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Buchtipp:
Die Farbenlehre
Claude Gudin
Ich habe Goethes Werk "Zur Farbenlehre" gewählt, das in Frankreich unter
dem Titel "Traité des Couleurs" bei Triades erschienen ist, weil ich glaube,
dass diese Arbeit - auch wenn sie schon vor zwei Jahrhunderten entstanden
ist - eine große wissenschaftliche Bedeutung besitzt. Goethe selbst hielt
übrigens diese Betrachtung für weitaus bedeutender als sein gesamtes poetisches
und philosophisches Schaffen. Man darf nicht vergessen, dass er Wissenschaftler,
Poet und Philosoph in einer Person war.
Was also wollte Goethe mit diesem Werk bewirken? Nun, er wollte ganz einfach
die Beziehungen vertiefen, die zwischen einem Maler und den Farben bestehen,
er wollte die Art und Weise verdeutlichen, wie er sich dieser Farben bedient,
um Emotionen und Stimmungen hervorzurufen. Und damit wurde Goethe zu einem
der ersten schöpferischen Menschen, die eine Beziehung zwischen Kunst
und Wissenschaft herstellten.
Natürlich könnte man nicht nur in Bezug auf seine wissenschaftliche Sicht
der Dinge einiges anmerken, denn er widerlegt die These Newtons, nach
der das weiße Licht mit einem Quarzprisma in seine verschiedenen Farbanteile
aufgespalten werden kann. Und das wird von Goethe nicht akzeptiert. Aber
Goethe ist nicht dumm, er kennt die Theorien seiner Zeit sehr genau, auch
im Bereich der Physik ist er auf dem Laufenden. Was ihn zur Ablehnung
Newtons veranlasst, ist dessen Reduktionismus. Er weigert sich, das Erkennen
von Farben schlicht und einfach darauf zurückzuführen, dass es sich in
Licht verwandelt. Für ihn muss eine Farbe durch die sensible menschliche
Natur zusammengefügt werden, das heißt, ein farbiger Körper, ein farbiger
Gegenstand kann nur vom Auge durchdrungen und vom Gehirn interpretiert
werden. Dieser Ansatz macht das Werk meiner Meinung nach zu einer wichtigen
und modernen ästhetischen Abhandlung über die Farbenlehre.
- Zur
Farbenlehre. Erschienen
innerhalb einer kompletten Goetheausgabe im Deutschen Klassiker Verlag.
-
Traité des Couleurs. Erschienen bei Triades.
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