Maurice Krafft und Katia Conrad stammen beide aus dem Elsass. Maurice wurde am 25. März 1946, Katia am 17. April 1942 geboren. Naturverbundenheit prägte ihre Kindheit. Schon früh interessierten sich beide für Naturwissenschaften. Ihre ländliche Herkunft sollte ihr späteres Leben bestimmen. Auch später blieben beide ihrer elsässischen Heimat um die Gegend Cernay, Guebwiller, Ensisheim und Wattwiller treu. Großstädte waren für sie nur notwendige Stationen auf ihren Reisen oder Orte beruflicher Kontakte.
Obwohl den beiden ihr zukünftiger Beruf durchaus nicht in die Wiege gelegt war, begeisterten sie sich seit ihrer Jugend für Vulkane. Für Maurice war das entscheidende Ereignis die Besichtigung des noch aktiven Stromboli, die der damals Zehnjährige 1956 mit seinen Eltern unternahm. Damals entwickelte sich die alles beherrschende Leidenschaft seines Lebens.
Katias Wunsch, Vulkanologie zu werden, wurde durch mehrere Lehrfilme über Vulkane geweckt. Auch sie besuchte später mit ihren Eltern die sizilianischen Vulkane.
Maurice studierte Geologie, Katia Geochemie.
Maurice et Katia Krafft, Lonquimay, Chili. © Krafft, Hoa Qui
Theoretisch hätte eine akademische oder wissenschaftliche Laufbahn mit gelegentlichen Forschungsreisen folgen müssen. Doch Maurice und Katia waren von unwiderstehlicher Entdeckerlust beseelt. Nichts hielt sie zurück. In den 60er-Jahren bereisten sie die Vulkane im französischen Zentralmassiv und in Italien, 1968 Island. Nach ihrer Heirat im August 1970 unternahmen sie eine mehrmonatige Reise nach Indonesien, gefolgt von zahlreichen Forschungsaufenthalten in Afrika, Japan, Mittel- und Südamerika, auf der Insel Réunion, auf Hawai und in Alaska. Diese „Pilgerfahrt“ entlang der Vulkane nahm am 3. Juni 1991 mit dem tragischen Tod der Kraffts am Vulkan Unzen auf der japanischen Insel Kyushu ein jähes Ende.
Beide wollten ungebunden „nach dem Rhythmus der Erde“ leben. Die Möglichkeit, jederzeit aufbrechen und aktive oder anderweitig interessante Vulkane besuchen zu können, war für sie lebenswichtig. Das erforderte aber auch entsprechende materielle Voraussetzungen. Fast zwanzig Jahre lang begeisterte das Ehepaar Krafft seine Zuhörer mit Vorträgen und leistete neben der eigentlichen Forschungstätigkeit einen wichtigen populärwissenschaftlichen Beitrag. Die Kraffts hinterließen fünf großartige Filme - „Volcans d‘Europe“, „Volcans d‘Asie“, „Volcans d‘Afrique“, „Les plus beaux volcans du monde“ und „L‘Homme face aux Volcans“ - sowie über zwanzig Bücher und zahlreiche wissenschaftliche Artikel. Oft waren sie im Fernsehen zu sehen. Mit ihren Filmen und Fotos und dank ihrer persönlichen Ausstrahlung begeisterten sie Millionen von Menschen und weckten sicherlich in manch einem den Wunsch, selbst Vulkanologe zu werden.
Maurice und Katia Krafft traten jedoch nicht nur in der Öffentlichkeit auf, sondern sie waren auch Wissenschaftler von internationalem Ruf. Ihre Aufnahmen von Vulkaneruptionen (in 20 Jahren hielten sie mehr als 140 Vulkanausbrüche fest – ein bisher unerreichter Rekord) sind nach wie vor eine einzigartige Dokumentationsquelle. Ihr Filmmaterial bildete die Grundlage einer Videokassette über Vulkanrisiken, die Maurice Krafft auf Initiative der UNESCO-Vereinigung IAVCEI fertigte. Diese Kassette bewirkte im Juni 1991 die Evakuierung von knapp 200 000 Menschen am Fuße des philippinischen Vulkans Pinatubo. Im Nachhinein kann man sagen, dass diese Kassette dazu beitrug, 20 000 Menschenleben zu retten, die unmittelbar von den austretenden Magmamassen bedroht waren. Welch traurige Ironie des Schicksals: Genau zwei Wochen zuvor waren Maurice und Katia sowie mehrere andere Vulkanologen und Fotografen durch die gleiche Ursache am Unzen-Vulkan in Japan ums Leben gekommen.
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Katia Krafft en costume inufigé devant une fontaine de lave, Krafla, Islande. © Krafft, Hoa Qui
Maurice und Katia Krafft hatten eine in ihrem Umfang weltweit nahezu einzigartige Sammlung von Büchern, Unterlagen, Gemälden, Stichen und Zeichnungen über Vulkane angelegt, ein Hobby, das sie mit der gleichen Leidenschaft und Entschlossenheit wie ihre eigentliche Forschung betrieben. Nach ihrem Tod wurde die Sammlung Gegenstand einer Schenkung an den französischen Staat. Sie befindet sich heute im Pariser Musée National d‘Histoire Naturelle.
Die Foto- und Filmaufnahmen werden heute von der französischen Association Images & Volcans verwaltet und gelten weltweit als erstklassiges Dokumentationsmaterial. Sie bildeten ebenfalls die Grundlage für die ausgestrahlte Filmhommage.

Jacques Durieux