
Links und Adressen
zum Thema:
ING
(Institut Géographique National)
136 bis, rue de Grenelle
Paris
Frankreich
http://www.ign.fr
|
|
Kartographie
ARCHIMEDES setzt seine Nachforschungen über die Entstehung
von Landkarten fort. Wie entsteht eine rein digitale topografische Datenbank?
Anhand der Luftaufnahmen einer
Region vervollständigen die Geometer die charakteristischen Merkmale des
Reliefs vor Ort. Das gesamte Datenmaterial wird mit Hilfe des Computers
verarbeitet und eine erste Skizze der zukünftigen Karte erstellt.
C. Grateau
Mitte der 80er Jahre hat das I.G.N.,
das Nationale geographische Institut , damit begonnen, das gesamte
Territorium Frankreichs neu zu vermessen, um eine vierte Gebietskarte
zu erstellen. Diese Karte wird in rein digitaler Form vorliegen. Wir nennen
das die topographische Datenbasis. Sie wird sich aber auch auf Luftaufnahmen
stützen und auf die Auswertung von Bildmessungen. Dies hier ist unser
derzeitige Stand bei der Erstellung der Datenbasis. 25% des Territoriums
sind momentan abgedeckt. Dennoch müssen wir in den anderen Gebieten die
Kartographie auf den neuesten Stand bringen.
Man stützt sich dabei auf die alten Grunddaten der dritten Karte Frankreichs.
Die Arbeit wird also zweigleisig vorangetrieben: Einerseits durch Aktualisierung
der alten Daten, wobei man sich darauf beschränkt, nur die Veränderungen
zur aktuellen Ausgabe zu erfassen, andererseits verfolgt man die schwierigere
Aufgabe, eine neue metrische, dreidimensionale Datenbasis für das gesamte
Gebiet zu erstellen.
In beiden Fällen ist
es nötig, das gesamte Informationsmaterial, das während der beiden vorhergehenden
Arbeitsschritte auf eine erste Skizze übertragen wurde, zu aktualisieren
und auf Richtigkeit zu überprüfen. Festgehalten wird vor Ort jedes einzelne
Gebäude, die Art der Benutzung, Gebietsgrenzen: Eine minuziöse
Arbeit, die nur mit Hilfe Ortskundiger durchgeführt werden kann.
Renée Chaumaz
Der Topograph erstellt anhand seiner Überprüfung vor Ort ein sogenanntes
topographisches Dossier, das aus mehreren Elementen besteht. Das erste
ist ein Feldoriginal mit dunklen Flecken. Diese Flecken bezeichnen die
Details, die aus der aktuellen Karte gestrichen werden müssen, die schwarzen
Linien stehen für Ergänzungen. Diese Zeichnung alleine ist aber nicht
besonders aussagekräftig, sie wird von sechs Lichtpausen komplettiert,
in denen die eigentlichen Informationen stecken. Darauf bezeichnet der
Topograph ganz konventionell mit Hilfe unterschiedlicher Farben, was die
schwarzen Linien auf dem Feldoriginal bedeuten sollen, Wege beispielsweise,
die anders zu klassifizieren sind, weil sie vielleicht geteert wurden
oder auch neu geschaffene Siedlungen... Auf der Pause können auch Umgehungsstraßen
aufgeführt sein, die um die Städte herumführen. Jede Veränderung in bezug
auf die aktuelle Karte wird auf diese verschiedenen Zeichnungskopien übertragen.
Die zweite ist die orographische Lichtpause. Auf ihr werden die
Höhenlinien verzeichnet. Die Veränderungen auf diesem Blatt sind nicht
sehr zahlreich und weisen lediglich neue Steinbrüche aus. Die dritte Pause
gibt Aufschluß über die Vegetation und belegt in erster Linie die Abholzung
von Wäldern. Dann gibt es außerdem ein Blatt, auf dem überlastete Straßen
verzeichnet sind und die Veränderungen bezüglich ihrer Numerierung. Die
letzte Lichtpause enthält alle Informationen, die sich auf den Tourismus
einer Region beziehen: Wanderwege, Campingplätze, alles, was für den Touristen
von Bedeutung ist.
Ein Dossier bestehend aus
einem Feldoriginal und sechs Informationslichtpausen wird von einem sogenannten
"Heft zur amtlichen Dokumentation der Namensschreibung" ergänzt, in dem
alle Veränderungen aufgeführt sind, die sich auf der Karte hinsichtlich
der Schreibweise von Namen ergeben. Hat sich beispielsweise die Einwohnerzahl
einer Kommune verändert, wird auch die Schriftgröße, mit der ein Ort eingetragen
wird, modifiziert. Dieses Dokument wird zuvor den Bürgermeistern der Kommunen
vorgelegt.
Zur Aktualisierung der dritten
Gebietskarte Frankreichs durchläuft dieses gesamte topographische Dossier
eine Redaktionseinheit. Hier werden alle vor Ort zusammengetragenen Veränderungen
in die Karten eingezeichnet. Das geschieht nach der herkömmlichen Methode.
Marie-Jo Branger
Ich bin als Redakteurin dafür verantwortlich, dass die Ergänzungen des
Topographen in die Karten übertragen werden. Ich nehme die Informationslichtpause
und zeichne eine Straße ein. Zuvor war es ein Weg, nun ist es eine Straße.
Man benötigt etwa 400 Arbeitsstunden, bis das überarbeitete Blatt fertig
ist.
Gleichzeitig dienen alle gesammelten
Angaben dem Großprojekt, das vom Nationalen geographischen Institut derzeit
realisiert wird - der Erstellung einer vierten Gebietskarte Frankreichs.
Sie ergänzen eine rein digitale Datenbank, die sogenannte topographische
Datenbasis.
Jenny Trevisan
Bei der Erstellung dieser Karte anhand von 25000 Einzeldaten aus der topographischen
Datenbasis steht uns als erster Schritt eine automatische Verarbeitung
der Daten zur Verfügung. Die
topographische Datenbasis stellt zum Beispiel ein Symbol zur Verfügung,
aus dem hervorgeht, ob eine Straße unter der Brücke verläuft oder über
eine Brücke führt. So erhält man automatisch die richtige Information,
und es wird ein Brückengeländer eingezeichnet, um auf der Karte eine Brücke
zu symbolisieren.
Der Rechenvorgang ist abgeschlossen,
und man kann erkennen, dass der Computer tatsächlich kleine Brückengeländer
eingezeichnet hat. So wird deutlich, daß es sich hierbei um eine Brückenüberführung
handelt und nicht um eine Kreuzung. Nun, das war der erste Schritt im
Rahmen der automatischen Datenverarbeitung, bei dem es um die direkte
Vergabe der Symbole geht. In einem zweiten Schritt wird eine automatische
Nachbearbeitung durchgeführt. Warum ist eine solche Nachbearbeitung nötig?
Was Sie hier sehen,
ist eine Straße. Wir haben hier das Symbol für eine Quelle, im allgemeinen
handelt es sich um hydrographische Punkte. Die Symbole beherrschen gewissermaßen
die Karte und außerdem verdecken sie die Straße teilweise. Aus kartographischer
Sicht kann man das nicht so lassen, man muss die Symbole ein wenig absetzen.
Dieses Überlappen der einzelnen Zeichen führt also zu einem Konflikt
innerhalb der symbolischen Darstellung, bei dem das allgemeine Verständnis
der Karte verloren geht. Damit die Karte lesbar bleibt, müssen also die
Symbole gegeneinander verschoben werden. Nach einer automatischen Neuberechnung
der Punkte überdeckt keiner mehr die Straßenlinien, jeder ist deutlich
erkennbar, unmittelbar neben der Straße. Sie haben also gesehen, daß die
automatische Datenverarbeitung in zwei Schritten verläuft: Zunächst werden
die Symbole automatisch vergeben, danach folgt eine Phase, in der die
Lage der Objekte neu berechnet wird, um die allgemeine Lesbarkeit der
Karte zu erhöhen.
C. Grateau
Aber die wirkliche ganz große Revolution steht uns wohl noch bevor, sie
gehört ins dritte Jahrtausend. Ich denke an die automatische Auswertung
von Luftaufnahmen oder Bildern, die von einer hochauflösenden Satellitenkamera
geliefert werden. Es wird darum gehen, dass über künstliche Intelligenz
und ausgeklügelte Algorithmen Luft- und Satellitenaufnahmen automatisch
erkennen, was in einer Gebietskarte normalerweise erfaßt wird: Gebäude,
Straßen, Flüsse. Anhand solcher Aufnahmen, könnte dann die Datenbasis
immer wieder automatisch aktualisiert werden.
Zum
Beitrag der letzten Woche
|