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11. April 2000 |
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Auf der Welle schwimmen In der letzten Woche hat Thierry Brunel seine Hypothese hinsichtlich der Schwimmtechnik von Delphinen erläutert. Heute will er versuchen, diese Theorie zu überprüfen. Machen sich Delphine die Energie der Wellen zunutze, um sich fortzubewegen? Und dient ihnen ihr Rostrum, also ihre Schnauze als Wellenbrecher? In einem ersten Versuch lässt sich Chloé von Joséphine, dem Delphin, anschieben. Damit will man feststellen, ob ihr Körper bei einer bestimmten Geschwindigkeit Bugwellen produziert. Chloé's Körper erzeugt eine Bugwelle. Doch was geschieht, wenn der Delphin niemanden anschiebt? Thierry Brunel will dazu einen Versuch machen und mit Hilfe des Computers überprüfen, ob das Tier seine Schnauze als eine Art Bulb einsetzt, um damit seine Bugwellen zu kontrollieren. Wie sieht nun ein solcher Versuch aus? Thierry Brunel Auf der Wasseroberfläche
dienen zwei Kanister als Marken. Wichtig dabei ist, dass sie gut sichtbar
angebracht sind und ihr Abstand voneinander genau definiert ist.
Das Anbringen der Messstäbe unter Wasser stellt Thierry Brunel vor
einige Probleme. Die Sicht ist schlecht und die Einstellungen können
nur ungenau vorgenommen werden. Außerdem sind die Delphine neugierig
und verschieben zuweilen die Kamera in ihrer Position. Nun stellt sich
einer der Pfleger auf den Rücken des Delphins und zwingt ihn damit,
an der Wasseroberfläche zu schwimmen, denn das entspricht normalerweise
nicht der Natur des Tieres. Thierry Brunel Wir wollen nun die Bewegungen von Michaël und dem Delphin graphisch darstellen. Man kann bei dem Delphin eine gewisse Wellenbewegung erkennen, während Michaël relativ ruhig stehen bleibt - das war auch schon mit bloßem Auge zu sehen - denn er versucht ja, sich auf dem Tier zu halten. Im Standbild können wir erkennen, dass es bei Michaël sehr wohl eine vertikale Bewegung gegeben hat. Auch wenn er selbst ganz ruhig stehen blieb, sieht man in dieser ersten Sequenz, dass sich sein Kopf in einer leichten Wellenbewegung nach oben und unten verschoben hat. Wir haben ja den Begriff Bulb schon erwähnt. Ich habe versucht, eine etwas genauere Graphik zu erzeugen und Michaël daraus eliminiert, denn wir interessieren uns ja eigentlich nicht für ihn. Deshalb habe ich mich ausschließlich auf unseren Delphin konzentriert. Wir wollen versuchen, unseren Blick auf diese beiden Punkte zu fixieren. Man kann erkennen, dass der Schwanz eine Bewegung vollführt, die dem Delphin eine gewisse Stabilität verleiht, das heißt, die Flossen und die Schnauze des Tieres bewegen sich gleichzeitig nach oben und nach unten. Das bedeutet, dass der Delphin seinen Bulb einsetzt. Sein Bulb, was ist das? Das ist sein Rostrum, also seine unbewegliche Schnauze, die er unmittelbar unter der Wasseroberfläche hält, um damit seinen Wellenwiderstand auszuschalten. Bei allen drei Durchgängen, die wir gefilmt haben, konnte man sehen, dass der Delphin seinen Kopf, also seinen Oberkörper aus eigenem Antrieb blockiert hat, damit er - das ist zumindest meine Vermutung - einen solchen Bulb erzeugen und sich mit Michaël auf seinem Rücken fortbewegen kann. Damit habe ich aber noch nicht nachgewiesen, dass er sich die Energie der Wellen zunutze macht. Meine Aufnahmen sind noch nicht aussagekräftig genug, denn dazu müsste ich mindestens 100 Delphine beobachten, dann hätte ich vielleicht Glück. Aber die Tatsache, dass sich der Delphin im Bereich seiner Schnauze und seines Kopfes regelrecht steif macht, bestärkt uns in der Vermutung, dass er in der Lage ist, sich seinen eigenen Bulb zu schaffen. Wie sieht das Ganze nun unter Wasser aus? Ich möchte wissen, wie sich seine Schwimmtechnik ändert, wenn er sich genau im Grenzbereich zwischen Wasser und Luft befindet. Warum? Weil unter Wasser keine Bugwelle entsteht. Achte genau auf den Kopf des Delphins. Er bewegt ihn nicht, er hält in völlig starr. Und nun schauen wir uns diesen hier an, er ist unter Wasser. Sein Kopf macht kleine Bewegungen nach oben und unten. Das Schwimmverhalten eines Delphins ist also unterschiedlich, je nachdem, ob er sich im Wasser befindet oder an der Wasseroberfläche. Im Wasser vollführt er mit dem Kopf eine kleine Wellenbewegung. An der Wasseroberfläche bewegt er den Kopf nicht, also gehen wir davon aus, dass er sich dort einen Bulb schaffen. Wenn das wirklich der Fall ist, kann er auch die Energie einer Welle spüren und sich diese irgendwie zunutze machen. Nach der Digitalisierung der
gesamten Bildsequenz habe ich das Ganze noch ein wenig langsamer abgespielt
und bin dabei auf etwas ganz Interessantes gestoßen, denn diese
Beobachtung kann unsere Hypothese bestätigen. Hier ist ein Wellental
und dort der Kamm einer zweiten Welle. Was bedeutet das? Das bedeutet,
dass dieses Wellensystem von unserem Delphin erzeugt wurde. Und nun kommt
etwas ganz Interessantes. Wenn ich den Film ganz langsam weiterlaufen
lassen, erkennt man, dass sich diese Welle fortsetzt, denn sie besitzt
eine gewisse Energie. Es erscheint ein weiterer Delphin, der sich von
dieser Welle tragen lässt. In der nächsten Woche untersuchen Thierry Brunel und Chloé, wie Wettschwimmer mit Hilfe ihrer Technik die Entstehung von Bugwellen kontrollieren. |
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