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Archimède

 09. November 1999

 

Buchtip: Odyssee der Menschheit

André Nel
La plus belle histoire de l'Homme von André Langaney, Jean Clottes und Jean Guilaine ist eine Zusammenfassung von Gesprächen mit Dominique Simonnet. Ich fand dieses Buch äußerst interessant, weil es in direkter Verbindung zu dem steht, was mich als Paläontologe bewegt. Es beginnt dort, wo ich mit meiner eigenen Forschung aufhöre, nämlich vor drei Millionen Jahren. Dieses mutige und auf Genauigkeit bedachte Werk beschäftigt sich mit dem problematischen Thema der Menschheitsgeschichte und greift dabei auf die allerneuesten Ergebnisse der Paläontologie, der urgeschichtlichen Forschung und der Molekularbiologie zurück. Dieses Buch ist sozusagen das I-Tüpfelchen auf die Problematik der Rassenlehre, denn es erbringt den Beweis der Nichtexistenz menschlicher Rassen. Der Begriff "menschliche Rasse" ergibt keinen Sinn, er bedeutet nichts. In diesem Sinne handelt es sich also um ein tiefgreifend humanistisches Werk.
Außerdem liefert es neue Hypothesen und Theorien hinsichtlich der Interpretation von Höhlenmalereien und beschäftigt sich mit dem Auftauchen von Religion und Kunst vor 15.000 bis 17.000 oder 18.000 Jahren. Ganz besonders interessant fand ich die Interpretation der Revolution im Neolithikum, in deren Verlauf die Landwirtschaft entstanden ist, die ja bedeutende Konsequenzen für den Menschen hatte. Dank ihrer war er in der Lage, den Planeten zu besiedeln, ihn zu zähmen und menschlicher zu machen. Das zog aber auch sehr unerfreuliche Dinge nach sich wie Kriege, menschliche Auseinandersetzungen, Privateigentum und die Ausbeutung und Zerstörung der Umwelt.
Die Autoren machen unmissverständlich deutlich, dass wir uns derzeit noch immer in dieser neolithischen Revolution befinden, das heißt, unsere Art zu denken hat sich seit fünf-, sechs- oder siebentausend Jahren nicht wesentlich verändert.
Ich persönlich stimme ihnen voll und ganz zu, wenn sie in ihrem Werk La plus belle histoire de l'Homme behaupten, der Mensch müsse dringend seine Gewohnheiten und Denkweisen ändern, er müsse sich weiterentwickeln und
eine neue - in Anführungszeichen - "postneolithische Revolution" in Gang setzen, um der Zerstörung seines Planeten Einhalt zu gebieten.

"La plus belle histoire de l'Homme" ist in Frankreich bei Seuil erschienen, die deutsche Übersetzung wird in Kürze im Lübbe-Verlag erhältlich sein.

  © 1999 ARTE G.E.I.E