| Die Vulkankette Virunga, die sich zwischen Ruanda und der Demokratischen Republik Kongo (früher Zaire) erstreckt, verläuft entlang des westlichen Ausläufers des ostafrikanischen Riftsystems, nördlich des Kivu-Sees. Sie besteht aus acht an normalen Riftspalten entstandenen gewaltigen Vulkanen. Nyiragongo und Nyiamulagira, die beiden Vulkane am Boden des Rifts, sind heute noch aktiv. Der Nyiragongo ein großer Schichtenvulkan von 3.425 m Höhe, wird von zwei bedeutenden Seitenkratern flankiert (Baruta im Norden, Shaheru im Süden). Sein Hauptkegel wird von einem abrupt abfallenden Krater mit einem Durchmesser von 1 km ausgehöhlt. Die Steilwände des Kraters sind heute fast 500 Meter hoch, wobei seine Tiefe in der Vergangenheit je nach Tätigkeit des Vulkans variierte. Der Vulkan wurde zwar bereits Ende des 19. Jahrhunderts von dem deutschen Forscher von Götzen entdeckt, der die erste bekannte Expedition zu seiner Besteigung angeführt hatte. Der Vulkankrater wurde allerdings erst ab 1935 erforscht, als zwei belgische Bergsteiger die erste, 200 m hohe Steilwand bezwangen, die auf eine große, kreisförmige Plattform führt. Auf dem Katergrund entdeckten sie einen riesigen brodelnden Lavasee, dem Haroun Tazieff in den fünfziger Jahren durch verschiedene Reportagen Berühmtheit verlieh. Unter der Leitung von Prof. Yvon de Magnée wurden mehrere Forschungsreisen zum Vulkan organisiert. Dabei fand man heraus, dass der Oberflächenspiegel des Lavasees in der zentralen Kratervertiefung nicht konstant blieb, sondern Schwankungen aufwies. 1966 reichte er bis 160 m unter die Plattform und begann dann, langsam anzusteigen. Von 1970 bis 1975 wurde der Vulkan durchgehend von Jacques Durieux beobachtet und studiert. 1970 stieg der Lavasee bis auf 50 m unter der Plattform an. Im April 1972 erreichte er die Plattform und überflutete sie mit einem breiten, sehr dünnflüssigen und heißen Lavastrom. Während der darauffolgenden fünf Jahre schwankte der Spiegel des Lavasees um maximal 10 m, blieb aber der Plattform stets sehr nahe. Damals galt dieses Phänomen als eines der faszinierendsten Naturschauspiele, die weltweit je auf einem Vulkan beobachtet worden waren. Auf dem See wüteten in regelmäßigen Abständen heftige "Stürme", und riesige Lavafontänen brachten ihn in Wallung. |
Am 3. Januar 1977, als der See seinen Höchststand erreicht hatte, wurde der Vulkan von einem von Norden nach Süden verlaufenden Riss gespalten. In den Riss ergoss sich schmelzflüssige Lava ergoss, die erstmals seit Entdeckung des Vulkans an der Außenseite des Kegels wieder austrat. Mit einer Geschwindigkeit von zwischen 60 bis 100 km/h flossen dünnflüssige Lavaströme hangabwärts bis in die Dörfer und schnitten Verkehrswege ab. Die Stadt Goma und der Flughafen blieben verschont, aber 500 Menschen wurden getötet. Dies war der bisher tödlichste Lavafluss mit dem größten Austrittsvolumen: In rund 40 Minuten wurden 20 Mio. km3 Lava ausgestoßen. Durch die Entleerung des Sees sackte der aus Senken und Plattformen gebildete Krater ein, was zur Bildung der heute mehr als 800 m hohen Steilwände führte. 1982 entstand für wenige Monate ein neuer Lavasee, der den Spiegel von 800 auf 600 m anhob. Mehrere Forschungsmissionen wurden auf dem Vulkan durchgeführt, wovon einige bis auf den Grund des Kraters vordrangen. Eine Warnmeldung über die erneute Aktivität des Sees führte 1994 zum den schlimmsten Befürchtungen. Zu jener Zeit wütete der ethnische Krieg, von dem Ruanda und der Osten Zaires betroffen waren, und Flüchtlinge strömten in das Gebiet um den Vulkan. Mehr als 800.000 Menschen hatten Lagerstätten zwischen Goma und dem Vulkan Nyiragongo errichtet. Eine Eruption wie die von 1977 hätte zur größten Vulankatastrophe seit Menschengedenken führen können Den Vorhersagen der vor Ort tätigen Vulkanologen entsprechend beruhigte sich der Vulkan jedoch wieder. Im Februar/März 2000 kam eine neue Warnmeldung, aber niemand weiß, ob der Lavasee tatsächlich wieder tätig ist. Die ungewisse Lage in der Region verhindert leider die Durchführung von wissenschaftlichen Gutachten. Jacques Durieux |
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