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23. November 1999 |
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Kampf dem Bücherzerfall! Seit Jahrhunderten haben Archive und Bibliotheken die Aufgabe, Wissen und Informationen zu sammeln und für die Nachwelt zu erhalten. Aber das kulturelle Erbe der Menschheit ist in Gefahr: Immer mehr überlieferte Schriften sind vom Verfall bedroht. Papier hat sich über mehrere
hundert Jahre als zuverlässiger Datenträger durchgesetzt. Und
trotzdem zerfallen die Druckerzeugnisse, besonders die, die in den letzten
150 Jahren in maschineller Produktionsweise hergestellt worden sind. Dr. Wächter: Papiererhaltung ist Handarbeit an Einzelobjekten. Buch für Buch, Seite für Seite lassen sich beschädigte Schriften nur mühsam wiederherstellen. Das kostet Zeit - zu viel Zeit. Bis ein Buch wiederhergestellt ist, sind zehn andere unrettbar zerfallen. Dr. Wächter: Es sind vor allem Mikroorganismen, die die Substanz der Bücher zerstören. Um dem Bakterienbefall zuvorzukommen, wurde in Leipzig vor fünf Jahren die erste deutsche Massenentsäuerungsanlage in Betrieb genommen. Konservatoren wie Joachim Liers schaffen es immerhin 200.000 Bücher pro Jahr in der Behandlungskammer zu entsäuern. Die Massenentsäuerung ist ein präventives Verfahren. Durch die Tränkung in einer Chemikalie wird die Altersbeständigkeit der Papiere verbessert, der saure Zerfall maschinell gebundener Bücher wird gestoppt. Dr. Liers: Sind Bücher erst einmal durch Säure, Tintenfraß oder Schimmel geschädigt, müssen sie auseindergenommen und seitenweise behandelt werden. Mit Hilfe der sogenannten Papierspaltung lassen sich beschädigte Papiere, Blatt für Blatt, weitgehend konservieren und teilweise wiederherstellen. Dr. Wächter: Dabei wird das zu spaltende Dokument beidseitig mit klebenden Trägerpapieren beschichtet, dann wird das Sandwich gepresst, damit das Bindemittel von beiden Seiten eindringen kann. Ist der Kleber trocken werden die Papiere langsam auseinander gezogen. Vorder- und Rückseite des Dokuments bleiben unbeschädigt an je einem Papier haften. Dr. Wächter: Papiere können so in ihrer Original-Erscheinungsform erhalten werden. Am Ende wird zwischen die gespaltenen Blätter von Innen ein hauchdünnes, mit Klebstoff versehenes Blatt eingefügt. Dabei nimmt jedes Blatt geringfügig an Volumen zu. Die Methode ist nicht unumstritten, es gibt Zweifel an der Dauerhaftigkeit und noch weiß niemand genau, ob sich nicht Pilze und Bakterien schon nach ein paar Jahren wieder in den entsäuerten Fasern festsetzen. Die Leipziger Restauratoren arbeiten gemeinsam mit Mikrobiologen aus Stuttgart an einer neuen Methode. Mittels der Plasmatechnologie, also ionisierten Gasen, lassen sich vom Schimmel befallene Flächen wieder reinigen, Keime werden dabei zu fast hundert Prozent zerstört. Behandlungsdauer einer Seite: 3 Stunden. Dr. Liers: Ein aussichtsloser Wettlauf mit der Zeit: Allein in der Deutschen Bücherei in Leipzig liegen 10 Millionen Bücher. Dr. Wächter: Zur Zeit können die Bestände nur durch Verfilmung, Digitalisierung oder Verpackung bewahrt werden. Die Rettung aller Sammlungen ist eine Illusion. |
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