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Archimède

07. März 2000




Buchtipp: Die Farbenlehre

Claude Gudin
Ich habe Goethes Werk "Zur Farbenlehre" gewählt, das in Frankreich unter dem Titel "Traité des Couleurs" bei Triades erschienen ist, weil ich glaube, dass diese Arbeit - auch wenn sie schon vor zwei Jahrhunderten entstanden ist - eine große wissenschaftliche Bedeutung besitzt. Goethe selbst hielt übrigens diese Betrachtung für weitaus bedeutender als sein gesamtes poetisches und philosophisches Schaffen. Man darf nicht vergessen, dass er Wissenschaftler, Poet und Philosoph in einer Person war.
Was also wollte Goethe mit diesem Werk bewirken? Nun, er wollte ganz einfach die Beziehungen vertiefen, die zwischen einem Maler und den Farben bestehen, er wollte die Art und Weise verdeutlichen, wie er sich dieser Farben bedient, um Emotionen und Stimmungen hervorzurufen. Und damit wurde Goethe zu einem der ersten schöpferischen Menschen, die eine Beziehung zwischen Kunst und Wissenschaft herstellten.
Natürlich könnte man nicht nur in Bezug auf seine wissenschaftliche Sicht der Dinge einiges anmerken, denn er widerlegt die These Newtons, nach der das weiße Licht mit einem Quarzprisma in seine verschiedenen Farbanteile aufgespalten werden kann. Und das wird von Goethe nicht akzeptiert. Aber Goethe ist nicht dumm, er kennt die Theorien seiner Zeit sehr genau, auch im Bereich der Physik ist er auf dem Laufenden. Was ihn zur Ablehnung Newtons veranlasst, ist dessen Reduktionismus. Er weigert sich, das Erkennen von Farben schlicht und einfach darauf zurückzuführen, dass es sich in Licht verwandelt. Für ihn muss eine Farbe durch die sensible menschliche Natur zusammengefügt werden, das heißt, ein farbiger Körper, ein farbiger Gegenstand kann nur vom Auge durchdrungen und vom Gehirn interpretiert werden. Dieser Ansatz macht das Werk meiner Meinung nach zu einer wichtigen und modernen ästhetischen Abhandlung über die Farbenlehre.

  • Zur Farbenlehre. Erschienen innerhalb einer kompletten Goetheausgabe im Deutschen Klassiker Verlag.
  • Traité des Couleurs. Erschienen bei Triades.
  © 1999 ARTE G.E.I.E