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Archimède

14. März 2000



 

Gruppenportrait

In Crayssac - nicht weit entfernt von Cahor - trifft Jean Michel Mazin seit dem Sommer 1995 jeden Juli und August mit einigen Ausgrabungsteams zusammen, die an diesem bedeutendsten paläontologischen Fundort Europas - einem 140 Millionen Jahre alten fossilen Strand - auf Spurensuche gehen.

Jeden Tag macht sich ein solches Team, das sich in der Regel aus freiwilligen Studenten zusammensetzt, daran, die Abdrücke längst ausgestorbener Tiere freizulegen. Oft arbeitet man nachts, denn im gleißenden Licht der Scheinwerfer sind die Spuren besser zu erkennen als am Tage, wenn die Helligkeit von oben auf die Steine fällt und ihre hervortretenden Profile flacher erscheinen lässt. So bilden diese 25 jungen Leute über einen Zeitraum von zehn bis fünfzehn Tagen eine kleine Gemeinschaft, die rund um die Uhr hier in den von der Stadt Crayssac zur Verfügung gestellten Örtlichkeiten zusammen lebt und isst.

Jean Michel Mazin
Eine Ausgrabungsstätte ist ein Ort, der auf der einen Seite sehr einfach, auf der anderen aber auch sehr schwierig zu organisieren ist. Einfach ist es, weil man bei den Studenten nur anfragen muss, und schon hat man ein Überangebot an freiwilligen Helfern. Nur für die diesjährigen Ausgrabungen gab es ungefähr fünfzig Kandidaten, die sich zur Verfügung gestellt haben. Es ist also sehr leicht, Freiwillige zu bekommen, die mit Feuereifer an jeder nur denkbar Ausgrabungsstätte mitarbeiten wollen. Schwieriger wird es schon, wenn es um die finanzielle Seite geht, denn natürlich muss ein Team von 25 oder 30 Leuten entsprechend versorgt werden. Dazu gehört eine ganze Infrastruktur, und der Verantwortliche einer solchen Ausgrabungsstätte wird dann schnell zum netten Organisator einer Ferienkolonie. Das ist also nicht ganz so einfach und sicherlich auch eine Sache, die man lernen muss.

Wenn nachts gearbeitet wird, essen die Helfer oft direkt vor Ort und versammeln sich um ein Holzfeuer, in dem ihre Mahlzeit zubereitet wird. Ungefähr die Hälfte der Freiwilligen hat zuvor noch nie an Ausgrabungen teilgenommen. Sie müssen sich also zunächst alles Nötige an Ort und Stelle aneignen.

Jean Michel Mazin
Es gibt Ausgrabungstechniken, da kann man nicht improvisieren. Es gibt bestimmte Grundtechniken, die man aber sehr leicht erlernen kann. Doch das geht nur mit Erfahrung. Es gibt gute und schlechte Jahre, und es gibt mehr oder weniger begabte Leute, aber die Ausbildung hier ist gründlich.

O. Grousset
Jeder kann das machen, jeder kann einen Abdruck freilegen. Man muss nur geduldig genug sein und sehr sorgfältig arbeiten, das ist alles.

Jean Michel Mazin
An dieser Ausgrabungsstätte sind die Grundtechniken recht einfach zu erlernen. Man muss nur darauf achten, immer auf einer Ebene zu bleiben, die Oberfläche nicht zu durchschlagen und Schritt für Schritt vorzugehen, Millimeter um Millimeter. Man muss die Abdrücke vorbereiten, sie kenntlich machen und so gut wie möglich identifizieren. Das ist in der Regel eine gute Hilfe für uns.

Fabien Fritz
Wenn man schon einmal einen guten Abdruck gesehen hat und genau weiß, wie er aussehen muss, kann man auch eine schlechte Spur identifizieren und seine Schlüsse ziehen. Hier zum Beispiel ist eine Aushöhlung, das könnte etwas Interessantes sein. Man muss sie analysieren und genauer untersuchen. Wenn nicht noch andere Spuren darüber liegen, könnten das hier durchaus zwei Abdrücke ein und desselben Tieres sein.

Und so untersuchen die Helfer Tag für Tag, Stunde um Stunde jede winzige Gesteinsschicht, ohne ihrer Arbeit müde zu werden. Für einen Außenstehenden ist das nur schwer zu verstehen, und doch empfinden die jungen Leute dabei echte Begeisterung.

Anne-Laure Berthet
Auf diesen Steinen hier finden sich die Abdrücke von Gliederfüßlern, von winzigen Garnelen. Man kann die vielen kleinen Abdrücke ihrer Beine erkennen. Hier und hier beispielsweise. Und dort kreuzt sich der Weg zweier solcher Tierchen. Ursprünglich sollten in diesem Jahr die Arbeiten an der Stelle eigentlich nicht fortgesetzt werden, aber wir haben uns doch entschlossen weiterzumachen. Wir haben eine ganze Menge neuer rätselhafter Abdrücke gefunden, die interpretiert werden müssen. Die Arbeit hier ist also alles andere als langweilig, man kann dabei immer wieder etwas Neues entdecken.

Laurent Retiere
Hier ist die winzigste Spur, die wir bisher gefunden haben, mit einer ganz, ganz schmalen Vorderhand. Man kann das Ganze als Rätsel ansehen, dessen einzelne Mosaiksteinchen nach und nach zu Tage gefördert werden. Schritt für Schritt ergeben diese Elemente dann ein Bild, und man kann eine Hypothese aufstellen oder manchmal das Rätsel sogar lösen. Ich finde die Arbeit äußerst spannend, alles bleibt irgendwie in der Schwebe... Außerdem ist da noch die Freude darüber, etwas Neues zu entdecken, und auch das finde ich wirklich mitreißend.

An diesem Tag werden die Helfer noch bis zum Tagesanbruch weiterarbeiten, bevor sie in der Schule und dem Festsaal der Stadt ihre wohlverdiente Ruhe finden. Ob wohl in ihren Träumen Dinosaurier und andere seit mehr als 100 Millionen Jahren ausgestorbene Meeresreptilien eine ganz besondere Rolle spielen?

  © 1999 ARTE G.E.I.E