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Seepferdchen
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Wenn Männer schwanger werden.
Seepferdchen weichen nicht
nur in ihrer Form von anderen Fischen ab. Auch ihre Fortpflanzungsrituale
sind außergewöhnlich. In dieser Hinsicht sind sie die emanzipiertesten
Tiere, die es gibt.
Denn nicht das Weibchen geht
schwanger, sondern der Mann. Im Vergleich zu anderen Fischen haben die
Stachelseepferdchen aus dem Indopazifik bei der Paarung einen innigen
Kontakt. Denn sobald der Mann die Frau entdeckt hat, färbt sich sein
Kopf dunkel. Diese Färbung tritt nur bei der Balz auf - und dafür
nehmen sich die Tiere mehrere Stunden Zeit. Seepferdchen sind außerdem
nicht so friedliebend wie es scheint: Wenn zwei Männchen um eine
Frau streiten, kann es schon mal zu einer Rauferei kommen.
Johann Kirchhauser, Naturkundemuseum
Karlsruhe:
Bei den Seepferdchen müssen sich wie überall die Geschlechtspartner
erst einmal finden. Wenn also ein Männchen auf ein Weibchen stößt,
das interessant für ihn ist, balzt er und wenn er Glück hat,
interessiert sich das Weibchen für ihn. Sie verfestigen ihre Partnerschaft
durch richtige Rituale, die im Optimalfall dazu führen, dass das
Weibchen die Eier in den Brutbeutel des Männchen ablegt. Die Kloake
des Weibchens wird dabei zu einem Konus, der genau in die Öffnung
des Brutbeutels eingepasst wird, so dass möglichst kein Ei verloren
geht. Das Männchen nimmt die Eier auf, befruchtet die Eier im Brutbeutel
und trägt dann wie in einer Schwangerschaft diese Eier aus. Sie werden
in dieser Zeit von einem speziellen Gewebe mit Sauerstoff versorgt.
Nach ca. 10 Tagen schlüpfen die jungen Seepferdchen, bleiben aber
zunächst noch im Brutbeutel. Sie werden weiterhin vom Männchen
versorgt, auch mit Sauerstoff. Das Meerwasser wäre in der Situation
noch zu aggressiv für die jungen Seepferdchen. Nach einer Gesamttragezeit
von ca. zwei Wochen werden die Jungtiere unter wehenartigen Krämpfen
an das Meerwasser abgegeben und sind ab diesem Zeitpunkt ganz auf sich
selbst gestellt.
Die Seepferdchen können
bis zu sechs Jahren alt werden und je nach Art eine Größe von
zwei bis zwanzig Zentimetern erreichen. Die Fortpflanzungszeit dauert
bei tropischen Arten sieben Monate. Während dieser Zeit wird das
Männchen mehrere Male schwanger und gebiert zwischen 300 und 1000
Jungtiere. Weltweit sind
insgesamt 35 verschiedene Seepferdchenarten bekannt, zwei davon leben
im Mittelmeer, das langschnäuzige und das kurzschnäuzige Seepferdchen.
Trotz der weiten Verbreitung
sind alle Arten in ihren Lebensräumen bedroht.
Johann Kirchhauser:
Die Bedrohung hat vielerlei Gestalt. Eine große Rolle spielt die
Biotopzerstörung . Die Seegraswiesen, die eigentliche Heimat unserer
Seepferdchen, gehen immer mehr zurück. Hier sind wohl Umweltverschmutzungen
die Ursache. Andererseits werden Seepferdchen auch für Tourismuszwecke
getrocknet und für Aquaristikzwecke gefangen. Die große Bedrohung
geht aber momentan von der chinesischen Medizin aus. Zur Herstellung zweifelhafter
potenzsteigernder Mittel werden in sehr großen Mengen Seepferdchen
gefangen, getrocknet und zu Mehl verarbeitet.
Seepferdchen sind sehr
langsame Schwimmer und daher für den Menschen eine leichte Beute.
Wenn sie sich für einen Wohnort entschieden haben, bleiben sie dort
ihr ganzes Leben. Und hat sich ein Seepferdchenpaar gefunden, wechselt
es auch den Partner nicht mehr. Sie bleiben sich lebenslang treu.
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