Der Piton de la Fournaise ist das pulsierende Herz der Insel Réunion. Er zählt zu den aktiven französischen Vulkanen, und im Weltmaßstab zu den häufig ausbrechenden großen Vulkanen.


Réunion ist vor etwa 2 Millionen Jahren mit dem Auftauchen eines ersten Vulkans aus dem Indischen Ozean entstanden. Er befindet sich über einem Vulkanherd, dessen Hot Spot die afrikanische Platte 1200 km westlich des mittelozeanischen Rückens durchbricht.
Durch die Aufschichtung von Basaltlavaströmen bildete sich ein großer Schildvulkan, der heutige Piton des Neiges. Mehrere Einbrüche seines Gipfels ließen eine weiträumige Caldera entstehen, in die die Erosion mehrere tiefe Kessel einschnitt. Nach einer langen Phase mit explosiven Eruptionen, die durch die Differenzierung des Magmas in dem schon alten Vulkan hervorgerufen wurde, ging dessen aktive Zeit vor 20 000 Jahren zu Ende.
Aber vor 380 000 Jahren war an der Südostseite des ersten Schildvulkans ein zweiter Vulkan entstanden: der Piton de la Fournaise. Sein regelmäßiges Wachstum wurde von Einstürzen begleitet, die drei ineinander verschachtelte Calderas hervorgebrachten. Heute krönt den Vulkan seine zuletzt enstandene Caldera Enclos Fouqué mit einem mittleren Durchmesser von 8 km und einer Tiefe von 200 m.

© Pascal Blondé
Die Ausbrüche des Piton de la Fournaise :

Der kegelförmige Gipfel des Piton de la Fournaise, der sich aus der Caldera erhebt, hat einen Durchmesser von 3 km und eine Höhe von 400 m. Die meisten seiner Ausbrüche sind Spalteneruptionen. Die austretende Lava ergießt sich über die Wände des Vulkankegels bis auf den Grund der Caldera. Zu Ausbrüchen kommt es häufig, manchmal jährlich. Meist gehören sie zum Hawaii-Typ und dauern etwa 3 Wochen; bereits in den ersten Tagen treten große Mengen Lava aus, und die flüssigen Basaltergüsse können mehrere Kilometer lang sein. Fast alle Eruptionen (97%) finden im Enclos Fouqué statt, und die längsten Lavaströme erreichen seinen unteren Teil, den Grand Brulé.
Der Riesenkrater wird jedoch von Nordosten nach Südosten bogenförmig von einem instabilen Bereich durchquert: Hier können, wie es 1977, 1986 und 1998 der Fall war, Ausbrüche auch außerhalb der Caldera auftreten.
Nur diese Ausbrüche sind gefährlich, denn sie können besiedelte Gebiete in Mitleidenschaft ziehen. Allerdings ist dieses Risiko relativ gering, da es sich bei den Ausbrüchen des Piton de la Fournaise hauptsächlich um effusive Eruptionen handelt. Die Lavaströme zerstören also höchstenfalls einige hundert Meter Straße oder ein paar Häuser. Für die Bevölkerung besteht keine unmittelbare Gefahr.

Jacques Durieux