondern man kann sagen überhaupt in der Steppe
gewissermaßen wie ungebrannte Lehmziegel verwandt. Über dem
Ganzen folgt dann eine Schicht gelben Lehms. Das ist der Aushub, also
der gewachsene Boden, der aus der Grube kommt und auch aus dem Graben,
der im Kreis um diesen Kurgan herumläuft. Das wurde dann im Zentrum
etwas stärker und dann zu den Rändern dünner auslaufend
auf dieser Rasensodenpackung aufgebracht. Darüber dann eine Schicht
aus Steinen und dann über dem Ganzen, was hier aus Sicherheitsgründen
bereits abgetragen wurde, über dem Ganzen muß man sich noch
mal 2 bis 3 Meter Humusaufschüttung vorstellen."
Das Erdreich aus der tiefen Grube im Zentrum des Hügels
gibt immer noch seine Geheimnisse preis, die mühsame Suche lohnt
sich: Etwa 500 Jahre nachdem das Grabmonument errichtet war, um die Zeitenwende,
wurde hier ein Sarmate fürstlich zur letzten Ruhe gebettet. Die Sarmaten
hatten die Skythen verdrängt und lebten ebenfalls als Reiternomaden.
Prof. Hermann Parzinger
...das Grab war zerstört und von Grabräubern zerwühlt.
Aber es fanden sich noch einige Teile der Grabausstattung, vor allem erstaunlicherweise
die Goldfunde, allerdings sehr kleine, was bedeutet, daß es wirklich
ein sehr reiches Grab gewesen sein muß. Wenn man sich vorstellt,
daß die Grabräuber wirklich diese Stücke wir haben
jetzt insgesamt 94 Teile des Goldschmucks wenn sie das liegen haben
lassen, dann hat man ungefähr eine Vorstellung, wie reich das Grab
war."
...winzige Kunstwerke aus Gold und Elektron, einer
Legierung aus Gold und Silber. Das verrrät die Herkunft aus Griechenland.
Als Kleiderbesatz schmückten die Pretiosen ein sarmatisches Festtagsgewand.
Die Nomaden der Steppe waren alles andere als primitiv. Kunstfertigkeit
und die Liebe zum Detail prägten ihren Lebensstil. Und die Goldfunde
lassen verschwenderische Fülle erahnen.
Finderglück, das die Phantasie beflügelt und die Ausgräber
motiviert. Ihre Geduld wird auf eine harte Probe gestellt. Nirgendwo ist
ein Eingang zu einem unterirdischen Grab zu erahnen. Ausgraben bedeutet
Zerstören, nur eine exakte Dokumentation ermöglicht später
die Interpretation am Schreibtisch. Je höher der Standort, desto
besser der Überblick. Jede noch so unscheinbare Verfärbung könnte
die Archäologen auf die richtige Fährte bringen.
Prof. Hermann Parzinger
Die Stimmung ist wie die Fieberkurve eines Irren. Man sieht Verfärbungen.
Eins ist völlig klar und das macht es ja so schwierig. Die
Skythen haben offenbar das Grab, den Eingang in das Grab so versiegelt,
daß es nicht ohne weiteres auffindbar ist."
Auf der Suche nach einem unterirdischen Hohlraum,
nach einer Katakombe, wird schließlich gebohrt.
Eine Woche nach unserer Abreise wurde tatsächlich ein Hohlraum entdeckt.
Führt er die Ausgräber zur Schatzkammer" des skythischen
Fürsten?
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