| |
Kino
Jean-Luc Godard stellt seinen neuen Film "Eloge de l'amour" in Cannes vor,
Francis Ford Coppola und sein "Apocalypse Now Redux", und … eine Hommage
an Orson Welles. Ebenfalls zu sehen sind die Bilder des jüngst verstorbenen
Claude Sautet, dem das Filmfestival in Cannes eine Hommage gewidmet hat.
In Cannes, und das ist bei anderen Festivals nicht anders, gibt es Sieger
und Preise, aber daneben auch Bilder, die unvergesslich sind. Beispielsweise
die von David Lynchs neuestem Film "Mulholland Drive". Und schließlich die
Bilder von "Eloge de l'amour", Jean-Luc Godards "Hymne auf die Liebe".
|
|

Jean-Luc Godard |
| |
Auszug des Interviews mit Jean-Luc Godard:
Pierre André Boutang: "Vor über zwanzig Jahren sagten
Sie einmal: "Das Kino ist wie ein Schmetterling, man muss es einfangen...
Wenn man es fängt, ohne es zu verletzen und ihm die Flügel zu zerquetschen,
dann passiert ein Wunder..."
Jean-Luc Godard: Ja, so kann man's sagen....
P.A.B: Das stammt von Ihnen, nicht von mir... Ist es denn so schwierig?
Jean-Luc Godard: Sollte es eigentlich nicht sein... Aber wie
alles im Leben... Wie alles auf Erden ist es nicht so einfach...
P.A.B: Das zu tun, was man gerne möchte? Weil die Ansprüche zu
hoch sind?
Jean-Luc Godard: Ja, sicher. Da sind die Ansprüche, aber da
ist auch das Talent... Man muss sein Talent kennen, und seine Schwächen.
P.A.B: Und dafür braucht es Zeit?
Jean-Luc Godard: Ja, ich glaube, dafür braucht es viel Zeit.
Aber das scheint mir normal zu sein.
P.A.B.: Ist es für einen Film besser, wenn man lange daran arbeitet?
Wenn man zwischendurch aufhört und dann wieder anfängt?
Jean-Luc Godard: Bei einem richtigen Film - na ja, das, was ich
einen richtigen Film nenne, einen Film, wie er in diesem Metier üblich
ist, also mit anderthalb oder zwei Stunden Länge ... bei einem Film mit
einem durchschnittlichen Budget und durchschnittlicher Besetzung sind
zwei oder drei Jahre angemessen. Mehr wäre zu viel, und dann ist es auch
kein Experimentalfilm mehr. Ich habe immer beides miteinander vermischt,
Spielfilme und Experimentalfilme, anders kann ich nicht arbeiten. Bei
dem hier habe ich parallel noch ein paar andere Filme gedreht: "The old
place" mit Anne-Marie, einen Kurzfilm für Cannes, Filme, die übrigens
nicht ins Kino kommen. Das reißt den Schöpfungsprozess ein bisschen auseinander
- aber zu sehr darf es das auch nicht! Wenn ein Maler ein Bild eine Zeitlang
beiseite lässt, ist das verständlich. Oder Conrad, er hat zwanzig Jahre
gebraucht, um "Fortune" zu Ende zu schreiben. Das ist natürlich ein Extrem.
Aber in der Zwischenzeit hat er regelmäßig andere Romane veröffentlicht.
Wenn man für einen Spielfilm fünf Jahre braucht, dann macht man in der
gleichen Zeit nicht noch drei andere. Man kann einen Werbefilm machen,
oder vielleicht einen Experimentalfilm, wenn's sein muss, wenn ein Auftrag
dafür vorliegt und wenn's einem hilft. Mir hilft so was auch. Dieser Film
hier hat allerdings zu lange gedauert. Es hilft, aber es hat die Dreharbeiten
auch ziemlich zerrissen; dadurch sind Schwächen entstanden, die ich heute
sehe.
|