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Ein
Saurier in Deutschland
Kontakt:
Dr. Klaus-Peter Lanser
Westfälisches Museum für Naturkunde
Sentruper Strasse 285
D - 48161 Münster
Tel.:(+49) 251-591-05
Fax: (+49) 251- 591- 6098
Saurier - 150 Millionen
Jahre lang waren sie die unbestrittenen Herrscher der Erde. Manche eroberten
die Lüfte, andere wuchsen bis zu gigantischen 40 Metern Körperlänge
und fraßen täglich fast eine halbe Tonne Grünzeug, um
ausgewachsen vielleicht 70 Tonnen auf die Waage zu bringen.
Die berühmteste
dieser Echsen war allerdings kein Vegetarier, sondern ein fleisch-fressender
Landsaurier der Tyrannosaurus Rex. Er erschien erst kurz vor dem
Ende der Gattung der Saurier vor ungefähr 160 Millionen Jahren.
Heute taucht er wieder auf der Bildfläche auf als versteinertes
Skelett am Rande der Norddeutschen Tiefebene, freigelegt aus meterdickem
Gestein.
Dr. Klaus-Peter Lanser, Naturkundemuseum, Landschaftsverband Westfalen-Lippe:
Unser Fund hat sehr lange, sehr kräftige Zähne, die dolchartig
seitlich komprimiert sind, die Spitzen sind säbelartig nach hinten
gebogen und vorne und hinten besitzen diese Zähne eine Sägekante
also eindeutig das Gebiss eines Fleischfressers.
Der Fund ist für europäische Verhältnisse eine Sensation.
Noch nie wurde in Norddeutschland ein fleischfressender Landsaurier gefunden.
Und plötzlich tauchen Teile eines Schädels, der Rippen, der
Wirbel und des Kiefers auf. Mit seinen 18 Zentimeter langen Schneidezähnen
muß der Saurier ein schrecklicher Gegner für seine Beutetiere
gewesen sein. Aber ob er überhaupt Beute gerissen hat, ist Spekulation.
Manche Paläontologen meinen, die riesigen Tiere könnten nur
Aasfresser gewesen sein.
Eine Reise in die Zeit der Saurier...Vieles, was man heute von Sauriern
kennt -ihr Aussehen, ihren Organismus, ihre soziale Organisation - beruht
auf der Interpretation des Wissens über das Leben ihrer heutigen
Nachfahren, der Vögel und Echsen. Wirklich gesichertes Wissen gibt
es kaum, denn außer Knochen, Abdrücken ihrer Haut oder ihrer
Spuren ist nichts geblieben.
In Amerika liegen die Erdschichten des Jura an manchen Orten großflächig
offen, so dass reiche Funde keine Seltenheit sind.
In Deutschland ist der Fund eines unbekannten Raubsauriers aber auch deshalb
so erstaunlich, weil zu Zeiten der Saurier die Norddeutsche Tiefebene
ein flaches Meer mit eingestreuten Inseln war. Deshalb vermuten die Wissenschaftler,
er sei als Leiche in das nahe Meer gespült worden.
Dr. Klaus-Peter Lanser
Wir haben kein beieinanderliegendes Skelett, sondern das Skelett, wie
es im Meer lag, ist wahrscheinlich von dem Wasser verdriftet worden. Wir
finden also die einzelnen Skelettelemente jeweils in einer bestimmten
Entfernung: das kann in 20 bis 30 cm, maximal einen Meter bis ein Meter
fünfzig Entfernung liegen und das versuchen wir dann als Block
herauszuholen.
Die Reste des Sauriers sind so brüchig, dass sie vor Ort mit Folie
überdeckt und mit Gips übergossen werden. Dieser Block wird
dann bearbeitet. Das mürbe Gestein, in dem die Knochen eingebettet
sind, wird in der Präparatorenwerkstatt vorsichtig entfernt, die
einzelnen Teile mit Sekundenkleber gehärtet, bis man sie entnehmen
und wieder zusammensetzen kann.
Dr. Klaus-Peter Lanser:
Wir haben kaum vergleichbare Funde, allein schon aufgrund der Größe
der Knochen und seiner Zähne. Wir haben im Museum ein Allosaurierskelett,
- der Allosaurus stammt aus dem oberen Jura aus Nordamerika - und die
einzelnen Skelettelemente, die wir im Weser-Wiehengebirge geborgen haben,
übertreffen diesen Raubsaurier aus Nordamerika deutlich an Größe.
Die Einordnung des Tieres wird noch lange dauern, denn es handelt sich
um eine unbekannte Spezies. Aber aus dem Vergleich mit anderen Funden
ergibt sich ein bisher fehlendes Glied in der Kette zwischen Allosaurus
und dem berüchtigten Tyrannosaurus Rex. Vor 160 Millionen Jahren
war der Urkontinent Pangäa zwar schon auseinandergebrochen, aber
Inselketten könnten die auseinanderdriftenden Kontinente noch verbunden
haben. Der norddeutsche Fund wirft ein neues Licht auf den Stammbaum der
Saurier.
Dr. Klaus-Peter Lanser
Wir haben mehrere zusammengehörige Skelettelemente, und wie es jetzt
ausschaut, haben wir durch die Fortsetzung der Grabung durchaus die Möglichkeit,
weitere Reste des Tieres zu finden aus einem Bereich, wo bisher
nur sehr spärliche Reste von Dinosauriern aufgetaucht sind.
Die Fundstelle wird geheimgehalten, denn nachdem die natürlichen
Feinde der Saurier ausgestorben sind, können ihnen eigentlich nur
noch Fossiliensammler gefährlich werden.
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