RÜCKKEHR NACH GRIECHENLAND.

Im März 1937 geht Maria Callas nach Athen. Sie beendet die Schule und tritt mit drei Jahren Vorsprung ins Athener Konservatorium ein. Sie begegnet Elvira de Hidalgo und debütiert an der Athener Oper. Erste Liebschaften, Rivalitäten an der Athener Oper, Krieg ...

"... Athen, Debüt mit 14 Jahren. Ich habe keine Schulbildung genossen!"

"In Griechenland war die Oper klein, ich hatte das Glück, Elvira de Hidalgo zu begegnen. Ich habe die Grundlage der alten Schule gelehrt bekommen: wie man die Stimme behält. Ich habe kleine Tricks gelernt. Und vor allem habe ich gelernt, über den Gesang `hinwegzuspringen', das heißt zu interpretieren."

"... Achtjährige Karriere in Griechenland: um eine Oper einzustudieren, probte man 6 Monate ... Aber die Jungen heute haben es schwer. Das war meine große Chance..

 

Operndebüt in Athen als Santuzza in "Cavalleria rusticana" (Mascagni).

"Harte Arbeit und eine besondere Atmung sind nötig. Es ist die Anwendung der Musik auf die Stimme. Heute singt man einfach Noten, es gibt keine Koloraturen, keine Legatos und keinen Ausdruck."

 

DER BELCANTO

"Der Belcanto ist kein `schöner Gesang', sondern eine Art des Herangehens an die Musik: Die Stimme muß dabei wie eine Geige spielen, was ein intensives Training erfordert. Es ist wie ein Korsett, das man tragen muß, ob man will oder nicht. Man muß lesen, schreiben, Sätze bilden lernen, ausprobieren, wie weit man gehen kann, muß hinfallen, sich weh tun, aufstehen - und dabei immer tiefer in die Musik eindringen. Die Musik nach den Regeln des Belcanto lernen, bedeutet, sich den guten Geschmack aneignen, der von einer Generation an die nächste weitergegeben wird. Das nennt man Tradition. Das Erlernen des Belcanto ist wirklich etwas Grundlegendes; wenn man ihn nicht beherrscht, kann man keine Oper, nicht einmal die modernste, singen."

Maria Callas in einem Interview mit Lord Harewood im Dezember 1968.

MARIA CALLAS UND IHRE STIMME

"Man kann nicht sagen, daß sie ihre Stimme nicht mochte, aber sie fand, sie habe eine widerspenstige Stimme. (...) Es war eine Stimme, die ihre guten und ihre schlechten Tage hatte, wie jeder Mensch, aber bei ihr war das besonders ausgeprägt. Diese Stimme verlangte manchmal eine größere technische Beherrschung, und sie mußte mit viel Verstand beherrscht werden. Sie bekam anfangs immer einen kleinen Schock, wenn sie ihre Stimme hörte, das war eine Überrraschung für sie und keineswegs immer angenehm. Aber sie hörte mit höchster und besonderer Aufmerksamkeit zu, denn es kam ihr nicht nur auf die Stimmqualität an, sondern vor allem auf die musikalische Qualität, auf die richtige Phrasierung. Der stimmliche Aspekt war für sie eher zweitrangig. Übrigens betonte sie immer wieder, daß sie eine singende Schauspielerin und keine schauspielernde Sängerin sei. Die Ausdruckskraft hatte bei ihr eindeutig Vorrang."

Michel Glotz, in den sechziger Jahren Künstlerischer Leiter bei Pathé-Marconi.

 



1945-1947

Rückkehr nach New York. Einzug in die väterliche Wohnung. Vorsingen für Verona. Vorsingen an der "Met". Maria Callas lehnt zu anstrengende Rollen ab.

" Mr. Johnson bot mir die Butterfly an der "Met" an. Ich lehnte ab. Auch Fidelio auf englisch gefiel mir nicht: Ich lehnte ab. Man erklärte mich für verrückt! Mein Geheimnis ist, daß ich `nein' sagen und auswählen, daß ich warten kann. Der Instinkt hat einen großen Einfluß. Man kann einfach nicht tun, was die anderen wollen. Man muß `nein' sagen können. "



1947-1949

Auftritt in Italien.

" Ich bin ein Geschöpf des Schicksals, aber man muß immer arbeiten, damit das Schicksal eintrifft, wenn es eintreffen soll. "

2. August 1947

Premiere von La Gioconda im Amphitheater von Verona vor 22 000 Personen unter der Leitung von Tullio Serafin.

" 1947 suchte Zenatello, der Direktor des Amphitheaters von Verona, eine Gioconda für Tullio Serafin. Das war die echte Chance, das Schicksal. Man hat mich nicht gleich verstanden, meine Stimme ist anfangs schwer zu verstehen.. "


DIE METHODE

" Was wir die kleinen Dinge nennen, sind in Wirklichkeit Übungen, die, ähnlich wie bei einem Athleten, dazu dienen, seine Kräfte einschätzen und allmählich erweitern zu lernen und die Muskeln zu stärken. Das versteht man unter `Belcanto'. Ziemlich kompliziert, aber derart faszinierend... eine Arbeit fürs Leben! Das Problem dabei ist nur, daß die Arbeit nicht nur nie aufhört, sondern daß man in dem Maße wie man lernt, sich auch bewußt wird, was noch zu tun ist.... "

Maria Callas in einem Interview mit Lord Harewood im Dezember 1968.



Erste komische Rolle als Fiorella in Rossinis Oper Der Türke in Italien.
Erste Begegnung mit Visconti.

Auftritt in Palermo, Neapel, Rom in der Walküre, I Puritani, Parsifal, San Giovanni Battista de Stradella.

Von Mai bis Juli: Saison in Buenos Aires im Teatro Colón mit Tullio Serafin in Turandot, Norma, Aida.



Auftritt in Brescia, Catane, Bologna, Pisa.

Auftritt an der Scala als Aida im April.

1950-52 

Große Tourneen in Südamerika.

Von Mai bis Juni: Saison in Mexiko, im Palacio de Bellas Artes (Norma, Aida, Tosca, Le Trouvère).



Auftritt in Palermo, Reggio de Calabria, Cagliari.

Von Juli bis August: Tournee in Mexiko, São Paulo und Rio de Janeiro (Aida, La Traviata, Norma, Tosca).

Mai: Auftritt im Teatro Comunale von Florenz.



Von Mai bis Juli: Saison in Mexico, im Palacio de Bellas Artes (I Puritani, La Traviata, Lucia, Rigoletto, Tosca).

Erste vollständige CETRA-Einspielung von La Gioconda.

Auftritt in London in Bellinis Norma mit Joan Sutherland.

1952- Ende 1954 

Schlankheitskur

1952-1959 

Premiere der Sizilianischen Vesper, der Entführung aus dem Serail und von Macbeth an der Scala am 3. Januar 1952.

" Ich habe immer Zeit gehabt, weil ich viel Zeit mit mir selbst verbringe. Unser Beruf ist sehr ernst. Ich bin daran gewöhnt, allein zu leben. Man muß alleine bleiben, wenn man eine Oper einstudiert, und die Musik im Kopf singen. Man muß eine Welt im Kopf und in der Seele haben. Bevor man mit den Proben beginnt, weiß man, was man machen kann, es ist im Kopf gereift. In einem bestimmten Augenblick macht das Gehirn halt, und es geht los. Das Gefühl dafür entwickelt sich. "



Anläßlich einer Medea-Aufführung schrieb ein Theaterkritiker: " Ich will etwas hervorheben, was nicht jeder Sängerin gefallen würde: ich, als Theaterkritiker, fing an zu weinen, als Frau Callas regungslos zum Publikum sah, und hinter ihr die Hochzeit ihres Exmannes Jason stattfand. Sie stand regungslos da, und in ihrem Gesicht konnte man die Angst einer verlassenen Frau lesen, für die ein Teil ihres Lebens abgeschlossen ist. Das ist noch keiner Sängerin gelungen: die Geschichte einer Leidenschaft ohne jede Geste widerzuspiegeln."

Christos Lambrakis, Präsident der Maria Callas-Stiftung.


SICH EINE ROLLE ERARBEITEN

" Wenn ich eine Oper vorbereite, muß ich zuerst die Musik lernen, denn das ist das erste, und dann muß man ganz allein bleiben, die Musik im Kopf hören und singen, und dann - ich weiß nicht, wie ich es erklären soll, vielleicht können Sie das besser - entsteht eine Welt in uns, in unserem Kopf, in unserer Seele. Aber diese Welt müssen wir selber schaffen. Das heißt, man sieht die Musik und kennt die Worte; man sieht es und fühlt es als Ganzes und dann behält man alles im Kopf, Schritt für Schritt bildet sich das heraus. Und dann erarbeitet man sich Einzelheiten, Dinge, Sätze, aber bevor die Hauptproben beginnen, weiß man im großen und ganzen, was man will. Selbst wenn man noch keine einzige Geste weiß. Das heißt, wenn man sich eine Rolle erarbeitet hat, ist etwas im Kopf und in der Seele gereift. Vielleicht können Sie das in Worte bringen, ich kann es nicht.

Wissen Sie, man versucht zu verstehen, wer die Person war. Man sagt sich: `Wenn ich sie wäre, was hätte ich gemacht?' Natürlich versucht man, sich sehr zu verändern. Man muß sich als diese Person verändern, d.h. man muß man selber bleiben mit den Gedanken dieser Person. Man verändert sich, aber man bleibt man selbst, das ist nichts Künstliches, man muß genau fühlen, was der oder die Andere gemacht hätte. ".

Maria Callas in einem Interview mit Micheline Banzet im Februar 1965.


CALLAS AUF DER BÜHNE

"Eigentlich bedaure ich nicht, daß es keine Videoaufzeichnung von der Callas gibt. Vielleicht würde man heute, wenn man die Gesten von vor 40 Jahren heute sähe, würde man vielleicht sagen, daß es besser gemacht werden kann. Das ist richtig, aber bis heute hat niemand eine vollkommenere Einheit zwischen Wort, Interpretation und Ausdruck erreicht. In der Oper sind gewisse Bewegungen an die melodramatischen Gesten gebunden, und das kann unter Umständen veralten. Aber was bei manchen Sängern nie veraltet, das ist die Gesangskunst, und die bewahren die Platten vollkommen auf und vermitteln sie sehr gut, so gut, daß man sich heute dazu eine glänzende und moderne Interpretation vorstellen kann. Beim Hören bestimmter Platten von der Callas kann man sich durchaus Glenn Close oder Meryl Streep vorstellen, aber man käme nie auf die Idee, sich die Greta Garbo vorzustellen, obwohl sie gut war.".

Elvio Giudici, Musikkritiker.


INTERPRETIEREN

"Das Publikum muß die Gedanken des Sängers lesen und sie dann hören, man muß die Phrase vorbereiten... Bevor man im Leben etwas sagt (...), drückt sich das eine Viertelsekunde, bevor man es ausspricht, auf dem Gesicht aus. Man kann zum Beispiel nicht unmittelbar sagen: `Oh, ich halte sehr viel von X'. Wenn man `Ich halte...' sagt, ist es schon zu spät. Man muß erst denken, und dann kann man `ich halte sehr viel von...' sagen. "

Maria Callas in einem Interview mit Lord Harewood im Dezember 1968.



Februar, März: Zweite Saison in New York (Traviata, Lucia, Tosca).

März: Auftritt in Lissabon, São Carlo (Traviata).

Von Juni bis September: Auftritt in London (Traviata, Konzerte).

November: Auftritt in Dallas in der Civic Opera (Traviata, Medea).

19. Dezember: Auftritt in der Pariser Oper (Konzert, Tosca, 2.Akt).



MARIA PRIVAT

"Ich bin überzeugt davon, daß sie in Meneghini wirklich verliebt war. Vielleicht war es keine leidenschaftliche Liebe, aber etwas Romantisches. Ihre Briefe sind sehr schön und berühren einen. Selbst ein schwer zu beeindruckender Mensch könnte ihnen kaum wiederstehen, weil es sehr schlichte Briefe sind, von denen eine außergewöhnliche Frische ausgeht. Manche Bilder, die sie verwendet, um ihre Liebe zu Meneghini auszudrücken, zeugen von großer Kraft und unglaublicher Genialität. Diese Briefe zeugen von großer Naivität. Sie war eben ein großes Kind."


DIE FATALE KREUZFAHRT

Ein Besuch des Theaters von Epidaurus.
Von Pierre Brullé

Während einer Keuzfahrt im Ägäischen Meer im Jahre 1959, legte die Yacht von Aristoteles Onassis, die "Christina", an der Reede von Nauplia an.

Karl Flinker, Herausgeber und zukünftiger Galeriedirektor und der junge Maler Tom Erma befanden sich zu dieser Zeit gerade in Nauplia.

Da die griechische Presse sehr genau über alle Einzelheiten dieser Kreuzfahrt berichtete und bekannt war, daß Onassis und seine Frau Sir Churchill, dessen Gattin, Maria Callas und deren Ehemann eingeladen hatten, ahnten Karl Flinker und sein Freund, beide große Bewunderer der Sängerin, wer die Passagiere der eindrucksvollen Yacht waren.

Ein Beiboot wurde ins Meer gelassen und näherte sich dem Hafen, die Ehepaare Onassis, Churchill und Maria Callas befanden sich an Bord. Als die beiden Männer erkannt wurden, herrschte auf dem Steg große Aufregung, die Menschenmenge stürzte auf die Landungsbrücke und versammelte sich um die beiden. Sie begleitete die kleine Gruppe bis zu einem in der Nähe geparkten Cabriolet, in dem der alte Churchill unter Mühen neben Onassis Platz nahm.

Einer plötzlichen Eingebung folgend, glaubten Karl Flinker und Tom Erma, daß das Ziel dieses Ausfluges das Theater von Epidaurus sei. Sie beschlossen, dort hinzufahren, um vor diesen wichtigen Besuchern anzukommen.

In dem Hain, der das Theater umgibt, schnitten sie Lorbeerzweige mit rosafarbenen Blüten ab und legten daraus ein großes "V" auf den Boden mitten im Amphitheater aus. Als sie die Stufen des Amphitheaters hinaufstiegen, sahen sie mehrere Autos ankommen: Sie hatten sich nicht geirrt.

Die Ankömmlinge betraten die Szene und wunderten sich über die V-förmig angeordneten Blüten: das Zeichen des Sieges? Karl Flinker und Tom Erma schrieen in diesem Augenblick los: "Viva Callas!". Maria war sehr bewegt, sie machte ihnen mit der Hand ein Zeichen. Sie stiegen hinunter und gesellten sich zu ihr: Sie fragte sie, was sie denn für sie machen könne. Singen! Leider mußte Callas sie enttäuschen, denn sie singt niemals ohne Musik.

Am selben Abend wurden Karl Flinker und Tom Erma von Maria Callas zum Abendessen eingeladen. Die beiden erschienen in improvisierter Abendgarderobe auf der Yacht.


CARMEN

"Ich stelle sie mir eher auf der Leinwand als auf der Bühne vor, denn Carmen halte ich für ziemlich männlich. Sie hat einen starken, mehr männlichen als weiblichen Charakter. Vielleicht schockiert Sie das, auch wenn ich das nicht beabsichtige. Mit anderen Worten: Sie nimmt die Dinge in die Hand, verhält sich wie ein Mann gegenüber einer Frau... ich glaube nicht, daß sich das auf der Bühne mitteilen läßt. Zum Beispiel wenn Carmen Don José zum ersten Mal auf der Bühne sieht, da stelle ich sie mir fast bewegungslos vor... Ich glaube, da ist sie wie ein Tier, das seine Beute erblickt.

Sie sollte sich nicht bewegen, denn dadurch wird die Kraft, eine Art Hypnose, die Spannung zwischen Don José und Carmen, zerstört. Sie weiß ganz genau, was er für sie empfindet, und sobald sie genau weiß, was sie für ihn empfindet, ist es ihr gleichgültig. Ich weiß nicht, ob es auf der Bühne gelingt, all diese Intentionen bei gleichzeitiger Bewegungslosigkeit zu vermitteln."

Maria Callas in einem Interview mit Lord Harewood im Dezember 1968.


MEDEA

"...) bei der Generalprobe 1961 sang ich wieder die Medea mit ihr. In der Szene, in der Jason und seine Zukünftige zum Tempel gehen, um dort zu heiraten, standen wir verborgen hinter einer Säule und betrachteten den Hochzeitszug. Als ich Maria zu weinen anfangen sah, war ich selber so bewegt! Sie erlebte jeden Augenblick auf der Bühne so intensiv, daß ich mich betroffen fühlte und mir die Tränen kamen. Da sagte sie zu mir: `Kiki, du sollst nicht weinen, du bist noch so jung und unerfahren. Wenn ein Sänger tief bewegt ist, erstarren seine Stimmbänder. Nimm dich bitte zusammen. "

Kiki Morfoniou, Mezzosopran, Partnerin von Maria Callas.


MARIA PRIVAT

"Man kann sich vorstellen, unter welchem Druck Maria Callas stand, wenn sie eine Opernbühne betrat. Sie wußte, daß durch die 2000 Personen im Saal die ganze Welt auf sie starrt, ihr zuhört, sie liebt, verachtet, bewundert. Alle Gefühle sind im Saal vorhanden. Der Druck ist gewaltig. Natürlich gab es Momente in ihrem Leben, wo sie einfach Ablenkung brauchte. Sie liebte witzige Filme über alles. Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie oft ich mit ihr ins Kino ging, um witzige Filme, vor allem amerikanische, zu sehen, dann lachte und lachte sie! Sie war ziemlich komisch im Kino. Bei spannenden Filmen sagte sie dann: `Oh, jetzt kommt er gleich! Oh, jetzt wird er ihn töten!' Das war ihre Kleinmädchenseite. Das war phantastisch. Im übrigen konnte sie sich an nichts mehr erfreuen, als sich inkognito zu bewegen. Wir gingen nach dem Kino zum Beispiel in eine Bar auf den Champs-Elysées, setzten uns auf Barhocker, und sie aß einen Sandwich, das erinnerte sie an ihre Jugend, an ihr amerikanisches Erbe.".

Michel Glotz, in den sechziger Jahren Künstlerischer Leiter bei Pathé-Marconi.


SELBSTKRITIK

" Wir müssen uns täglich prüfen. Wenn man nicht dumm ist und viel, zu viel, im Kopf hat, wie ich, dann prüft man zu genau. Anstatt zu sehen, was ich schön mache, sehe ich immer nur, was ich schlecht mache. So waren auch die Ratschläge der großen Meister früher: `Denken Sie nicht an die schönen Passagen, die Ihnen gelingen, diese Kraft ist ja von Natur aus da. Denken Sie an die Fehler, an die Fehler, die korrigiert werden müssen'. ".

Maria Callas im Interview mit Micheline Banzet im Februar 1965.



DIE BÜHNE

"Meine schönsten Erinnerungen verdanke ich dem Publikum (...). Wenn man ein besonders schwieriges Stück hat, zum Beispiel eine besonders poetische Melodie - und darauf lege ich viel Wert, denn wichtiger als die Schwierigkeit ist mir die Atmosphäre, das, was der Komponist ausdrücken wollte -, dann hört man das Schweigen, hört man die Leute vor der Explosion den Atem anhalten. Das sind die besten Augenblicke. Dann hat sich die Anstrengung gelohnt, die endlosen Proben, die Entmutigung, wenn ich mir sage: `Ich spiele nicht gut, ich werde erschöpft ankommen, sie verstehen es nicht' - und noch dazu fehlt es mir immer an Selbstvertrauen. Also, wenn man sieht, daß das Publikum diese Stimmung aufgenommen und empfunden hat, ist das der beste Lohn, und man spürt selbst, daß die Bühnenarbeiter... Die Maschinisten hinter der Bühne sind nicht so leicht für die Musik zu begeistern, denn sie machen ihre Arbeit, und dann haben sie Feierabend, sie wollen nicht zuhören. Aber wenn man am Ende eines Aktes da hinten noch auf dem Boden sitzen sieht, stumm, ganz von der Atmosphäre ergriffen, dann sind das die besten Erinnerungen".



MARIA PRIVAT

"Maria hätte bestimmte Dinge nie gesagt. Zum Beispiel, wenn sie alleine war, wagte sie nicht zu sagen, daß sie alleine war. Sie war wie ein kleines Mädchen mit all seinen guten und schlechten Eigenschaften, das sich nicht traut, etwas zu sagen. Im Leben war sie sehr einfach und vor allem sehr verschwiegen, unglaublich verschwiegen! Deshalb wußte ich auch vor ihrem Tode nicht, wie ungeheuer erschöpft sie am Ende ihres Lebens war.".

Georges Prêtre, Dirigent.



WELCHE MEDEA?

"Es ging darum, wer die Medea spielen sollte. Da war Anne Bancroft, die ich wunderbar finde, und Rita Hayworth, die sicher eine phantastische Medea abgegeben hätte. (...) Aber eines Tages beschloß Pasolini, die Callas solle die Medea sein. Ich warnte ihn, weil ich fürchtete, die Callas sei keine gute Schauspielerin. Welch ein Skandal! Pier Paolo regte sich hinter seiner dunklen Brille - hinter der er manches versteckte - ungeheuer auf!"

Laura Betti, Freundin und Beraterin von Pier Paolo Pasolini


LA PREVEDENZA

Pier Paolo Pasolini
21 mai 1970.

(...)
du warst ein Kind der Wirklichkeit
und dein Horizont war die Praxis
die Poesie war für dich das Leben und der Dienst an der Kunst
(...)


MARIA CALLAS UND IHR MYTHOS

"Maria hatte zwei Leben: ihr Privatleben und ihr Künstlerleben, und dieses war für sie viel wichtiger. All die Geschichten über Skandale und Liebschaften, über ihren angeblichen Geiz... ob sie ihre Mutter gehaßt hat oder nicht... All dies gehört sozusagen zum Mythos, der ihr aber nicht gerecht wird. Ob diese Geschichten wahr sind oder falsch, sie haben nichts mit ihrer künstlerischen Persönlichkeit zu tun. Sie konnte ganz abrupt von ihrem gesellschaftlichen Ich umschalten und über Musik reden. Denn das war ihre wahre Leidenschaft. (...)

Einmal fragte ich sie: `Wie ist es nur möglich, daß Du, die die Musik derart liebt, mit solchen Leuten umgehst?' Sie antwortete mir: `Es stimmt, meine Welt ist die Musik. Wenn ich mit der Partitur alleine bin, dann bin ich wirklich ich. Aber kann man denn das Paradies auf Erden haben? Nun, so muß ich eben auch ein anderes Leben führen! "

Christos Lambrakis, Präsident der Maria Callas-Stiftung.



MARIA CALLAS UND IHR MYTHOS

"Es stimmt, daß Maria nicht leicht zugänglich war: sie vertraute sich den Leuten nicht leicht an und fand nicht unmittelbar Vertrauen zu ihnen. Trotz ihres großen Erfolgs, war sie im alltäglichen Leben eine schüchterne Person geblieben. Eines Abends wollten wir zu einem Konzert gehen, und sie erschien mit einem langen Kleid und ihren Diamanten.

"Maria, sollen wir so ausgehen?'

Bin ich schlecht angezogen?

Nein, nein...Du siehst großartig aus, aber vielleicht paßt es nicht ganz.

Muß ich mir etwas anderes anziehen?

Nein, zieh dich nicht um. Aber warum...?

Bist du sicher, daß du dich so zeigen mußt?

Stell mir keine Fragen, ich weiß nicht was ich machen soll. "

Wir sind am darauffolgenden Abend ausgegangen. Natürlich hatte sie ihren Rock und ihre Stiefel an. Sie sagte zu mir: `Hör zu, bestimmte Dinge sind schwierig für mich, und ich habe das Gefühl, eine Rolle... die Rolle der Callas zu spielen. Wenn ich jemand anderen geheiratet hätte, wäre mein Leben vielleicht ganz anders verlaufen. Jetzt habe ich meine Laufbahn aufgegeben und ich muß weiterhin so auftreten, wie die Leute es von mir erwarten. "

Christos Lambrakis, Präsident der Maria Callas-Stiftung



DIE BÜHNE

" Wissen Sie, auf der Bühne vollzieht sich etwas so Schönes, daß man oft vergißt, was mit den anderen passiert. Es ist, als hätte man Flügel, das ist noch ein ganz anderes Gefühl. Man spürt vieles, man wird sehr sensibel für die Empfindungen des Publikums, es ist wie (...) ein Abgehobensein, ja, genau: man ist nicht mehr man selbst, man fühlt sich riesengroß; ich weiß nicht, wie ich es erklären soll, (...) als hätte man das ganze Theater in sich aufgenommen. (...) Manchmal fühlt man sich aber auch sehr klein, so klein, daß man am liebsten fliehen möchte, weil man sich dessen schämt, was man gemacht hat. Da gibt es diese beiden Gehirne, das eine, das Genie, verzeihen Sie, das, was Sie `Genie' genannt haben, und das, was wir `Instinkt' nennen, dieser Instinkt, der einen zu bestimmten Gesten treibt, von denen man sich anschließend sagt: `Was habe ich da nur gemacht? Ich schäme mich, ich muß hier weg', und dann ist man ganz erschrocken. Das geht bei der Aufführung so weiter, und dazwischen muß man natürlich singen, denken, gestalten (...). ".

Maria Callas im Interview mit Micheline Banzet im Februar 1965.



MARIA CALLAS UND IHR MYTHOS

So ist die Callas für die meisten ein Mythos, aber mal ist es ein weltlicher Mythos, mal so einer und mal so einer, mal einer der großen Abenteuer, der Berühmtheiten, der Yachten, der Launen eines Stars, ein Mythos von alldem. Aber eigentlich hat sie damit überhaupt nichts zu tun. (...) Die Leute müssen sich diese erbärmlichen Sachen, die für jeden aufsteigenden jungen Filmstar von den Pressebureaus organisiert werden, aus dem Kopf schlagen. Nein, damit hatte sie nichts zu tun. Sie war ein Mythos, weil sie mit der Musik eins war. Sie achtete auf alles, man sagt, daß sie auf jedes einzelne Komma einer Partitur achtete, aber mehr noch: sie war selber das Komma. Sie war dermaßen in der Musik drin, daß sie nichts vergessen, nichts beiseite schieben und nichts durchgehen lassen konnte, was ihr das Leben vereinfacht hätte, auch wenn es kein Verbrechen gewesen wäre. Nein, sie konnte es nicht, weil sie die Schöpfung und der Schöpfer war. Das ist es. Wenn es Verdi war, war sie auch Verdi! So!

Laura Betti, Schauspielerin, Freundin Pasolinis.


BRIEF AN IHR PUBLIKUM

Erklärung von Maria Callas aus dem Jahre 1977 für die neue MariaCallas-Stiftung, die sie soeben mit ihrer Freundin Vasso Devetzi gegründet hatte.

"Liebes Publikum,

Versuchen Sie, in mir einzig und alleine eine Musikerin zu sehen, die nur für die Musik lebt.

Glauben Sie nicht diesen Unsinn, den Sie über mich hören.

Ich glaube, daß es mein Schicksal ist, daß die Leute gerne über mich reden.

Ich glaube, daß es mein Schicksal ist, daß sich viele Menschen, Feinde und Kollegen, mir gegenüber schlecht verhalten und mich, um ihre eigene Schwäche zu entschuldigen, dafür verantwortlich machen.

Ich glaube nicht, daß es gerecht ist, ich glaube nicht, daß es ehrlich ist.

Alles, was ich dem Publikum empfehlen kann, ist, unparteiisch zu sein und nur an eines zu glauben: ich lebe nur für die Kunst.

Es ist das einzig Wichtige und es ist, glaube ich, das Einzige, was das Publikum von mir erwartet."



MARIA CALLAS' TOD

"Warum hat man den Leichnam der Callas verbrannt? Ich bin sicher, daß sie während einer Diskussion mit Freunden gesagt hat: « Ich weiß nicht, ich spüre es, wenn ich tot bin, soll man mich verbrennen wie die Norma! » Weil es nicht üblich ist. Sie war orthodox, die Callas. Orthodoxe werden nicht verbrannt. Warum wollte sie verbrannt werden? Ich werde Ihnen den Grund sagen: Sie identifizierte sich mit ihren Heldinnen, davon bin ich überzeugt. Das ist meine intuitive Interpretation."

Vassily Nikolaidis, Regisseur.

"Wir sind zudem als erste in ihre Wohnung gekommen, meine Frau und ich. Wir haben Maria Callas auf dem Bett liegen sehen, sie sah aus wie ein junges Mädchen, erholt, ruhig. Aber obwohl ich Maria so gesehen habe, wird sie immer in meinem Herzen weiterleben, für mich ist sie immer noch da. Und ich kann nicht... es ist seltsam , wenn ich zu meinem Pult gehe, habe ich immer einen Gedanken für Maria, ich habe den Eindruck, daß sie da ist, daß sie zuhört, weil sie außerdem sehr gut zuhören konnte, Maria..."

Georges Prêtre, Dirigent.


SIE BRACHTE DIE ZEIT ZUM STILLSTEHEN

"Unter allen weiblichen Interpreten, die ich kenne, war Marias Callas diejenige, die in ihrer Ausdruckskraft die Zeit so lange stehenlassen konnte, bis jede Angst verschwand, auch die vor dem Tode selbst, und ein dem, was man Glück nennen solte, ähnlicher Zustand erreicht wurde.

Das eingenartige Ende des Lebens von Maria Callas, der sogenannte Herzschlag zu einem Zeitpunkt, an dem ihr privates Leben ruhig und ausgeglichen erschien, ist für mich der Beweis, daß sie ein gemeinsames Schicksal teilt mit all den Menschen, die durch zu reichliches Verschenken eigener Kraft zugrunde gehen müssen, da sie niemals etwas vergleichbar Schönes zurückbekommen können.."

"Um sich der Erwartungen des Publikums würdig zu erweisen, muß man vollkommen sein."