Metropolis vom 05.05.2001 um 21.40 Uhr
Kulturmagazin, WDR
  Gregor Schneider und die Biennale in Venedig 2001

"Der unheimlichste Künstler der Gegenwart" vertritt Deutschland in diesem Jahr bei der Biennale in Venedig: Gregor Schneider. Der 1969 geborene und in Mönchengladbach-Rheydt lebende Künstler beschäftigt sich seit den achtziger Jahren mit dem Bauen von Räumen. Im Mittelpunkt seiner Arbeit steht ein gewöhnliches Mietshaus, das er von seiner Oma geerbt und in "Haus ur" umgewandelt hat. Kontinuierlich baut er an diesem Ort: Er zieht Wände ein, verschließt Fenster, öffnet Türen, die ins Nichts führen oder bohrt Löcher in den Boden. Die seltenen Gäste empfinden den Besuch als klaustrophobisch-bedrückend. Schneider schafft einen Ort mit unglaublicher atmosphärischer Dichte und investiert als Künstler seine gelebte Zeit dort hinein. Auch in dem deutschen Pavillon in Venedig spielt das "haus ur" eine große Rolle.

 
 

Gregor Schneiders Beitrag für den deutschen Pavillon auf der Biennale Venedig 2001 in Buchform:
Gregor Schneider, Biennale Venedig 2001
Hrsg. Udo Kittelmann, Texte von Daniel Birnbaum, Udo Kittelmann u.a. Deutsch / Englisch, ca. 120 Seiten, ca. 40 Abb., ca. 48,-DM, ab Juni 2001

e-mail: info@biennale.it
http://www.biennale.it

Fotos der Douglas Hyde Gallery vom Haus ur und seinen Räumen
http://193.120.151.143/schneider20.html

Informationen über das Haus ur und Gregor Schneider auf der Homepage der Hamburger Kunsthalle
http://www.raeumen.org/schneider.html

  Der Aussteller: Pontus Hultén

Er ist einer der wichtigsten Wegbereiter der modernen Kunst nach 1945, er hat Künstler wie Niki de St. Phalle oder Tinguely entdeckt und gefördert, er war der Freund von André Breton und Sam Francis - und er hat die zentrale Rolle von Marcel Duchamp erkannt: Pontus Hultén, geboren 1924 in Stockholm. Aber in die Geschichte der Kunst des 20. Jahrhunderts wird er eingehen als Planer und Gründungsdirektor von Ausstellungsgebäuden, durch die das alte Museumskonzept radikal über den Haufen geworfen und moderne Kunstwerke breiten Massen zugänglich gemacht wurde. Die legendärste dieser neuen "Kunsthallen" ist das Centre Pompidou in Paris. Bernhard Pfletschinger mit einer Hommage an Pontus Hultén, der in diesem Jahr sein siebtes und letztes modernes Museum in seiner Heimat Schweden eröffnen wird.

 
 

Der Künstler Jan Svenungsson über Pontus Hultén:
http://www.jansvenungsson.com/by/pontus.html

Informationen über einige von Pontus Hulten
konzipierte Ausstellungen:
http://art-contemporain.eu.org/base/noms/8.html

  Günther Uecker in Belgrad

Wer kennt ihn nicht: Günther Uecker, Jahrgang 1930, deutscher Künstler mit Sitz in Düsseldorf, der weltweit bekannt wurde durch seine abstrakten Kunstwerken aus Nägeln, aber auch durch eine Vielzahl poetisch-politischer Bühnenbilder für die Avantgarde unter den europäischen Opernregisseuren. Jetzt eröffnet Günther Uecker, der seit seinem berühmten "Brief an Peking" immer wieder die Mißachtung der Menschenrechte bildlich und verbal anprangert, seine neueste Ausstellung im Kunstpavillon Belgrad: "Der geschundene Mensch". Immer wieder wurde die Ausstellung verschoben, weil sich das Milosevic-Regime dagegen wehrte, doch am 23. April kommt sie nun endlich nach Belgrad, ab Ende Mai reist sie dann durch die baltischen Länder. Michael Kluth über eine der faszinierendsten und wichtigsten zeitgenössischen Stimmen im europäischen Kunstbetrieb.

 
 

Biographie des Künstlers, Ausstellungsdaten und Fotos auf der Homepage des deutschen Instituts für Auslandsbeziehungen:
http://www.ifa.de/a/a1/kunst/da1uecke.htm

Website des serbischen Künstlerverbandes in Belgrad:
http://www.ulus.org.yu/

  "No Logo" - Naomi Kleins Buch zur Tyrannei der Markennamen

Was kann die Tochter einer feministischen Filmemacherin und eines linken Arztes tun, um, wie es sich für einen jungen Menschen gehört, gegen ihre allseits aufgeklärten Eltern zu rebellieren? Sie verblüfft sie, in dem sie ein Buch schreibt und sich selbst bekehrt. Naomi Klein verarbeitet ihre Barbiepuppen- und Designerjeans-Phasen und entwickelt aus der eigenen Geschichte eine weltweit gültige, verblüffende Gesellschaftskritik: "No Logo" ist eine Abrechnung mit dem Markenfetischismus, und als die Kanadierin ihr Buch Anfang des Jahres via Internet zu verbreiten begann, kürte sie die New York Times schnell zur "einflußreichsten Person der Welt unter 35". Nun erscheint das Buch auch auf deutsch - Florian Opitz über eine junge Kämpferin.

 
 

Naomi Klein: No Logo
- Flamingo, London, 490 Seiten
- Bertelsmann, München, 480 Seiten, DM 48,-
- Riemann Verlag, München, ISBN 3-570-50018-7

  Michael Schneider und die Französische Revolution in Straßburg

"Der Traum der Vernunft" heißt das neue Buch des deutschen Schriftstellers Michael Schneider und es handelt von einem Ereignis, das im Bewußtsein der Moderne bis heute Spuren hinterlassen hat: der Französischen Revolution. Dabei outet sich der Autor als linker Aufklärer und wählt einen Mittelweg zwischen Dokumentation und Fiktion. Erzählt werden die historischen Begebenheiten über eine Person der Zeitgeschichte, den deutschen Jakobiner Elogius Schneider. Er avancierte zum ersten öffentlichen Ankläger in der Grenzstadt Straßburg und nahm so aktiv teil an der Phase des jakobinischen Terrors, der sich seit dem Herbst 1792 über ganz Frankreich erstreckte. Metropolis begibt sich mit dem Autor Michael Schneider auf die Spurensuche nach Straßburg.

 
 

Michael Schneider: Der Traum der Vernunft
Roman eines deutschen Jakobiners
Kiepenheuer und Witsch,
Köln 2001, 620 Seiten
ISBN: 3462029681
DM 48,- / EUR 25,-

 

Metropolenreport

- Ausstellungen

* Arnold Böcklin - Gemälde
19.5. - 26.8.2001
Arnold Böcklin zählt zu den bedeutendsten Malern des 19. Jahrhunderts. In exemplarischer Auswahl von 90 Bildern zeigt die Ausstellung Böcklins Entwicklung von der Spätromantik zum Symbolismus.

Kunstmuseum Basel
St. Alban-Graben 16, CH-4010 Basel
Tel.: +41-61 / 206 6262, Fax: +41-61 / 206 6250
Öffnungszeiten: Di - So 10-17h
http///www.kunstmuseumbasel.ch

Weitere Stationen :
Paris: 1. 10.2001- 15. 1. 2002
München 14. 2. - 26.5.2002

Der Katalog ist erschienen bei der Edition Braus, Heidelberg. Er hat 300 Seiten und kostet 68 Franken (98 DM), im Museum ist er für 60 Franken (77 DM) erhältlich.


- Festivals

* Ruhrfestspiele Recklinghausen
2.5.-24.6.2001
Das europäische Festival präsentiert 20 Theaterproduktionen, 4 Konzerte und eine Kunstausstellung aus insgesamt 18 Ländern der Welt. Geboten wird Theater aller Genres - Schauspiel, HipHop,Tanztheater, Totaltheater, Oper, Performance, Cirque Nouveau, Musiktheater, Kabarett, Chansons. Dabei sind u.a. Hanna Schygulla mit "Brecht ... Hier und jetzt", Fura dels Baus, der Zirkus Eloize ...

Weitere Infos zu Programm, Spielorten, Tickets etc: http://www.ruhrfestspiele.de


* 47. Internationale Kurzfilmtage Oberhausen
3.5. - 8.5.2001

In den vier Wettbewerben der traditionsreichen Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen werden 149 Kurzfilme um die insgesamt 16 Preise konkurrieren. Unter den Regisseuren finden sich Künstler und Filmemacher wie Nam June Paik, Doug Aitken, Jon Jost oder James Herbert, aber auch z.B. Souheil Bachar, Mitglied der libanesischen Atlas-Group, und Jeferson De, Mitunterzeichner des brasilianischen Dogma Feijoada.

http://www.kurzfilmtage.de

Vorführungen:
Lichtburg Filmpalast
Elsässerstr. 22
46045 Oberhausen
Tel.: +49 (0)208 / 23557

*2. berlin biennale 20.4. - 20.6.2001
Ehemaliges Postfuhramt, Tucholskystr. 19 - 21 Öffnungszeiten: Di- Do 12-20h, Fr + Sa bis 22h, So bis 18h
Zweibändiger Katalog DM 50,-
www.berlinbiennale.de

* "It's showtime"
Der neueste Film von Spike Lee ist eine provokative TV-Satire, in der der Protagonist Pierre Delacroix (Damon Wayans) unter Quotendruck eine neue Show für einen US-TV-Sender entwickelt: Die "Minstrel-Show"ist eine moderne Variante einer 200 Jahre alten Unterhaltungsshow, in der Weiße dumme Farbige darstellen, die tolpatschig über die Bühne steppen und singen. Die Show wird ein Riesenhit, doch niederster Rassismus hat den Spaß längst in bösen Ernst verkehrt ...
Der Film ist ab Donnerstag in deutschen Kinos zu sehen.
Infos zum Film unter:
www.bamboozledmovie.com

* Eros Ramazotti
Tourdaten 2001:
9.5. Zürich
11.5. Genf
13.5. Halle / Westf.
14.5. Oberhausen
16.5. Passau
18.5. München
20.5. Stuttgart
22.5. Nürnberg
1.6. Loreley
3.6. Berlin
8.6. Salzburg