Metropolis vom 19.05.2001 um 21.40 Uhr
Kulturmagazin, ARTE France
   
  Kino

Jean-Luc Godard stellt seinen neuen Film "Eloge de l'amour" in Cannes vor, Francis Ford Coppola und sein "Apocalypse Now Redux", und … eine Hommage an Orson Welles. Ebenfalls zu sehen sind die Bilder des jüngst verstorbenen Claude Sautet, dem das Filmfestival in Cannes eine Hommage gewidmet hat. In Cannes, und das ist bei anderen Festivals nicht anders, gibt es Sieger und Preise, aber daneben auch Bilder, die unvergesslich sind. Beispielsweise die von David Lynchs neuestem Film "Mulholland Drive". Und schließlich die Bilder von "Eloge de l'amour", Jean-Luc Godards "Hymne auf die Liebe".
 
Jean-Luc Godard
 



Auszug des Interviews mit Jean-Luc Godard:

Pierre André Boutang:
"Vor über zwanzig Jahren sagten Sie einmal: "Das Kino ist wie ein Schmetterling, man muss es einfangen... Wenn man es fängt, ohne es zu verletzen und ihm die Flügel zu zerquetschen, dann passiert ein Wunder..."

Jean-Luc Godard: Ja, so kann man's sagen....

P.A.B: Das stammt von Ihnen, nicht von mir... Ist es denn so schwierig?

Jean-Luc Godard: Sollte es eigentlich nicht sein... Aber wie alles im Leben... Wie alles auf Erden ist es nicht so einfach...

P.A.B: Das zu tun, was man gerne möchte? Weil die Ansprüche zu hoch sind?

Jean-Luc Godard: Ja, sicher. Da sind die Ansprüche, aber da ist auch das Talent... Man muss sein Talent kennen, und seine Schwächen.

P.A.B: Und dafür braucht es Zeit?

Jean-Luc Godard: Ja, ich glaube, dafür braucht es viel Zeit. Aber das scheint mir normal zu sein.

P.A.B.: Ist es für einen Film besser, wenn man lange daran arbeitet? Wenn man zwischendurch aufhört und dann wieder anfängt?

Jean-Luc Godard: Bei einem richtigen Film - na ja, das, was ich einen richtigen Film nenne, einen Film, wie er in diesem Metier üblich ist, also mit anderthalb oder zwei Stunden Länge ... bei einem Film mit einem durchschnittlichen Budget und durchschnittlicher Besetzung sind zwei oder drei Jahre angemessen. Mehr wäre zu viel, und dann ist es auch kein Experimentalfilm mehr. Ich habe immer beides miteinander vermischt, Spielfilme und Experimentalfilme, anders kann ich nicht arbeiten. Bei dem hier habe ich parallel noch ein paar andere Filme gedreht: "The old place" mit Anne-Marie, einen Kurzfilm für Cannes, Filme, die übrigens nicht ins Kino kommen. Das reißt den Schöpfungsprozess ein bisschen auseinander - aber zu sehr darf es das auch nicht! Wenn ein Maler ein Bild eine Zeitlang beiseite lässt, ist das verständlich. Oder Conrad, er hat zwanzig Jahre gebraucht, um "Fortune" zu Ende zu schreiben. Das ist natürlich ein Extrem. Aber in der Zwischenzeit hat er regelmäßig andere Romane veröffentlicht. Wenn man für einen Spielfilm fünf Jahre braucht, dann macht man in der gleichen Zeit nicht noch drei andere. Man kann einen Werbefilm machen, oder vielleicht einen Experimentalfilm, wenn's sein muss, wenn ein Auftrag dafür vorliegt und wenn's einem hilft. Mir hilft so was auch. Dieser Film hier hat allerdings zu lange gedauert. Es hilft, aber es hat die Dreharbeiten auch ziemlich zerrissen; dadurch sind Schwächen entstanden, die ich heute sehe.

       
  Interview mit Youssef Ishaghpour

Thema: sein neues, dreibändiges Werk über Orson Welles.
Bisher ist es nur auf französisch erhältlich unter dem Titel:

"Orson Welles, cinéaste - une caméra visible"

Erschienen bei Editions de la Différence:
1. Mais notre dépendance à l'image est énorme
175 FF (26,68 Euro)
ISBN 272 91 13 258

2. Les films de la période américaine
432 pages
135 FF (20,58 Euro)
ISBN 272 91 13 266

3. Les films de la période nomade
480 pages
190 FF (28,97 Euro)
ISBN 272 91 13 274



Gespräch mit avec Francis Ford Coppola
über seinen Film 'Apocalypse Now Redux'


 
Youssef Ishaghpour