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Archimède 21. Dezember 1999
 

Zaubertrank

Juliette Honnorat:
Ich wüsste gern, was bei Asterix und Obelix in dem Zaubertrank enthalten ist.
Denn in dem Film, den ich gesehen habe, lief Asterix nach dem Trank ganz grün an und konnte unheimlich hoch springen. Das fand ich sehr komisch, und würde gerne selber so was herstellen, nur so aus Spaß, um die Leute zu verblüffen.

Jean Jacques:
Was stellst du dir denn unter einem Zaubertrank vor?

Juliette:
Zauber ist etwas Ungewöhnliches, man kann ihn nicht sehen, man kann ihn nicht essen...

Jean Jacques:
Und was ist ein Trank?

Juliette:
Na ja, ein Getränk, das Kräuter und alles mögliche enthält, wie ein Aufguss, wenn man krank ist; und danach fühlt man sich dann besser.

Jean Jacques:
Kennst du den Unterschied zwischen einem Medikament und einem Trank?

Juliette:
Erstens ist es schon mal nicht das gleiche Wort, und wenn ich in eine Apotheke gehe, habe ich noch nie das Wort "Trank" gesehen...

Jean Jacques:
In Wirklichkeit gibt es keinen großen Unterschied zwischen einem Trank und einem Medikament. Denn wenn du eine Grippe hast und ein Medikament nimmst, ist das für dich nicht auch ein Zaubertrank?

Juliette:
Aber in dem Film ist die Wirkung ganz anders als bei mir. Ich kann nicht einfach an die Decke springen, und außerdem schmeckt der Trank bestimmt anders.

Jean Jacques:
Diese Geschichte von Asterix, der zum Kraftprotz wird, obwohl er ein Winzling ist...
glaubst du nicht, da steckt Doping dahinter?

Juliette:
Ja... vielleicht. Man trinkt etwas, gerade mal einen Schluck und - zack - ist man unbesiegbar!

Jean Jacques:
Richtig. Und warum soll man sich nicht dopen?

Juliette:
Ich glaube, ich habe im Radio oder im Fernsehen gehört, dass Doping krank macht, weil es nicht gut ist für unseren Organismus.

Jean Jacques:
Anders gesagt, ein Zaubertrank kann sich sehr leicht als Gift erweisen. Warum wird er zum Gift? Hast du eine Idee? Was ist ein Gift?

Juliette:
Ein Gift, das trinkt man, oder man berührt es und dann kriegt man Kopfschmerzen, sieht alles doppelt oder
man verliert den Tastsinn, man ist nicht mehr der gleiche wie vorher.

Jean Jacques:
Richtig. W
arum kann nun das gleiche Medikament, der gleiche Trank, entweder wohltuend oder schädlich sein. Hast du eine Idee?

Juliette:
Nein!

Jean Jacques:
Du weißt, dass ein Gläschen guter Wein eher wohltut...a
ls ein schlechter. Aber im Übermaß genossen tut er nicht gut. Das heißt, es hängt von den Mengen ab, die man zu sich nimmt, ob etwas Wohltuendes sich in etwas Schädliches verwandelt. Alle Übertreibungen können zum Tod führen. Wenn ein Mensch mit Bluthochdruck zuviel Salzhaltiges ißt, kann er daran sterben! Mit anderen Worten, Salz kann ein Gift sein. Es ist eine Frage der Dosis.

Juliette:
Ja. Wenn alle Autos gleichzeitig losfahren, gibt es auf einen Schlag hohe Luftverschmutzung, und das Atmen fällt schwer. Wenn sich die Autos dagegen nach und nach in Bewegung setzen und immer mal anhalten, geht es besser.

Jean Jacques:
Gut, das hast du prima verstanden. Alles ist also eine Frage der Menge, der Dosierung. Vor einigen Jahren wurde folgendes berichtet: Man hatte einen chemischen Stoff, das sogenannte Benzol, im Wasser der Marke Perrier gefunden, aber es waren dermaßen geringe Mengen, dass nur Chemiker sie nachweisen konnten. Und alle hatten plötzlich Angst und fingen an zu zittern.

Juliette:
Aber wenn man den Zaubertrank trinkt, weiß man nicht genau, wann es zuviel ist.

Jean Jacques:
Da liegt das ganze Problem. Wenn wir den Zaubertrank einmal außer acht lassen, hängt die für ein Lebewesen tödliche Giftmenge ganz allgemein eng mit dem Gewicht des Lebewesens zusammen. Du reagierst zum Beispiel stärker auf Alkohol als ich. Die Giftmenge für ein Baby, für einen Erwachsenen oder für einen Elefanten fällt ganz unterschiedlich aus, und deshalb musste man sehr präzise Experimente machen, um die richtige Dosis für Medikamente herauszufinden, zuerst an Tieren und dann an den Menschen.

Juliette:
Ja, an Affen zum Beispiel...Also ich finde das ziemlich abscheulich, vor allem, weil man die Tiere nicht gefragt hat. Wenn man zum Beispiel Pferde in den Krieg schickt und irgendeiner schlecht zielt und das Pferd trifft, das ist doch abscheulich...

Jean Jacques:
Ja, aber glaubst du, man hat die Menschen gefragt? Ich mache mir mehr Sorgen um die Männer als um die Pferde, die man in den Krieg schickt.
Ich weiß nicht, ob du eine andere Methode kennst, aber ich glaube nicht, dass man Tierexperimente vermeiden kann. Übrigens zu deiner Beruhigung: Im allgemeinen macht man zunächst Experimente mit kleinen Tieren, die nur sehr weitläufig mit den Menschen verwandt sind. Man nimmt immerhin keine Tiere, mit denen wir vertraut sind.
Glaubst du übrigens wirklich an den Zaubertrank?

Juliette:
Nein, aber wenn es ihn gibt, würde ich immer wissen wollen, was drin ist...

 

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