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Ein Glas Wasser
Um über Ihrem Waschbecken den
Gesetzen der Gravitation zu trotzen, benötigen Sie nichts weiter als ein
einfaches Glas und ein Stückchen Tüll oder geschmeidigen Verbandmull,
den Sie in Ihrem Medizinschrank finden. Mull ist sowohl luft- als auch
wasserdurchlässig - das weiß jedes Kind.
Hier der Beweis: Auch wenn Sie das Glas mit dem Stückchen Mull bedecken,
können Sie Wasser hineingießen - das Wasser dringt durch den Stoff hindurch.
Füllen Sie das Glas randvoll, so dass der Mull benetzt wird, schlagen
Sie den Stoff sorgfältig um die Glasränder, legen Sie ihre flache Hand
darauf, und zwar dergestalt, dass das Glas hermetisch abgeschlossen ist
und drehen es nun mit einer schnellen Bewegung um. Und jetzt: aufgepasst!
Halten Sie das Glas ganz gerade, ziehen Sie Ihre Hand langsam seitlich
darunter weg und blicken Sie in die erstaunten Augen Ihres Publikums.
Das Wasser bleibt in Glas. Zauberei, aber dahinter steckt weder ein fauler
Trick noch ein raffinierter Kniff - das Ganze beruht auf einem Zusammenwirken
zwischen Luftdruck und Oberflächenspannung. Diese Oberflächenspannung
erhöht den Luftdruck gerade um den Faktor, der nötig ist, um der Kraft,
die das Wasser nach unten zieht, eine entsprechende, nur geringfügig stärkere
Kraft entgegenzusetzen. Man erhält dieses unerwartete Gleichgewicht nur,
wenn sich diese Kraft über die gesamte Oberfläche der Flüssigkeit gleichmäßig
verteilen kann. Auf Ihr Waschbecken!
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