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Versinkende
Platten
Eine großartige Neuigkeit
ist gerade publik geworden: 1999 haben Messungen ergeben, dass untergegangene
Kontinente bis in eine Tiefe von 3.000 Kilometern herabsinken können -
bis in den inneren Kern der Erde.
Bisher hatte man geglaubt,
die Kontinente seien zu leicht, um sich so tief eingraben zu können. Professor
Archipi ist sehr, sehr aufgeregt.
"Wie kommt es überhaupt zum Verschwinden ganzer Kontinente"-
fragt sein Lieblingsschüler Archiprimus.
"Die Erdkruste ist ein Mosaik aus etwa zehn tektonischen Platten
- bestehend aus leichtem Felsgestein - die auf dem Erdmantel dahintreiben.
Dieser Erdmantel ist eine dicke Schicht, die den gesamten Kern der Erde
bedeckt" - erklärt Archipi.
"Einige dieser Platten bilden die Ozeane, andere die Kontinente.
An manchen Stellen treiben die Platten aber auseinander, und die glühend
heiße Materie aus dem Erdkern dringt an die Oberfläche und erkaltet
dort. Das geschieht mit einer Geschwindigkeit von einigen Zentimetern
pro Jahr. So bildet sich entlang dieser Grenze jährlich ein neues drei
Quadratkilometer großes Stück Erdkruste. Da die Erdoberfläche jedoch
gleich bleibt, verschwindet an anderer Stelle des Globus ein entsprechend
großes Stück, und zwar dort, wo zwei solcher Zonen aneinander stoßen.
Nehmen wir beispielsweise die Verschiebung des indischen Kontinents. In
einem Zeitraum von 70 Millionen Jahren ist Indien von Madagaskar aus nach
Norden gewandert und dort auf den asiatischen Kontinent geprallt. Während
dieser Kollision kam es zu einer Faltung der asiatischen Platte, aus der
die Gebirgskette des Himalaya entstand. Man musste also nun darüber befinden,
ob die indische Platte gegen die asiatische gestoßen ist, oder ob
sich Indien unter die asiatische Platte geschoben hat. Viele Geologen
glaubten" - fuhr Archipi fort - "dass die Kontinente -leichter
als die anderen Teile der Erdkruste - nicht bis tief in den Erdmantel
eindringen konnten. Wie hat man diese Frage gelöst? Mit Hilfe der Aufzeichnungen
von Erdbeben! Die von einem Epizentrum ausgehenden Wellen breiten sich
bis ins Innere der Erde aus. Nach einer Zeit, deren Dauer man messen kann,
erreichen sie irgendeinen beliebigen Punkt der Erdoberfläche. Und diese
Zeit hängt von der Zusammensetzung und der Temperatur des Gesteins ab,
aus dem der Erdmantel an dieser Stelle besteht. Ist das Gestein kälter
- wie bei einer tektonischen Platte, die sich unter einen anderen Kontinent
geschoben hat - breiten sich die Wellen langsamer aus. Misst man nun die
Geschwindigkeit der Tausenden von Wellen, die während eines Bebens die
Erde durchlaufen, ist man in der Lage, die innere Struktur des Erdkerns
zu rekonstruieren."
"Und was ist dabei herausgekommen"
- fragt Archiprimus. "Nun, man hat eine kältere Gesteinszunge unter
dem Kollisionspunkt der beiden Kontinente entdeckt, die sich bis in den
Erdkern hinein fortsetzt. Diese Zunge beweist, dass sich hier zwei Platten
untereinander geschoben haben. Damit hat meine Theorie gesiegt" -
frohlockt Archipi. "Das ist der Höhepunkt einer arbeitsreichen Karriere,
das lohnende Ergebnis zahlreicher, anstrengender Jahre: Die indische Platte
hat sich also unter den asiatischen Kontinent geschoben... Und auf der
Oberfläche des Erdkerns muss sich demnach ein Friedhof voller sehr alter
tektonischer Platten befinden. Dieser Beweis des gegenseitigen Ineinanderschiebens
solcher Platten wird die Geologie völlig auf den Kopf stellen: Um die
Struktur der Gebirge zu verstehen, muss man immer weiter in Bereiche eindringen,
die tief, tief unter unseren Füßen liegen."
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