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22. Februar 2000 |
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Porträt: Professor Hans Peter Dürr „Es interessiert mich nicht, wie Du Dein Leben fristest. Ich möchte wissen, wonach es Dich drängt und ob Du zu träumen wagst, Deines Herzens Sehnsucht zu erfüllen. Es interessiert mich nicht, wie alt Du bist. Ich möchte wissen, ob Du riskierst, wie ein Narr auszusehen für Liebe, für Deine Träume, für das Abenteuer, lebendig zu sein." Ein Naturwissenschaftler,
der indianische Gedichte vorträgt, ein Kernphysiker, der weit über den
strengen, rationalen Rahmen seines Fachs hinausgeht, der das Gespräch
und die Menschen sucht, der sich glaubwürdig einbringt für seine lebenswerte
Zukunft auf dem blauen Planeten: das ist Professor Hans Peter Dürr, Atomphysiker
in München. „Die eigentliche Schuld besteht darin, dass man Dinge beobachtet und diese einfach durchgehen lässt, sich nicht einmischt. Das heißt, wir müssen uns einmischen, ob es uns direkt angeht oder nicht. Wenn irgend etwas da ist, was wir für unrecht empfinden: einmischen, einmischen. Und das hab' ich mir klar gemacht,: Ich muss zu einem Grenzgänger werden. Was meinen Weg kreuzt - ob ich etwas damit zu tun habe oder nicht - ich mische mich ein." In den 50er Jahren, an der Universität Berkeley/USA, und später in Deutschland, ging Dürr fundamentalen Fragen der Elementarteilchenphysik nach - die Max Planck und Albert Einstein angestoßen hatten: Wie funktioniert das Atom? Elektronenstrahlen - Quantenwelten; die kleinsten Elemente der Atome, die kleinsten Bausteine der gesamten Materie, entziehen sich unserer Vorstellung. Eine Erkenntnis des 20. Jahrhunderts: das Atom als Ganzes ist ein schwingendes Quantensystem. „Die Materie hat sich aufgelöst und es ist nur Beziehung übriggeblieben. Und das ist für uns sehr schwer. Wir können Beziehung eigentlich nur verstehen, wenn ich erstmal was habe, das und das, und das ist Beziehung zwischen der linken und rechten Hand und den beiden Fingern. Aber Beziehungen zu verstehen, ohne dass es eine materielle Grundlage gibt, da haben wir Schwierigkeiten. Und Quantenmechanik heißt: im Grunde ist die Welt nicht aus Materie aufgebaut, sondern die Materie ist etwas, was später kommt. Im Grunde ist nur Beziehung da. Und die Welt läßt sich überhaupt nicht in Teile auseinandernehmen - das ist nur in unserem Kopf." Die Physiker des 20. Jahrhunderts
entfesselten mit der Kernspaltung die Macht der kleinen Teilchen - und
erschraken erst, als es zu spät war. Alle arbeiteten am Bau der Atombombe,
auch Dürrs große Lehrer, Werner Heisenberg in Deutschland und Edward Teller
in den USA: der „Vater der Bombe". Aus dieser Ambivalenz - und der brennenden
Frage nach der Verantwortung der Wissenschaftler erwuchs in den 70er Jahren
Dürrs Engagement für die Umwelt und gegen die atomare Aufrüstung des Kalten
Kriegs. 2019, 50 Jahre nach der ersten Mondlandung, beginnt die Eroberung des Mars. Entfernung: 100 Millionen Kilometer. Flugzeit: 8 Monate. Trotz minus 50 Grad und gefährlicher kosmischer Strahlung gilt der Mars als besiedlungsfähiger Außenposten im Sonnensystem. Die NASA hat Terraforming-Szenarien für die Marskolonie präsent; und auch die Pläne für den „Homo Alterior", den genetisch veränderten Marsaussiedler. Was bringt das uns, die wir auf der Erde zurückbleiben? „Das heißt: Die Einstellung 'Nur etwas Neues zu machen - ich allein und die Anderen lasse ich zurück' - das ist nicht überlebensfähig. Wir müssen die Leute vielmehr darauf trainieren: Du sollst nach vorne gehen - aber dann musst Du Dich fragen: Ist das ein Konzept, das Du mit den Anderen teilen kannst? Du allein kannst überhaupt nicht überleben. Du mußt die GANZE BASIS MITNEHMEN, UND DAS NICHT AUS ALTRUISMUS, sondern wir müssen auch auf unseren Mitmenschen stehen, damit wir selber weiterkommen. Und dieser Egoismus: zu sagen, ich allein werde die Welt weiterbringen und lasse die übrigen Menschen zurück - das führt dazu, dass man sich selbst ruiniert." Sollen wir im 21. Jahrhundert zurück zur „Wissenschaft pur", egal wozu und für wen? „Lasst doch die Leute auf den Mars gehen, möglichst gleich noch. Bemannte Raumfahrt - alle die, die das machen wollen! Nehmt erstmal ihr Geld dazu, damit sie es auch finanzieren und setzt sie gleich auf die Raketen. Und dann sollen sie dieses Leben da oben aufbauen. Dann haben wir hier ein bisschen mehr Ruhe, diese Probleme zu lösen, die wir hier auf der Erde haben." Wir, die Menschen, sagt Dürr, sind an den Planeten Erde gebunden; er ermöglicht unser Überleben, obwohl wir seine Ressourcen ausbeuten, ohne Rücksicht auf kommende Generationen. Umfangreiche Zukunftsstudien der UNO nennen die Hauptprobleme, die im neuen Jahrhundert auf uns zukommen: - Wassermangel in weiten Teilen der Welt; in Afrika und auch in Südeuropa; Versteppung großer Gebiete durch die weiter zunehmende Klimaerwärmung; weitere Zunahme von Natur- und Umweltkatastrophen. Die Folge: Migration - Millionen Menschen werden im 21. Jahrhundert auf der Flucht sein. - Wir haben alle Hände voll zu tun, wenn wir das Leben auf der Erde einigermaßen im Lot halten wollen..... |
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