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Archimède  28. September 1999
 

Ein Saurier in Deutschland

Kontakt:
Dr. Klaus-Peter Lanser
Westfälisches Museum für Naturkunde
Sentruper Strasse 285
D - 48161 Münster
Tel.:(+49) 251-591-05
Fax: (+49) 251- 591- 6098

Saurier - 150 Millionen Jahre lang waren sie die unbestrittenen Herrscher der Erde. Manche eroberten die Lüfte, andere wuchsen bis zu gigantischen 40 Metern Körperlänge und fraßen täglich fast eine halbe Tonne Grünzeug, um ausgewachsen vielleicht 70 Tonnen auf die Waage zu bringen.

Die berühmteste dieser Echsen war allerdings kein Vegetarier, sondern ein fleisch-fressender Landsaurier – der Tyrannosaurus Rex. Er erschien erst kurz vor dem Ende der Gattung der Saurier – vor ungefähr 160 Millionen Jahren. Heute taucht er wieder auf der Bildfläche auf – als versteinertes Skelett am Rande der Norddeutschen Tiefebene, freigelegt aus meterdickem Gestein.

Dr. Klaus-Peter Lanser, Naturkundemuseum, Landschaftsverband Westfalen-Lippe:
Unser Fund hat sehr lange, sehr kräftige Zähne, die dolchartig seitlich komprimiert sind, die Spitzen sind säbelartig nach hinten gebogen und vorne und hinten besitzen diese Zähne eine Sägekante – also eindeutig das Gebiss eines Fleischfressers.

Der Fund ist für europäische Verhältnisse eine Sensation. Noch nie wurde in Norddeutschland ein fleischfressender Landsaurier gefunden. Und plötzlich tauchen Teile eines Schädels, der Rippen, der Wirbel und des Kiefers auf. Mit seinen 18 Zentimeter langen Schneidezähnen muß der Saurier ein schrecklicher Gegner für seine Beutetiere gewesen sein. Aber ob er überhaupt Beute gerissen hat, ist Spekulation. Manche Paläontologen meinen, die riesigen Tiere könnten nur Aasfresser gewesen sein.
Eine Reise in die Zeit der Saurier...Vieles, was man heute von Sauriern kennt -ihr Aussehen, ihren Organismus, ihre soziale Organisation - beruht auf der Interpretation des Wissens über das Leben ihrer heutigen Nachfahren, der Vögel und Echsen. Wirklich gesichertes Wissen gibt es kaum, denn außer Knochen, Abdrücken ihrer Haut oder ihrer Spuren ist nichts geblieben.
In Amerika liegen die Erdschichten des Jura an manchen Orten großflächig offen, so dass reiche Funde keine Seltenheit sind.
In Deutschland ist der Fund eines unbekannten Raubsauriers aber auch deshalb so erstaunlich, weil zu Zeiten der Saurier die Norddeutsche Tiefebene ein flaches Meer mit eingestreuten Inseln war. Deshalb vermuten die Wissenschaftler, er sei als Leiche in das nahe Meer gespült worden.

Dr. Klaus-Peter Lanser
Wir haben kein beieinanderliegendes Skelett, sondern das Skelett, wie es im Meer lag, ist wahrscheinlich von dem Wasser verdriftet worden. Wir finden also die einzelnen Skelettelemente jeweils in einer bestimmten Entfernung: das kann in 20 bis 30 cm, maximal einen Meter bis ein Meter fünfzig Entfernung liegen – und das versuchen wir dann als Block herauszuholen.

Die Reste des Sauriers sind so brüchig, dass sie vor Ort mit Folie überdeckt und mit Gips übergossen werden. Dieser Block wird dann bearbeitet. Das mürbe Gestein, in dem die Knochen eingebettet sind, wird in der Präparatorenwerkstatt vorsichtig entfernt, die einzelnen Teile mit Sekundenkleber gehärtet, bis man sie entnehmen und wieder zusammensetzen kann.

Dr. Klaus-Peter Lanser:
Wir haben kaum vergleichbare Funde, allein schon aufgrund der Größe der Knochen und seiner Zähne. Wir haben im Museum ein Allosaurierskelett, - der Allosaurus stammt aus dem oberen Jura aus Nordamerika - und die einzelnen Skelettelemente, die wir im Weser-Wiehengebirge geborgen haben, übertreffen diesen Raubsaurier aus Nordamerika deutlich an Größe.

Die Einordnung des Tieres wird noch lange dauern, denn es handelt sich um eine unbekannte Spezies. Aber aus dem Vergleich mit anderen Funden ergibt sich ein bisher fehlendes Glied in der Kette zwischen Allosaurus und dem berüchtigten Tyrannosaurus Rex. Vor 160 Millionen Jahren war der Urkontinent Pangäa zwar schon auseinandergebrochen, aber Inselketten könnten die auseinanderdriftenden Kontinente noch verbunden haben. Der norddeutsche Fund wirft ein neues Licht auf den Stammbaum der Saurier.

Dr. Klaus-Peter Lanser
Wir haben mehrere zusammengehörige Skelettelemente, und wie es jetzt ausschaut, haben wir durch die Fortsetzung der Grabung durchaus die Möglichkeit, weitere Reste des Tieres zu finden – aus einem Bereich, wo bisher nur sehr spärliche Reste von Dinosauriern aufgetaucht sind.

Die Fundstelle wird geheimgehalten, denn nachdem die natürlichen Feinde der Saurier ausgestorben sind, können ihnen eigentlich nur noch Fossiliensammler gefährlich werden.

 

  © 1999 ARTE G.E.I.E