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Wie der Golfstrom das Klima verschiebt
Kontakt:
Prof. Svein Østerhus
Universität Bergen
Geophysikalisches Institut
N - 5009 Bergen
Tel.: (+ 47) 5558 2607
e-mail: svein.osterhus@gfi.uib.no
Die Arktis - ewiges
Eis. Das weiße Paradies. Eine der empfindlichsten Klimazonen der
Erde. Zielgebiet zahlreicher Expeditionen. Eine Welt voller bizarrer Wunder
und Formen. Wer hier lebt, hat sich optimal an die Umwelt angepaßt
- im ständigen Kampf um das Überleben. Und der wird hier immer
härter.
Forscher zieht es
in diese Gegend. Sie interessieren sich für die Ursachen der Temperaturschwankungen,
die in den letzten Jahren immer wieder gemessen wurden.
Die untersucht auch Svein Österhus vom Geophysischen Institut der
Universität Bergen in Norwegen. Er hat schon viele Expeditionen ins
Nordmeer, die Arktis und die Antarktis unternommen. Viele Forscher sagen
für Nordeuropa eine Klimaerwärmung voraus. Anders Prof. Österhus.
Er fand Belege dafür, dass es im Norden künftig deutlich kälter
wird, weil das Meer sich abkühlt.
Die Voraussetzungen für diese Forschung wurden an der Universität
Bergen geschaffen. Hier entwickelte Svein Österhus spezielle Sonden
mit sehr empfindlichen Sensoren.
Sie sind kompakt konstruiert und sehr stabil, damit sie in einer Tiefe
von 2000 Metern immer noch fehlerfrei messen.
Insgesamt hat Svein Österhus mittlerweile über 140 solcher Sonden
entwickelt, die zur gleichen Zeit an verschiedenen Orten der Welt zum
Einsatz kommen.
Mit dem Forschungsboot der Universität kontrolliert er in regelmäßigen
Abständen das Wasser vor der norwegischen Küste:
Svein Österhus,
Universität Bergen, Norwegen
Die Meßinstrumente werden ins Wasser gelassen. Sie zeigen uns die
Temperaturkurve und den Salzgehalt. Das sind Informationen, die wir zur
Untersuchung des Ozeans benötigen.
Die neuesten Daten werden in den Computer eingelesen und ausgewertet.
Das Ergebnis bestätigt auch die vorherigen Messungen: Die Temperatur
des norwegischen Meeres sinkt, die des arktischen Meeres ist um 1 Grad
gestiegen. Das hört sich zwar unspektakulär an, ist aber scheinbar
das erste Zeichen eines klimatischen Prozesses, der in Zukunft enorme
Auswirkungen nicht nur auf diese Gegend haben könnte.
Grund dafür ist der Golfstrom. Er ist quasi das Herz der Weltmeere.
Er transportiert kaltes, frisches Wasser von den Polen in die Ozeane.
In den wärmeren Regionen wird das Wasser aufgeheizt und sorgt so
für warmes Klima im Ostatlantik- und Nordmeerraum. Auf dem Weg zurück
in die Arktis verliert der Golfstrom immer mehr Wärme, bis er in
der Antarktis wieder frisches, kaltes Wasser tanken kann. Vor die Küste
Norwegens bringt er warmes Wasser, ohne das Norwegen vereisen würde.
Svein Österhus kann mit seinen Messungen nachweisen, dass der Golfstrom
in den letzten Jahren vor der Küste Norwegens um die Hälfte
schmaler geworden ist. Das bedeutet, dass er weniger warmes Wasser an
Norwegen heran transportiert als früher.
Die Vermutung, dass der Mensch diese Veränderung beeinflusst hat,
ist noch nicht vom Tisch. Schon kleinste Schwankungen im Weltklima können
sich negativ auf den Golfstrom auswirken. Gerade Verbrennungsmotoren in
Kraftfahrzeugen und Schnellbooten geben große Mengen Schwefel- und
Kohlendioxid an die Umwelt ab. Sie sind in erheblichem Maße für
den Treibhauseffekt verantwortlich.
Erste Anzeichen spüren die einheimischen Fischer: Die Bestände
einiger Fischarten sind bereits stark zurückgegangen, weil deren
Grundnahrung, das Plankton, nicht in kaltem Wasser wächst. Vor allem
Lachs und Hering wandern in wärmere Gebiete ab. Lachsfarmen sollen
jetzt einen Teil des Bedarfs an Frischfisch decken. Die Betriebskosten
sind jedoch enorm. Ein großer Teil der Fischer, die ausschließlich
vom Fischfang leben, sind in ihrer Existenz bedroht, viele sind bereits
arbeitslos. Fisch ist in Skandinavien Grundnahrungsmittel und eine Delikatesse
zugleich. Aber schon jetzt ist er so rar geworden, dass er hier in Norwegen
bedeutend teurer ist als in anderen Teilen Europas und das in einem
Land, das eigentlich nicht auf Fischimporte angewiesen sein sollte.
Neben dem Verlust der Fischgebiete werden die Norweger - nach Berechnungen
von Professor Svein Österhus - künftig auch mit sinkenden Temperaturen,
besonders in Küstennähe, leben müssen. Der Grund: Große
Mengen des warmen Wassers des Golfstromes kommen nicht mehr bei Norwegen
an, sondern verlagern sich nach Grönland. Dieser Teil der Erde reagiert
aber besonders empfindlich auf kleinste Temperaturschwankungen. Deshalb
hat das warme Golfstromwasser in Grönland schon in den letzten Jahren
bereits große Mengen Eis abgeschmolzen und wird noch mehr abschmelzen.
Dies hätte eine Erhöhung des Wasserspiegels auf der ganzen Welt
zur Folge. Überall wären dann auf lange Sicht - ganze
Küstenstriche dem Untergang geweiht. Die Auswirkungen wären
weltweit, auch in Deutschland und Frankreich, zu spüren.
Die norwegischen Forscher um Svein Österhus entdeckten bei Bohrungen
durch die Filchner-Ronne-Eisplatte in der Antarktik jetzt erstmals eine
enorm starke Unterwasserströmung. Die versorgt den Golfstrom mit
kaltem Wasser.
Svein Österhus
Wir haben dort ein Loch durch die Eisplatte gebohrt. Die Eisplatte ist
der Teil der Eiskappe, der auf dem Wasser schwimmt. Unter dieser 1000
Meter dicken Platte, konnten wir einen sehr kalten und starken Wasserstrom
messen minus 2,5 Grad. Und dieser Strom fließt von der Eisplatte
hin zum Ozean, senkt sich zu Boden ab und bildet eine Schicht, die den
ganzen Meeresgrund bedeckt - Eine Schicht aus kaltem, frischem Wasser.
Die Erkenntnisse aus diesen Bohrungen sind neu und unerwartet: Eine Erwärmung
des Wassers an den Polen läßt anscheinend nicht nur Gletscher
schmelzen, sondern scheint auch den Golfstrom zu beeinflussen. In der
Folge würde dieser die Meere mit immer weniger kaltem Wasser versorgen.
Die Meere würden sich aufheizen - stärker als je zuvor. Es käme
zu einer globalen Klimaveränderung mit Wirbelstürmen und Unwettern.
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