| Zurück | Diese Woche | Archiv | Diskussionsforum |
![]() |
01. August 2000 | |
![]() |
Das Vakuum
Kamil Fadel Im Jahre 1640 begreift man also, dass Luft etwas wiegt, und ungefähr 100 Jahre später - um 1740 - entdeckt Daniel Bernouilli, dass sie außerdem aus kleinen Körnchen besteht, aus winzigen Teilchen - den Molekülen. Und man erkennt auch, dass diese Moleküle nicht unbeweglich sind, sie zappeln unaufhörlich. Aus diesem Grund stoßen sie permanent aneinander, aber nicht nur das, sie prallen auch auf jeden Gegenstand, der sich ihnen in den Weg stellt. Dieses Stückchen Cellophan hier in meiner Hand wird in jeder Sekunde von Milliarden und Abermilliarden von Molekülen bombardiert. Das Blatt wird nur deshalb nicht nach dieser Seite weggedrückt, weil es auch aus der entgegengesetzten Richtung ständig mit Molekülen beschossen wird. Wenn ich hier die Luft aber wegnehmen, wird das Cellophan in diesem Bereich von deutlich weniger Molekülen attackiert als zuvor; auf der anderen Seite jedoch prallen noch genausoviele Teilchen dagegen. Darum wird das Blatt in diese Richtung ausgelenkt. Ich setzte nun die Pumpe in Gang; die Luft wird durch diese Öffnung hier abgesaugt. Wir entziehen dem zylindrischen Behälter, der mit einem Stück Cellophan abgedeckt ist, also die Luft. Nun treffen auf die untere Seite des Cellophans deutlich weniger Moleküle als auf seine Oberseite... Ich schalte die Pumpe ein. Das Cellophan wurde in den zylindrischen Behälter hineingezogen. Ich werde jetzt das gleiche Experiment noch einmal durchführen, nur mit dem Unterschied, dass ich nun dafür sorge, dass sich das Stück Cellophan nicht nach innen wölben kann. Dazu halte ich es ganz einfach fest. Es treffen wieder sehr viel mehr Moleküle auf die obere Seite des Blattes als auf seine Unterseite. Irgendwann kann es dem Druck nicht mehr standhalten und zerreißt. Nun kann die Luft von außen in den zylindrischen Behälter hineinströmen. Mit der eben erwähnten Hypothese von Daniel Bernouilli, nach der die Moleküle beweglich sind, permanent aufeinanderstoßen und auch gegen alle möglichen anderen Gegenstände prallen, läßt sich auch das Ballon-Experiment von Boyle erklären, das wir uns nun anschauen wollen. Ich habe hier einen elastischen Gummihandschuh. In diesem Handschuh befindet sich Luft, die aber nicht entweichen kann, da der Handschuh keine Löcher hat. Ich lege ihn nun unter eine Glasglocke, aus der ich mit Hilfe dieser Öffnung Luft absauge. Normalerweise stößt die Luft im Innern des Handschuhs gegen seine Innenseite und die Luft außen gegen seine Außenseite. Wenn nun aber außen weniger Luft vorhanden ist, wird der Handschuh dort auch von deutlich weniger Molekülen beschossen. Aus diesem Grund beginnt der Handschuh sich aufzublähen. Das ist gleichbedeutend mit der Aussage, dass innen ein höherer Druck herrscht als außen. Ich stelle die Pumpe nun ab und lasse ein ganz klein wenig Luft in die Glocke. Diese Luft läßt den äußeren Druck auf den Handschuh wieder ansteigen, so dass er nach und nach zusammenschrumpft und seine ursprüngliche Form zurückgewinnt. Einige Jahre nach der Erfindung
der Vakuumpumpe - oder der pneumatischen Maschine, wie sie damals genannt
wurde - startet ihr geistiger Vater Otto von Guericke 1654 ein weiteres
Experiment, das unter der Bezeichnung "Magdeburger Halbkugeln"
große Berühmtheit erlangen sollte. Wir wollen dieses Experiment
nun ebenfalls durchführen, allerdings im verkleinerten Maßstab.
Ich habe hier zwei Halbkugeln. Wir haben eine ganze Reihe von Experimenten aus dem 17. Jahrhundert gesehen, mit denen wir unterstreichen konnten, dass - entgegen der allgemeinen Lehre - die Natur nicht vor dem Vakuum zurückschreckt. Heute weiß man, dass im Vakuum eine ganze Menge passieren kann. Und tatsächlich ist erwiesen, dass ein solches Milieu ständig in Bewegung ist, und dass dort unaufhörlich Materie-, das heißt Energiepartikel auftauchen und wieder verschwinden. Man weiß also, das Vakuum ist kein Nichts. |
| © 1999 ARTE G.E.I.E |