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INRA
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Suche nach
Champignons
Den Champignon kennt jeder.
Er ist sauber und schön weiß, ein Aspekt, der dem Verbraucher Vertrauen
einflößt. Aber diese Äußerlichkeit ist das Ergebnis eines
langen Ausleseverfahrens, das in den letzten Jahren zu einem regelrechten
Wettrennen zwischen holländischen und französischen Produzenten geführt
hat: Wer züchtet das schönste Weiß?
Denn das Weiß verkauft
sich besser, auch wenn es nicht so einfach zu erzielen ist. Bei der Suche
nach dem makellosesten Weiß hat die Deutsche Gerda Fritsche 1982
das große Los gezogen. Bei ihrer Arbeit für eine holländische Firma
erzielt sie durch Kreuzung zwei sehr einträgliche weiße Hybriden,
mit denen Holland den europäischen Markt für frische Champignons erobert,
den bis dahin Frankreich beherrscht hatte. Aber diese Hybriden wachsen
in klimatisierten Räumen, während die Champignons in Frankreich traditionell
in Kellern angebaut werden, einem Milieu, in dem die holländischen Champignons
gegenüber den Parasiten und den klimatischen Bedingungen nicht resistent
genug sind. Die Umstellung auf die Zucht in klimatisierten Räumen hätte
zu aufwendige Investitionen erfordert. Die französischen Produzenten haben
sich deshalb auf dem Umweg über das Centre Technique du Champignon an
die Forschung gewandt, damit sie ihnen genauso weiße Pilze liefert,
die ihren Kellern angepasst werden können.
Philippe Callac
1989 haben das Technische Champignonzentrum, CTC, ein berufsübergreifendes
Organ und das agronomische Forschungsinstitut INRA
beschlossen, ein Programm zur genetischen Veredelung des Champignons zu
starten. Wir waren ein kleines Team und haben sehr schnell erkannt, dass
es zwei Hauptprobleme bei der Veredelung dieser Art gab. Das erste Problem
sind die fehlenden genetischen Quellen. Denn praktisch alle Champignons
der Welt gehen auf sechs oder sieben ursprünglich wildwachsende Stämme
zurück. Deshalb waren die Kreuzungs- und Veredelungsmöglichkeiten sehr
begrenzt.
Das zweite Problem hängt mit der Fortpflanzungsweise dieses Pilzes zusammen.
Nehmen wir einen normalen Naturchampignon: Er bringt auf der Höhe der
Lamellen Sporen hervor, man kann diese Sporen einzeln auf Kulturböden
zum Keimen bringen, und die so entstehenden kleinen Schimmelbildungen,
die sogenannten Myzelien, sind in der Lage, direkt Fruchtkörper zu bilden.
Wenn man sie dagegen kreuzen will, das heißt, das Myzel eines Champignons
mit dem eines anderen in die gleiche Kulturschale gibt, beobachtet man
beim Zusammentreffen der beiden Myzelien keinerlei Reaktion. Die Champignonsporen
sind nicht in der Lage, sich zu kreuzen, wenn man von einem sehr geringen
Prozentsatz absieht. Das macht die Kreuzung sehr schwierig.
Wir haben uns gefragt,
wie es weitergehen könnte, und eine der Möglichkeiten bestand darin, wildwachsende
Stämme zu suchen, Champignonstämme in der Natur. Jacques und ich haben
gemeinsame Aufrufe gemacht. Du hast damals nach Seitlingen gesucht...
Jacques Guinberteau
Ja, richtig, nach wildwachsenden Seitlingen, und wir haben die Gelegenheit
genutzt, einen entsprechenden Aufruf auch an Pilzkundegesellschaften der
Ile de France sowie an bekannte Pilzkundler zu richten.
Philippe Callac
Als wir diese Kampagne starteten, waren wir unsicher, ob wir auf genetische
Variabilität stoßen würden. Man hatte uns gesagt: "Wissen Sie, Sie
werden entweder gezüchtete Champignons finden, die in die Natur entwichen
sind, oder Sie finden Champignons, die in den Kulturen nicht wachsen."
Und zu unserer Überraschung haben wir, sobald wir die ersten Pilze
erhielten, festgestellt, dass sie in genetischer Hinsicht außerordentlich
verschiedenartig waren und dass all diese Pilze auf den üblichen Kulturböden
sehr gut wuchsen, also auf Kompost aus Pferdemist.
1990 und 1991 zählt Philippe
Callac 60 verschiedene Stämme wildwachsender Champignons, eine Zahl, die
bei weitem über das bisher Bekannte hinausgeht. Aber das ist nichts im
Vergleich zu dem, was folgt...
Philippe Callac
1991 habe ich einen Amerikaner getroffen, Rick Kerrigan, der das gleiche
tat wie ich, aber in Kanada und den USA. Er hatte eine Art Verein gegründet:
das Agaricus Recovery Program, dessen Ziel darin bestand, wildwachsende
Champignonstämme zu sammeln. Von da an haben INRA und CTC beschlossen,
als Sponsoren dieses Vereins zu agieren. Die Stämme werden uns in Polystyrolbehältern
zugesandt, entweder als Myzel in flüssigem Milieu oder als kleine Pilzlamellen
in Röhrchen.
Von den Stämmen, die wir aus den USA vom ARP erhielten, waren sehr viele
unter den Zypressen der kalifornischen Küsten gesammelt worden. Und das
ist etwas überraschend, denn wir wussten nicht, dass die Pilze drüben
unter solchen Bäumen wuchsen. Sie waren in San Francisco und an einem
etwa 200 Kilometer langen Küstenstreifen darunter gesammelt worden. Das
hat uns auf die Idee gebracht, an der französischen Küste unter den Zypressen
zu forschen in Begleitung des Amerikaners Kerrigan, und in wenigen Wochen
haben wir absolut phänomenale und einträgliche Ernten erzielt. Übers
Jahr haben wir etwa 100 verschiedene Stämme geerntet. Heute sind wir in
dieser Sache in Soulac. Wir sitzen unter Zypressen. Es sind die richtigen
Umstände und das richtige Biotop, um Champignons zu finden.
In sieben Jahren werden insgesamt
mehr als 170 verschiedene Stämme unter Zypressen gefunden. Aber der amerikanische
Champignon, der Philippe Callac besonders interessiert, ist der Stamm
JB3 aus der Sonora-Wüste in Kalifornien. Der Stamm JB3 wurde 1991 von
Jerry Burnett entdeckt, einem Goldsucher im Ruhestand.
Philippe Callac
Weil sein Ursprung merkwürdig war, haben wir ihn zuerst in den Kulturboden
gegeben. Wir haben seine Sporen keimen lassen und Myzel gewonnen. Unter
den Champignons, die daraus entstanden, fanden sich einige, die ein wenig
unnormal aussahen. Die Spezialisten nennen sie rosecomb, und wir wollten
sogleich wissen, ob die Lamellen dieses Champignons Besonderheiten aufwiesen.
Die Lamellen sind mit Fortpflanzungszellen bedeckt, die die Sporen hervorbringen.
Beim Champignon, dem Agaricus bisporus, hätte man erwarten können, dass
die meisten der Fortpflanzungsorgane Sporen tragen, die zu zweit gruppiert
sind, daher der Name: bisporus. Und in diesem Fall damals stellten wir
überrascht fest, dass die meisten Fortpflanzungsorgane vier Sporen trugen,
einige wenige drei und praktisch keines zwei. Was hatten wir da also vor
uns? War das wirklich ein Champignon? Es widersprach vollständig dem,
was wir bisher bei dieser Art kannten. Als wir sahen, dass dieser Champignon
viersporig war, schöpften wir große Hoffnung, denn man weiß,
dass bei einem viersporigen Champignon im Prinzip alle Sporen fähig sind,
sich zu kreuzen. Und genau das war bei unseren herkömmlichen Champignons
das Problem. Deshalb wollten wir herausfinden, ob sich dieser Champignon
mit den anderen leicht kreuzen ließ. Wir haben das Myzel seiner
Sporen mit den Myzelien konfrontiert, die wir aus den wenigen Sporen der
klassischen Champignonstämme gewonnen hatten, die fähig sind, sich zu
kreuzen. Große Überraschung: In allen Fällen haben wir ein
hybrides Myzel erzielt, also eine gegenseitige Befruchtung. Dieser Wüstenpilz
ist also tatsächlich ein Champignon, und das kam uns äußerst gelegen,
denn die Tatsache, dass er viersporig ist, bedeutet, dass all seine Sporen
in der Lage sind, sich zu kreuzen. Zudem wird diese Fähigkeit an die Nachkommenschaft
weitergegeben. Wir konnten seitdem problemlos alle unsere Champignonstämme
miteinander kreuzen, eine erste Kreuzungsetappe mit diesen Wüstenpilzen
vorausgesetzt.
Diese Entdeckung, die sogleich
von INRA und Technischem Champignonzentrum zum Patent angemeldet wurde,
löste also eins der Probleme, die die genetische Veredelung erschwert
hatten. Was die Vielfalt angeht, hat das Ergebnis schließlich die
optimistischsten Erwartungen übertroffen: In acht Jahren wurden mehr als
500 verschiedene Champignonstämme in der Welt entdeckt. Diese Sammlung
in Bordeaux, sorgfältig konserviert in flüssigem Stickstoff, stellt eine
einzigartige Genbank für Champignons dar. Im Technischen Champignonzentrum
bei Tour wird unter größter Geheimhaltung mit den vielversprechendsten
Kreuzungen wildwachsender Stämme experimentiert.
Régis Védie
Aus verschiedenen weißstämmigen
genetischen Quellen, die in Frage kamen, haben wir bestimmte Kreuzungen
geschaffen, die zu weißen Hybriden führten. Hunderte von Kreuzungen
sind bereits vorgenommen worden, Hunderte von Hybriden sind getestet worden
oder werden derzeit beurteilt. Hier haben wir einen Stamm, der leicht
cremefarben ist, hier etwas weißere Stämme, weiße Hüte, die
den heutigen Kriterien von Weiß mehr entsprechen und gefragt sind.
Nach zehnjähriger Arbeit erzielen
die Forscher inzwischen Champignons, die den holländischen Hybriden Konkurrenz
machen könnten. Sie müssen nun noch unter realen Bedingungen im Keller
getestet werden, damit die Produzenten sie endlich anbauen können.
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