Metropolis
vom 17.02.2001 um 21.45 Uhr
Wiederholung am 18. Februar
2001 um 00.10 Uhr
Kulturmagazin, WDR, Deutschland 2000
Die Ära
de Hadeln
20 Jahre lang bestimmte Festivaldirektor Moritz de Hadeln das Wettbewerbsprogramm
der Filmfestspiele Berlin. 1980 war sein erstes Festival, 2001 wird
sein letztes sein. Zu seinen Bemühungen gehörte es, das Festival für
ein breites Publikum attraktiv zu machen, ein künstlerisch anspruchsvolles
Festival mit einer Portion Glamour zu versehen. So lockte er mit Ehren-Bären
Stars aus Hollywood oder Frankreich ins kalte Berlin, von Catherine
Deneuve bis Shirley MacLaine, von Dustin Hoffman bis Kirk Douglas. Was
war die Ära de Hadeln? Eine Rückschau auf ein Stück Festivalgeschichte
und das Portrait eines leidenschaftlichen Filmmenschen mit einem vielfach
auch kritisierten Konzept. Ein Bericht von Peter Kremski.
Ungarns
Apokalyptiker - Bela Tarr und Lazlo Krasznahorkai
"Wenn ich keine Filme machen kann, dann existiere ich nicht mehr", bekennt
der ungarische Regisseur Belá Tarr. Zusammen mit einem der bekanntesten
ungarischen Schriftsteller macht er seit 1988 Filme: Bela Tarr führt
dabei Regie, Lazlo Krasznahorkai schreibt die Bücher. Auf der diesjährigen
Berlinale zeigen die beiden genial-irren Apokalyptiker ihr neuestes
Werk: "Melancholie des Widerstandes" mit Peter Fitz und Hanna Schygulla
in den Hauptrollen. Michael Kluth hat die Dreharbeiten für "Metropolis"
beobachtet und sprach mit Bela Tarr und Lazlo Krasznahorkai.
Béla
Tarr
Film: "Werckmeister Harmonien" von Béla Tarr, Ungarn / Frankreich/
Deutschland 2001
Hitlers
Privatgemäldesammlung wird rekonstruiert - Die "Linzer Liste"
Zweieinhalbtausend Bilder und Skulpturen, Möbel und Gobelins sind im
Besitz der Bundesrepublik Deutschland - und niemand weiß, woher sie
kommen. Sie sind der Rest diverser Kunstsammlungen, die für Nazi-Größen
vor und während des 2.Weltkriegs zusammengetragen wurden: Gekauft, beschlagnahmt,
geraubt.... Die berühmteste Sammlung ist die "Linzer Liste" - jene Werke,
die für Hitlers Privatmuseum in Linz gesammelt wurden. Um die rechtmäßigen
Besitzer dieser Kunstwerke zu finden, hat die Bundesregierung nun im
Internet eine "Lost Art Database" eingerichtet, damit Juristen und Kunsthistoriker
die Arbeiten zurückgeben können: Ein mühsames, nur selten von Erfolg
gekröntes Unternehmen, wie Matthias Haentjes zeigt.
Im
Internet: http://www.lostart.de
Mehr
zum Thema
Tibetisches
Neujahr in der Schweiz
Die Schweiz ist immer für Überraschungen gut. Da gibt es dem kleinen
Dorf Rikon bei Winterthur seit Jahrzehnten eine Pfannenfabrik. Und ein
Kloster, das es ohne die Pfannen nicht gäbe. Das Kloster ist kein normales
Kloster, sondern ausgerechnet ein tibetisches. Rikon ist die zweitgrößte
tibetische Exilgemeinde auf der Welt: 170 Tibeter leben hier, fast alle
von der Pfannenfabrik, deren Unternehmer die Emigranten seit 40 Jahren
unterstützen. Denn die Fabrikanten waren es, die, um den Arbeitern zu
helfen, einst Rat beim Dalai Lama suchten. Die Hilfe kam - der Dalai
Lama schickte einen Abt und fünf Mönche nach Rikon; mit Spendengeldern
finanziert bauten die Pfannenfabrikanten dann ein buddhistisches Kloster
in die Schweizer Berge. Abseits aller Multi-Kulti-Diskussion ist das
ein Beispiel fürs praktische Zusammenleben unterschiedlichster Kulturen,
wie "Metropolis"-Autor Jürgen Bevers findet.
Tibetkloster
Neujahrsfest am 24. Februar 2001
Adresse: Tibetinstitut
CH-8486 Rikon
Tel: +41 52.3831729
Ein Denkmal
für Lisa und Hans Fittko
Vor 60 Jahren lebten im französischen Banyuls sur Mer die beiden deutschen
Flüchtlinge Lisa und Hans Fittko, die von dort aus zwischen Herbst 1940
und Frühjahr 1941 zahlreichen anderen Flüchtlingen des Naziregimes halfen,
über die Pyrenäen in die Freiheit zu entkommen. Einer davon hieß Walter
Benjamin. Auf der spanischen Seite angekommen, nahm er sich das Leben,
aus Angst davor, zurückgeschickt zu werden. An seine tragische Flucht
erinnert seit 1995 in Port Bou ein Denkmal des französischen Bildhauers
Dani Karavan. Jetzt kann auch den Fittkos sichtbar gedacht werden -
auf der französischen Seite markiert ein Denkmal seit einigen Wochen
den Beginn des Fluchtwegs vor dem Nazi-Regime. Claudia Kuhland hat die
in Chicago lebende 91-jährige Lisa Fittko besucht und zeichnet die Entstehungsgeschichte
der jahrzehntelang verspäteten Erinnerung nach.
Das Phänomen
"68"
Vor dem Hintergrund der parteipolitischen Ränkespiele um die Vergangenheit
von Joschka Fischer werden zwei aktuelle künstlerische Versuche vorgestellt,
die sich auf durchaus ungewöhnliche Weise mit dem Thema "68" und der
Geschichte der politisch motivierten Gewalt in Deutschland widmen. Es
handelt sich um den Roman "Rosenfest" von Leander Scholz und um den
Spielfilm "Die innere Sicherheit" in der Regie von Christian Petzold,
der gerade in Köln Premiere feiert. Mit dem Regisseur und dem Autor
sprach Werner Köhne.
Film: "Die innere Sicherheit" von Christian Petzold, Deutschland
2001
Buch: "Rosenfest", von Leander Scholz, 248 Seiten, Hanser Verlag
2001, DM 35,- / EUR 17,89
weitere Titel von Leander Scholz:
"Die Akte Ex. Abrechnungen mit der Liebe von gestern" von Leander
Scholz und Michael Zöllner
Taschenbuch, Rowolth Verlag 2000
"Zwei gegen Einen" von Leander Scholz
Tropen Verlag 1998
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