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Archimède

04. April 2000



 

Ein Glas Wasser

Um über Ihrem Waschbecken den Gesetzen der Gravitation zu trotzen, benötigen Sie nichts weiter als ein einfaches Glas und ein Stückchen Tüll oder geschmeidigen Verbandmull, den Sie in Ihrem Medizinschrank finden. Mull ist sowohl luft- als auch wasserdurchlässig - das weiß jedes Kind.
Hier der Beweis: Auch wenn Sie das Glas mit dem Stückchen Mull bedecken, können Sie Wasser hineingießen - das Wasser dringt durch den Stoff hindurch. Füllen Sie das Glas randvoll, so dass der Mull benetzt wird, schlagen Sie den Stoff sorgfältig um die Glasränder, legen Sie ihre flache Hand darauf, und zwar dergestalt, dass das Glas hermetisch abgeschlossen ist und drehen es nun mit einer schnellen Bewegung um. Und jetzt: aufgepasst! Halten Sie das Glas ganz gerade, ziehen Sie Ihre Hand langsam seitlich darunter weg und blicken Sie in die erstaunten Augen Ihres Publikums. Das Wasser bleibt in Glas. Zauberei, aber dahinter steckt weder ein fauler Trick noch ein raffinierter Kniff - das Ganze beruht auf einem Zusammenwirken zwischen Luftdruck und Oberflächenspannung. Diese Oberflächenspannung erhöht den Luftdruck gerade um den Faktor, der nötig ist, um der Kraft, die das Wasser nach unten zieht, eine entsprechende, nur geringfügig stärkere Kraft entgegenzusetzen. Man erhält dieses unerwartete Gleichgewicht nur, wenn sich diese Kraft über die gesamte Oberfläche der Flüssigkeit gleichmäßig verteilen kann. Auf Ihr Waschbecken!

  © 1999 ARTE G.E.I.E