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Die Raum-Zeit-Falle
Eines Nachts in unruhigem
Schlaf träumte Professor Archipi von der Welt der Zukunft:
Im Jahre des Herrn 2999 wollte
Ingenieur Archibald einige Sektflaschen aus seiner Untertassengarage mit
eingebauter Zeitmaschine holen. Die Flaschen waren wertvoll: sie waren
von Generation zu Generation weitergegeben worden - seit dem Ende des
vorangegangenen Millenniums!
In der Garage beschloss er, seine Maschine noch vor dem Silvesterfestessen
auszuprobieren. Er stellte sie auf einen Besuch bei seinem fernen Großvater
ein: Professor Archipi.
Ein solcher Ausflug war machbar. Hunderte von Jahren hindurch hatten die
Logiker geglaubt, Zeitreisen seien unmöglich; sie stützten sich
dabei auf die Theorie des Mordes am Großvater: Wenn ein Zeitreisender
seinen Großvater tötet, bevor dieser Kinder hatte, folgerten
sie, könnte er in der Zukunft nicht existieren und deshalb nicht
in seine eigene Zeit zurückkehren... Die Zeitreise führte zu
unüberwindlichen Paradoxien.
Aber die Physiker hatten bewiesen, dass es einen Bruch in dieser streng
logischen Argumentation gab: Wenn es auch unmöglich war, dass Archibald
durch die Zeit reiste, so konnte er sich doch zurückversetzen, um
in einer Reinkarnation Archipi zu werden. Das heißt mit anderen
Worten, man konnte die Vergangenheit nicht ändern, konnte weder seinen
Großvater töten, noch das Schlagen eines Schmetterlingsflügels
beeinflussen, aber durchaus einen Zeitsprung tun und sich in seinen Großvater
verwandeln.
Mit seiner Rückkehr ins Jahr 1999 verwandelte sich Archibald also
in seinen Vater der Potenz n: seinen Vorfahren Professor Archipi.
Es fügte sich, dass Archipi gerade eine Maschine für Reisen
in die Zukunft gebaut hatte. Nachdem er das Nichtereignis des Übergangs
von 1999 auf 2000 überstanden hatte, überließ er seinen
Erben einen großen Posten Sekt mit der Weisung, ihn nicht vor dem
Jahr 3000 zu trinken, und machte sich auf, um die Zukunft zu erforschen.
Archipi verwandelte sich mit Lichtgeschwindigkeit in seine Kinder, dann
in die Kinder seiner eigenen Kinder und so weiter über ungefähr
40 Generationen. Und 2999, am Abend des Silvesterfestessens, war er zu
Archibald geworden.
Die Zukunftszeitmaschine kam mit einem räumlich-zeitlichen Knirschen
zum Stehen, und die Zeit schaltete auf Normallauf, ebenso wie das Denken
Archibalds, der sein Leben wieder aufnahm, als ob nichts geschehen wäre.
Und ihm kam nun die Idee, den von seinen Vorfahren ererbten Sekt aus der
Garage zu holen. Bevor er die Flaschen köpfte, sah er seine Zeitreisemaschine.
Da ihm nicht bewusst war, dass er sie bereits ausprobiert hatte, stellte
er sie erneut ein, um Professor Archipi zu werden, der wieder zu Archibald
wurde, und so weiter ohne Ende.
Archibald, der Gefangene der Zeit-Raum-Falle, kam also nie dazu, seinen
Sekt zu trinken.
Professor Archipi erwachte jäh: die Aufregung war zu groß gewesen.
Aber sein Alptraum hatte sich als nützlich erwiesen: Er hatte die
Gefahren von Zeitreisen erkannt. Deshalb beschloss er, seine Forschungen
über Zeitmaschinen abzubrechen. Selbst wenn man nur einen winzigen
Schritt zurück in die Zeit tut, folgerte Archipi, landet man in einer
teuflischen Falle, denn anschließend geht es ein Stück nach
vorn, mit oder ohne Maschine, und dann erneut zurück in die Zeit
- eine Endlosschleife.
So will es der Determinismus. Die Zeit bleibt in diesen kleinen räumlichen
Fallen stecken, und die Zeit des Physikers wie die des Poeten hält
sich in der Schwebe.
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