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01. August 2000 |
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Porträt: André Nel "Mein Name ist André Nel, ich bin Paleoentomologe im Nationalen Naturgeschichtlichen Museum von Paris." "Ein Paleoentomologe
beschäftigt sich mit fossilen Insekten. Das Studium fossiler Insekten mag ein wenig kindisch erscheinen, schließlich handelt es sich um sehr kleine, nicht besonders interessante Tiere. Aber tatsächlich stellen Insekten 80% der Artenvielfalt dar, das heißt 80% der Organismen, die heutzutage auf der Erde existieren, sind Insekten. Und das war im Karbonzeitalter - also vor 300 Millionen Jahren - auch schon so. Die Insekten außer acht zu lassen, würde demnach bedeuten, 80% der paläontologischen Informationen zu vernachlässigen.! Die geschichtliche Entwicklung
der Insekten und Wirbeltiere verläuft parallel, und zwar in dem Sinne,
dass sie ungefähr zur gleichen Zeit im Devon auftauchten und dann
im Laufe der Evolution ihre jeweiligen Arten hervorbrachten. In der Zeit
der Dinosaurier sahen die Wirbeltiere gänzlich anders aus als heute,
aber die ersten Insekten gehörten teilweise schon Artenfamilien oder
sogar Gattungen an, wie sie heutzutage existieren. Man würde sich
beim Anblick einer 10 Millionen Jahre alten Libelle nicht wie auf einem
anderen Stern fühlen; begegnete man hier in Frankreich aber einem
der hüpfenden Säugetiere aus jener Zeit, wäre man schon
etwas irritiert. Fossile Insekten finden sich entweder in Bernstein -
eingeschlossen in uralten, versteinerten Harzen - in sandigen Ablagerungen,
die ehemals mit Wasser bedeckt waren, aber auch in Kalk- oder Tongestein.
Der große Vorteil ist, dass man in solchen Fossiliengruben Hunderte,
ja sogar Tausende verschiedener Arten Insekten entdecken kann. Das kommt
sehr häufig vor, und außerdem sind die Fossilien oft in einem
ausgezeichneten Zustand, anders als bei den Wirbel- oder Säugetieren
und versteinerten Dinosauriern, von denen oft nur Knochenteile, der Kiefer
und die Zähne übrigbleiben. Nur sehr selten - eigentlich fast
nie - entdeckt man Häute, Teile des Fells oder Federn. Allgemein
wird angenommen, dass es nur sehr wenige Fossiliengruben gibt, aber das
stimmt nicht, in Wirklichkeit sind solche Fundstätten weit verbreitet.
Man muss sie einfach nur entdecken. In Frankreich könnte ich Ihnen
ungefähr 50 Orte nennen, an denen man fossile Insekten finden kann,
und zwar in großer Zahl. Und
dabei ist Frankreich ein kleines Land. Fünfzig solcher Fossiliengruben
sind für seine Größe recht beachtlich. Aber in anderen
Regionen der Welt wie beispielsweise in Sibirien oder Nordamerika gibt
es Hunderte von Orten, an denen man fossile Insekten entdecken kann. Diese
Fundstätten sind oft sehr ergiebig, weil dort bisher eigentlich niemand
an Ausgrabungsarbeiten interessiert war. In der nächsten Woche, am 9. November, trifft sich Archimedes noch einmal mit André Nel, dieses Mal vor Ort, um sich auf die Suche nach in Bernstein eingeschlossenen fossilen Insekten zu machen. |
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