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Buchtipp:
Tausendundeine Nacht
André Langaney (Genetiker):
Ich muss sagen, dass ich sehr überrascht war, als ich Philippe Boulangers
Buch Tausendundeine Nacht der Wissenschaft erhielt. Da schreibt
der hochseriöse Direktor eines der beiden großen französischen
Wissenschaftsmagazine ein Buch mit dem Titel Tausendundeine Nacht der
Wissenschaft. Man sieht Turbanträger auf dem Umschlag und taucht
von Anfang an ein in die Welt des Schahsaman, der Scheherezade, der Dschinns
und all der Figuren aus Tausendundeiner Nacht.
Aber im Verlauf dieser tausendundeinen bzw. hier nur fünfzigundeinen
Nacht lesen wir jeweils eine kurze Geschichte zu Themen, die von den Fraktalen
über die Relativitätstheorie oder den Ursprung der Vögel
bis zu vielen anderen Dingen reichen. Auf einfache Weise wird jeweils
ein wissenschaftliches Problem vorgestellt, alles liest sich vergnüglich.
Gemäß der Spezialität Philippe Boulangers sind hier und
da sogar einige Schüttelreime eingestreut, und ich gestehe, dass
ich sie nicht alle verstanden habe.
Aber es gibt auch sehr verlockende
Kapitel. In der zehnten Nacht zum Beispiel erfahren Sie etwas über
die Launen der Liebe. Es wird berichtet, dass Prinz Zekador Prächtige
Seele liebt, die ihrerseits Abdul liebt, während Abdul wiederum die
schöne Rimamur liebt, und Rimamur natürlich Zekador verführen
will. Es geht um lauter enttäuschte Liebesbeziehungen. Ein naiver
Mensch sagt sich, das könnte gelöst werden, wenn die Liebe eine
mathematische Eigenschaft besäße, nämlich Transitivität.
Aber leider verhalten sich Liebesbeziehungen nicht transitiv, und wir
erfahren auch, warum das so ist.
Wenn nicht Liebe sondern Sex Sie interessiert, empfehle ich Ihnen von
Herzen die 11. Nacht: Macht Affen, nicht Krieg! In dieser 11. Nacht
geht es um meine Lieblingsaffen, die Bonobos, die man auch Zwergschimpansen
nennt und die an einer Schleife des Kongoflusses leben. Es gibt nicht
mehr viele. Sie haben die Eigenschaft, all ihre Konflikte durch sexuelle
Beziehungen beizulegen, Beziehungen zwischen Männchen, zwischen Weibchen
oder zwischen Männchen und Weibchen. Wenn zwei Bonobos sich um Nahrung
streiten, zum Beispiel um Bananen, dann haben sie, bevor es an die Bananen
geht, einen kurzen Geschlechtskontakt, und wer sich am schnellsten davon
erholt, stürzt sich auf die Bananen und verputzt sie. Das wird berichtet
und auch - das sei nur am Rande erwähnt - die pikante Einzelheit,
dass die Bonobos es auf bis zu 84mal am Tag bringen - eine Meisterleistung,
geschmälert nur durch die Tatsache, dass es selten länger als
7 Sekunden dauert.
Ich will Ihnen damit sagen, dass man aus diesem Buch ungeheuer viel lernt.
Es ist ein sehr heiteres Buch, und ich empfehle es allen, die selbst im
Schlaf noch ein wenig von Wissenschaft träumen wollen, denn Wissenschaft
kann auch zum Träumen bringen und Vergnügen bereiten.
Das Buch ist bei den Editions Belin unter dem Titel Les mille et une
nuits de la science erschienen.
Eine deutsche Übersetzung unter dem Titel 1001 Nacht - Scheherezade
erzählt Geschichten aus der Wissenschaft ist im Verlag Birkhäuser
erschienen.
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