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Gruppenportrait
In Crayssac - nicht weit
entfernt von Cahor - trifft Jean Michel Mazin seit dem Sommer 1995 jeden
Juli und August mit einigen Ausgrabungsteams zusammen, die an diesem bedeutendsten
paläontologischen Fundort Europas - einem 140 Millionen Jahre alten fossilen
Strand - auf Spurensuche gehen.
Jeden Tag macht sich ein solches
Team, das sich in der Regel aus freiwilligen Studenten zusammensetzt,
daran, die Abdrücke längst ausgestorbener Tiere freizulegen. Oft arbeitet
man nachts, denn im gleißenden Licht der Scheinwerfer sind die Spuren
besser zu erkennen als am Tage, wenn die Helligkeit von oben auf die Steine
fällt und ihre hervortretenden Profile flacher erscheinen lässt. So bilden
diese 25 jungen Leute über einen Zeitraum von zehn bis fünfzehn Tagen
eine kleine Gemeinschaft, die rund um die Uhr hier in den von der Stadt
Crayssac zur Verfügung gestellten Örtlichkeiten zusammen lebt und
isst.
Jean Michel Mazin
Eine Ausgrabungsstätte ist ein Ort, der auf der einen Seite sehr einfach,
auf der anderen aber auch sehr schwierig zu organisieren ist. Einfach
ist es, weil man bei den Studenten nur anfragen muss, und schon hat man
ein Überangebot an freiwilligen Helfern. Nur für die diesjährigen
Ausgrabungen gab es ungefähr fünfzig Kandidaten, die sich zur Verfügung
gestellt haben. Es ist also sehr leicht, Freiwillige zu bekommen, die
mit Feuereifer an jeder nur denkbar Ausgrabungsstätte mitarbeiten wollen.
Schwieriger wird es schon, wenn es um die finanzielle Seite geht, denn
natürlich muss ein Team von 25 oder 30 Leuten entsprechend versorgt werden.
Dazu gehört eine ganze Infrastruktur, und der Verantwortliche einer solchen
Ausgrabungsstätte wird dann schnell zum netten Organisator einer Ferienkolonie.
Das ist also nicht ganz so einfach und sicherlich auch eine Sache, die
man lernen muss.
Wenn nachts gearbeitet wird,
essen die Helfer oft direkt vor Ort und versammeln sich um ein Holzfeuer,
in dem ihre Mahlzeit zubereitet wird. Ungefähr die Hälfte der Freiwilligen
hat zuvor noch nie an Ausgrabungen teilgenommen. Sie müssen sich also
zunächst alles Nötige an Ort und Stelle aneignen.
Jean Michel Mazin
Es gibt Ausgrabungstechniken, da kann man nicht improvisieren. Es gibt
bestimmte Grundtechniken, die man aber sehr leicht erlernen kann. Doch
das geht nur mit Erfahrung. Es gibt gute und schlechte Jahre, und es gibt
mehr oder weniger begabte Leute, aber die Ausbildung hier ist gründlich.
O. Grousset
Jeder kann das machen, jeder kann einen Abdruck freilegen. Man muss nur
geduldig genug sein und sehr sorgfältig arbeiten, das ist alles.
Jean Michel Mazin
An dieser Ausgrabungsstätte sind die Grundtechniken recht einfach zu erlernen.
Man muss nur darauf achten, immer auf einer Ebene zu bleiben, die Oberfläche
nicht zu durchschlagen und Schritt für Schritt vorzugehen, Millimeter
um Millimeter. Man muss die Abdrücke vorbereiten, sie kenntlich machen
und so gut wie möglich identifizieren. Das ist in der Regel eine gute
Hilfe für uns.
Fabien Fritz
Wenn man schon einmal einen guten Abdruck gesehen hat und genau weiß,
wie er aussehen muss, kann man auch eine schlechte Spur identifizieren
und seine Schlüsse ziehen. Hier zum Beispiel ist eine Aushöhlung, das
könnte etwas Interessantes sein. Man muss sie analysieren und genauer
untersuchen. Wenn nicht noch andere Spuren darüber liegen, könnten das
hier durchaus zwei Abdrücke ein und desselben Tieres sein.
Und so untersuchen die Helfer
Tag für Tag, Stunde um Stunde jede winzige Gesteinsschicht, ohne ihrer
Arbeit müde zu werden. Für einen Außenstehenden ist das nur schwer
zu verstehen, und doch empfinden die jungen Leute dabei echte Begeisterung.
Anne-Laure Berthet
Auf diesen Steinen hier finden sich die Abdrücke von Gliederfüßlern,
von winzigen Garnelen. Man kann die vielen kleinen Abdrücke ihrer Beine
erkennen. Hier und hier beispielsweise. Und dort kreuzt sich der Weg zweier
solcher Tierchen. Ursprünglich sollten in diesem Jahr die Arbeiten an
der Stelle eigentlich nicht fortgesetzt werden, aber wir haben uns doch
entschlossen weiterzumachen. Wir haben eine ganze Menge neuer rätselhafter
Abdrücke gefunden, die interpretiert werden müssen. Die Arbeit hier ist
also alles andere als langweilig, man kann dabei immer wieder etwas Neues
entdecken.
Laurent Retiere
Hier ist die winzigste Spur, die wir bisher gefunden haben, mit einer
ganz, ganz schmalen Vorderhand. Man kann das Ganze als Rätsel ansehen,
dessen einzelne Mosaiksteinchen nach und nach zu Tage gefördert werden.
Schritt für Schritt ergeben diese Elemente dann ein Bild, und man kann
eine Hypothese aufstellen oder manchmal das Rätsel sogar lösen. Ich finde
die Arbeit äußerst spannend, alles bleibt irgendwie in der Schwebe...
Außerdem ist da noch die Freude darüber, etwas Neues zu entdecken,
und auch das finde ich wirklich mitreißend.
An diesem Tag werden die Helfer
noch bis zum Tagesanbruch weiterarbeiten, bevor sie in der Schule und
dem Festsaal der Stadt ihre wohlverdiente Ruhe finden. Ob wohl in ihren
Träumen Dinosaurier und andere seit mehr als 100 Millionen Jahren ausgestorbene
Meeresreptilien eine ganz besondere Rolle spielen?
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