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Archimède

04. Januar 2000


Links und Adressen zum Thema:

ING (Institut Géographique National)
136 bis, rue de Grenelle
Paris
Frankreich
http://www.ign.fr

 

Kartografie

Die einzelnen Schritte bei der Herstellung einer Karte beim französischen kartographischen Institut IGN: Geometer und Topographen bei der Arbeit

C. Grateau:
"Wie stellt man eine Grundkarte her? Bei einer Grundkarte wird das Gelände möglichst detailliert erfasst. Bisher wurden erst wenige Grundkarten von Frankreich angelegt. Eine davon entstand im 18. Jahrhundert, die Cassini-Karte, dann eine im 19. Jahrhundert, die Generalstabskarte, und im 20. Jahrhundert entwickelte man innerhalb von 80 Jahren eine dritte, die sogenannte Série bleue mit Karten im Maßstab 1:25.000 und den Touristikkarten TOP25.

Sehen wir uns einmal an, wie man so etwas macht. Bei den ersten beiden Karten mussten noch alle Geländedaten vor Ort mit dem Messtisch aufgenommen werden.
Als man zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Frankreich mit der dritten Karte begann, der im Maßstab 1:25.000, ging die Arbeit nicht recht voran. Dann kam es zu einer echten Revolution. Nachdem man über 200 Jahre lang alle Geländedaten vor Ort erfasst hatte, entdeckte man nun das Luftbild als Grundlage für die Kartenherstellung.
Um das Gelände anhand von Luftbildern rekonstruieren zu können, benötigt man eine Reihe von Luftaufnahmen desselben Abschnitts. Das Bildflugzeug überfliegt einen Geländestreifen und macht mehrere sich überschneidende Aufnahmen. Die Bilder überlappen einander.

Sobald die Luftaufnahmen erfolgt sind, müssen die Bilder vor ihrer Auswertung im kartografischen Atelier vermessungstechnisch aufbereitet werden. Diese Aufgabe erledigen spezialisierte Vermessungsingenieure. Man bezeichnet diese Phase als Stereoverarbeitung. Die Aufgabe der Ingenieure besteht darin, auf den Bildern sichtbare Details ausfindig zu machen und die genaue Position dieser Punkte zu bestimmen. Dies muss für mehrere Punkte im Überschneidungsgebiet der Fotos durchgeführt werden. Dadurch lässt sich ein System von Gleichungen lösen, mit dessen Hilfe die genaue Position der ersten und zweiten Aufnahme bestimmt werden kann. Jedesmal, wenn ein Haus oder ein Fluss vermessen wird, wird anhand des Überschneidungsbereichs zwischen erstem und zweitem Foto eine x-, y- oder z- Koordinate des Geländes festgelegt.

François Boldo:
Unser Ziel ist es, die genaue Position des Flugzeugs bei der Aufnahme zu bestimmen. Wir kennen nicht die genaue Flughöhe des Flugzeugs und wissen nicht, ob es davon abgewichen ist. Manchmal kommt es zu geringen Abweichungen und Höhenveränderungen, deshalb wollen wir herausfinden, wo sich die Aufnahmekammer zum Zeitpunkt des Fotos befand. Dazu bestimmen wir einen bestimmten Winkel, den man auf den Fotos sehr gut erkennen kann. Durch die Betrachtung mit dem Stereoskop konnte ich die Bilder dreidimensional und in einer gewissen Vergrößerung sehen. Mit dem Stereoskop betrachte ich also alle Punkte in diesem Gebiet.

Hier haben wir einen ganz typischen Punkt mit einem kleinen, durch seinen Schatten gebildeten Kontrast. Man erkennt diesen Winkel ausgesprochen gut. Er ist auf den Fotos sehr gut getroffen und entspricht im Gelände einem Punkt von einem Zentimeter. Mit einem GPS lässt er sich genau bestimmen. Dadurch können wir später den Maßstab der Fotos ermitteln.

Während das Flugzeug fliegt und die Aufnahmen macht, steigt und sinkt es zwischendurch immer wieder und unterliegt somit gewissen Schwankungen. Deshalb wollen wir seine genaue Position im Raum im Moment der Aufnahme ermitteln. Zuvor haben wir einen Punkt in der Höhe festgelegt, der uns genauen Aufschluss über die Position in dieser Richtung gibt. Indem wir planimetrische Punkte mit genauen Koordinaten setzen, können wir feststellen, in welcher Höhe sich das Flugzeug befand, ob es gerade stieg oder sank. Anschließend werden alle mit den Geräten beobachteten Punkte eingezeichnet. Sie werden miteinander verbunden und dann noch einmal betrachtet. Unser Ziel ist es immer, die genauen Koordinaten eines Punktes herauszufinden, den man auf den Fotos sehr gut erkennt. Zu diesem Zweck müssen wir wissen, wo sich das Flugzeug befand.

So sieht das Ergebnis aus. Wir haben planimetrische Punkte in Rot eingezeichnet. Von denen in Schwarz eingezeichneten altimetrischen Punkten kennen wir nur die Höhe.
Die Linien zeigen die Position der Fotos an. Wie wir sehen, haben wir für alle Bilder eine Reihe von planimetrischen und altimetrischen Punkten ermittelt, die eine Lokalisation des Flugzeugs in dem Gebiet ermöglichen, in dem wir die Punkte bestimmt haben. Wir haben schon viel herausgefunden, das gesamte Meeresufer ist mit altimetrischen und planimetrischen Punkten gespickt, die wir heute ermittelt haben. Wir überarbeiten die Fotografien und gleichen sie den Landschaftsverhältnissen an, um später das Gebiet rekonstruieren zu können, in dem die Aufnahmen gemacht wurden.

C. Grateau:
Nachdem die die Bilder vermessungstechnisch überarbeitet wurden, kann die fotogrammetrische Rekonstruktion im kartografischen Atelier beginnen.

Denis Dourdou:
Ich bin Mitglied einer Herstellungsabteilung am "Institut Géographie National". Uns werden Luftbilder zur Verfügung gestellt, die so überarbeitet wurden, dass das Relief einer Landschaft rekonstruiert werden kann. Diese Fotos werden hier auf einem speziellen Bildschirm betrachtet, an dem sich mit zwei verschiedenen Winkeln das Geländerelief nachbilden lässt und eine Bewegung in den drei Richtungen des Koordinatenkreuzes möglich ist.
Man kann sich in dem Bild also sehr präzise bewegen. Zur Nachbildung des Reliefs setzen wir polarisierende Brillen auf. Neben diesem Schirm besitzen wir auch einen Kontrollschirm, auf dem alle Objekte, die wir für die topografische Datenbank des Geographischen Instituts erfassen, kontrolliert werden können. Ich wähle zum Beispiel aus der Liste der Einteilungen den Bereich "Straßenabschnitt" aus. Ich positioniere den Cursor auf der Achse des Straßenabschnitts und zeichne entlang der Straßenachse alle für die Geometrie der Straße entscheidenden Punkte nach. Dann bestätige ich und kann auf meinem Kontrollschirm sehen, wie das Objekt sofort erfasst wird. Außer Straßen erfassen wir auch Gebäude. Dazu haben wir die Einteilung "beliebige Gebäude". Ich erfasse ich an jeder Ecke des Hauses einen Punkt, bestätige, und das Element erscheint direkt auf dem Kontrollschirm, also auch in der später verwendeten Datenbank. Man kennt die x-, y- und z-Koordinaten genau, sie werden für jeden Punkt hier angezeigt. Unsere Aufgabe besteht also darin, alle verwertbaren Details der Fotografie zu rekonstruieren.

C. Grateau:
Vor der Erfindung der Fotogrammetrie wurden Karten folgendermaßen hergestellt: Alle Geländedaten wurden vor Ort aufgenommen.
Dann wurde daraus im kartografischen Atelier eine Karte angefertigt.

Seit der Erfindung der Fotogrammetrie gibt es vier Arbeitsschritte: Zunächst werden mit einem Bildflugzeug Luftaufnahmen vom Gelände gemacht. Dann müssen auf dem Foto sichtbare markante Punkte vermessen werden. Diesen Schritt nennt man Stereoverarbeitung. Diese Fotos werden im Atelier mit Geräten zur fotogrammetrischen Rekonstruktion ausgewertet und liefern eine Rohfassung der zukünftigen Karte.Diese Rohfassung nimmt ein Topograf mit ins Gelände und erhebt dort zusätzliche Daten, die auf dem Luftbild nicht sichtbar waren. In der Regel erfasst er Daten in Waldgebieten, oder recherchiert Dinge, die auf einem Luftbild nicht zu sehen sein können - zum Beispiel Verwaltungsbezirke. Außerdem stellt dieser Vermessungsingenieur toponymische Untersuchungen an und erkundigt sich bei den Einheimischen nach Ortsnamen.

Vor dem Vermessungstechniker liegt also noch eine große Aufgabe, die ihn bis in die entlegensten Winkel führen wird. Durch das Zusammentreffen mit Einheimischen und die Erfassung neuer Informationen wird die zukünftige Karte weiterentwickelt. Wie das geht, sehen wir in der nächsten Woche.

  © 1999 ARTE G.E.I.E