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Archimède

28. März 2000



 

Buchtipps

  • Das Theorem des Papageis von Denis Guedj ist in Deutschland bei Hoffmann und Campe erschienen, in Frankreich unter dem Titel Le Théorème du Perroquet im Verlag du Seuil.
    Denis Guedj ist Mathematiker und Professor für Wissenschaftsgeschichte an der Universität Paris.

Ernst Peter Fischer:
"Als ich den Titel gelesen habe, war ich überrascht. Wie kann ein Papagei ein Theorem kennen? Auf der anderen Seite war ich auch sehr interessiert, denn wenn es um Theoreme geht, muss es auch um Mathematik gehen... und als ichdas Buch aufgeschlagen hatte, war ich sofort gefesselt von der Idee. Die Grundkonzeption ist, dass die Mathematik in ihrer ganzen Geschichte erzählt wird, und der Autor des Buches, der als Mathematiker und Wissenschaftshistoriker in Paris lehrt, kann das sehr gut. Sein Name ist Dennis Guedj.
Er kommt aus Algerien und er erzählt uns eine Geschichte, von der man den Eindruck hat, sie kann nur aus einem solchen Land kommen. Die Geschichte beginnt mit einem Brief aus Brasilien, der in Paris eintrifft: in diesem Brief wird angekündigt, dass eine mathematische Bibliothek, die ein alter Studienfreund des Buchhändlers in Paris gesammelt hat, nun zu ihm nach Paris expediert wird. Man wartet also gespannt auf diese Bibliothek und der Leser verfolgt, wie sie ankommt und in Paris aufgebaut wird, und bei diesem Aufbau werden auch die verschiedenen Namen der Mathematiker erwähnt, die in der Geschichte dieser Wissenschaft eine Rolle gespielt haben. Man erfährt dann nicht nur die Namen und die Sätze, die sie bewiesen haben, sondern man lernt auch die Personen kennen. Man sieht sie über Marktplätze gehen, man erfährt wie sie in Cafes sitzen und welche Schwierigkeiten sie haben. Man erfährt vor allen Dingen, dass Mathenatik eine Leidenschaft sein kann, die zu seelischen Anstrengungen führt und nicht nur intellektuelle Anstrengung bedeutet.

Die Grundidee ist, dass wir die Geschichte der Mathematik kennenlernen und dabei verstehen, dass es ganz einfache Theoreme gibt, die noch gar nicht bewiesen worden sind. Es gibt zum Beispiel ein sehr einfaches Theorem aus dem 18. Jh., das besagt, dass jede gerade Zahl - also zum Beispiel 212 - durch die Summe von Primzahlen dargestellt werden kann, also Primzahlen wie 13 oder 19. Und dieses einfache Theorem hat offenbar dieser Brasilianer bewiesen. Der Beweis ist allerdings nicht auf einem Stück Papier aufgeschrieben, sondern in den Kopf eines Papageis hineingelangt. Und dieser Papagei kommt auf seltsame, komplizierte Weise auch in der Pariser Buchhandlung an. Dabei spielt ein kleiner Junge eine Rolle, der Max heißt und auf dem Flohmarkt einen wilden Kampf austragen muß, um diesen Papagei zu holen. Jetzt stellt sich die Frage: Was weiß der Papagei eigentlich? Und was wird er erzählen?

Insgesamt erzählt das Buch die Geschichte einer Bibliothek, die Geschichte der Mathematik und die Geschichte einer Freundschaft. Und das Ganze löst sich am Schluss in einer seltsamen Faszination auf, weil man doch an den Ursprung allen Lebens - in den Urwald - zurückkehrt, und da alles verrinnt, was man mühsam aufgebaut hat..."

  © 1999 ARTE G.E.I.E